Wieso höre ich bei Mike Skinner eigentlich immer den Geist der Specials raus? Proletarisch mit Stil und schnoddriger Schärfe, wie es nur Engländer können. Der Nachfolger zu “Original Pirate Material” ist dabei weitaus elegischer ausgefallen als erwartet. Das tut dem Mitreißfaktor aber keinen Abbruch. Der Lad, dessen Story Mike Skinner in seinem flowigen Cockney von Stück zu Stück ausspinnt, hängt wohl gerade in der Afterclubbing-Melancholie. Wenn in Deutschland jemand Kiezmucke macht, kommt dabei BAP oder Winson raus, in England sowas völlig Unprovinzielles wie Ian Dury oder eben The Streets. Live klang Skinners Backingband zwar wie von Phil Collins ausgeliehen, aber der Chorsänger, der sich beim Falsett immer an die Eier greifen musste, gab einen guten Eindruck von dem weltmännischen Flair dieser Fuck-auf-alle-Gentlemen-Grundhaltung. Wenn Popmusik bedeutet, aus seiner hässlich unterprivilegierten Gesellschaftslage eine selbstbewusste Schönheit zu erkämpfen, dann ist The Streets Pop par exellence. Streicher, Note für Note am Sampler selbst eingespielt, und Background-Sänger, zuckersüßer als bei Smokey Robinson oder den Pet Shop Boys, sag’ ich nur. Und da drüber dieser strikt englische Rapper, dessen Nuschelorgan einfach nicht langweilig wird. Ab sofort trage ich auch nur noch Zahnbürsten-gewienerte Sneaker, wie Mike Skinner es fordert.


jeep

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