Irgendwo in Innsbruck gibts einen Brunnen, der geht ganz tief runter. Bis nach Jamaika. Sein Wasser schmeckt den Kindern auf beiden Seiten ganz besonders, und der Hall, wenn man hineingrüßt… tja. Der Dub, der steckt für Ulrich Troyer vor allem in den kleinen Stompboxen, Tretminen, dem Fußvolk sozusagen. In seinen Dub-Songs, erst recht, wenn man sich die zugehörigen Comic-Geschichten durchliest, sieht man die Effekt-Kistchen beim Zuhören förmlich kreuz und quer durchs Studio spazieren. “Songs for William 2”, der zweite Teil einer Trilogie, kommt so niedlich und liebevoll daher wie vor zwei Jahren der erste; aber der Ton hat sich gewandelt. An die Stelle eines sommerlich-eingängigen Reisetagebuchs treten gedeckte Farben, dekonstruktive Explorationen, Melancholie zwischen Zwitscherknurpstierchen und Glockenspiel. Die Grooves pulsieren und schieben Herbstnebel über leere Landstraßen, der Wind pustet Dub-Blips drüber, plötzlich findet sich alles zu Pop zusammen (“Cable Loss”), dann arbeiten wir uns Fuß vor Fuß den ganzen Brunnen hinunter, in “Hardwired” erwartet uns die Schreckharmonica, vor der sich die kleine Drumbox erstmal raustrauen muss, aber dann sind auch schon alle fleißig am Steppen, schließlich am anderen Ende: weich schimmriger Drone-Ambient, das Fenster geht zum Knisterregen von Pyrolators “Inland” auf, und das Sandmännchen kommt im Gewand eines Beats. Das Highlight also wieder am Schluss, aber es ist dieser durchgehende, bastelig-poetische Ansatz, der das Gesamtpaket von Troyers Dub auszeichnet.
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multipara

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