Aus irgendeinem Grund muss ich bei den ersten Tönen der neuen Mix-CD von Tiefschwarz plötzlich daran denken, wie ich das erste Mal von den Gebrüdern Schwarz gehört habe. Das Video zur Pop-House-Nummer “Never” schmückte sich damals zu Pferde, mit Lagerfeuerromantik und einer sich räkelnden Sängerin. Alles in allem irgendwie nicht wirklich glaubwürdig, sorry! Von dort ist es ein weiter Weg bis zum ersten Beat der neunten Ausgabe der Compilation des Berliner Watergate-Clubs. Den Anfang macht Nicolas Jaars gespenstischer Remix des When-Saints-Go-Machine-Tracks “Fail Forever”. Und irgendwie scheint es als passe der Name Tiefschwarz erst jetzt so richtig zur Musik. Deep, dunkel, samtweich, düster und matt schimmernd wie ein edles Einstecktuch für den Anzug des parkettsicheren House-Aficionado von Welt, oder um ein weiteres Spachbild zu bemühen: wie tiefschwarze Edel-Schokolade mit 90 % Kakaogehalt. Tiefschwarz gehören mit Sicherheit in die Welt des modernen DJ-Jetsets, der oft genug auf dem viel zu groß geratenen Mainfloor funktionieren muss, aber in intimeren Umgebungen auch fähig ist, eine ganz andere und wesentlich tiefgründigere Geschichte zu erzählen. Nachdem sich der Mix mit John Roberts, Deadbeat und Julio Bashmore langsam in Richtung Tanzfläche gemorpht hat, wird im zweiten Drittel einer längst vergangenen Ära gedacht. Ron & Chez D, Kevin Saunderson, Latin House Crew – die Namen auf der Tracklist haben plötzlich allesamt ordentlich Patina und zeigen, dass Tiefschwarz ganz genau wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen. Mit einem kongenialen Masters-At-Work-Remix biegt der Mix um die letzte Kurve und wackelt langsam in Richtung Ausklang. Auch wenn es einige der selbsternannten Geschmacksinstanzen und die Verfechter des sogenannten Undergrounds nicht wahrhaben wollen: Tiefschwarz keepen es mit ihrem Watergate-Mix derart real, dass man am Ende lediglich beanstanden kann, dass auf CDs leider nur 74 Minuten Musik Platz haben.
http://www.water-gate.de/
friedrich

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