Stephan Mathieu, vom Schlagzeuger zum Elektroakustiker gewandelt, hat eine besondere Vorliebe für alte Instrumente und obsolete Medien wie Grammophone und Wachszylinder, eine Leidenschaft, die er etwa mit dem Labelkollegen Ethan Rose teilt. Auch Felicité, Hauptfigur von Flauberts Erzählung “Ein schlichtes Herz”, für deren Theaterfassung am Saarbrücker Staatstheater er vorliegende Musik schrieb, eine vom Leben vergessene Dienstmagd in der bornierten französischen Provinz des frühen 19. Jh., liebt und sammelt Altes und Abgelegtes, in dem verflossene Träume die Zeiten überdauern. Eine Figur naiver spritueller Transzendenz, die auch einem Film Bressons entspringen könnte: Mathieu fängt sie in seinen warm glühenden, schwellenden, ätherischen Drones wunderbar auf; windspieliges Klimpern oder alte Gesangsaufnahmen werden darin zu Großereignissen, die das Einerlei ihrer Jahre punktieren und ihre selbstverlorene, todtraurige Glückseligkeit unterfüttern, ohne je ins Bebildern zu geraten. Perfekt.
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