Ein Album zum langsamen Entdecken ist der zweite Eintrag im Katalog von Hyperfunction, einem Label das sich algorithmischer Komposition verschrieben hat. Tobias Reber aus Biel, wie Releasevorgänger Michael Peters ursprünglich Gitarrist, setzt generative Verfahren auf dem Rechner als Erweiterung der Improvisation ein, um dann das gewonnene Material musikalisch zu formen. Sechs Stücke ganz unterschiedlicher Machart stellt er vor, deren Stärke immer wieder Rebers Gespür für Sounds sind, vor allem für geräuschhafte, die aber harmonische Klanganteile haben und sich dadurch auch dem Melodischen öffnen. Zwei Stücke widmen sich naheliegenderweise perkussiven Sounds, die zwei längsten verbinden allerlei Elemente von Fieldrecordings bis Synthesizern zu ausgedehnten, gestaffelten Klangraumtexturen, zwei kurze Stücke schließlich reduzieren die Mittel: Einmal kommen die Sounds nur vom Mund, im anderen Fall sorgt Spektrenemulation durch additive Synthese für eine außergewöhnliche Mischung der Klänge serieller 50er-Jahre-Elektronik sowie vermeintlicher verzerrter Gitarren. Bei aller Ereignisdichte wirkt “Backup Aura” ungewöhnlich statisch, entfaltet sich erst wirklich, wenn man mit dem Mikroskop des Kopfhörers den Klangdetailvariationen nachlauscht.
http://www.hyperfunction.org/
multipara

3 Responses

Leave a Reply