Das Symposium an der Merz Akademie thematisiert vom 22. - 24. Januar 2010 mithilfe von Wissenschaftlern, Autoren und Produzenten die veränderten Rezeptions- und Produktionsbedingungen, die mit dem neuen, so genannten "Quality-TV" einhergehen.

Während die deutsche Fernsehserienlandschaft immer noch um Themen wie die erste Hautunreinheit oder gewaltige Autoexplosionen kreiste, kam das amerikanische Publikum spätestens mit der Ausstrahlung der Gefängnisserie “OZ” vor 12 Jahren oder später mit “The Wire” in den Genuss innovativer Serien mit hoher Qualität und vor allem gesellschaftlicher Aktualität. Gerade “The Wire” wurde dem hohen Anspruch auf realistische Darstellungen samt einer komplexen Gesellschaftsstudie über die Zusammenhänge von Poltik, Drogenhandel und Korruption mehr als gerecht.

Das als “Quality-TV” bezeichnete Phänomen zeichnet sich weitgehend durch detailreiche Protagonistenstrukturen, einer vielschichtigen Gesamtnarration und durch ein gut informiertes, (pop-)kulturelles Gedächtnis aus. Zunächst durch die Finanzierung von Pay-TV-Sendern ermöglicht, konnte sich so die Position des Autors deutlich von der “Diktatur der Einschaltquote” (Pierre Bourdieu), vergleichbar mit dem Status der europäischen Autorenfilmer, emanzipieren.

Während des dreitägigen Symposiums sollen in Kooperation mit internationalen Filmwissenschaftlern, Journalisten sowie Autoren und Produzenten populärer US-Serien Themen wie neue Produktionsbedingungen, die Rolle von Sprache und deren Kreation sowie die Darstellungsformen des Politischen in Serien erarbeitet werden. Prominente Gäste wie Karen Thorson (Produzentin von “The Wire”) oder Tom Fontana (Produzent und Autor u.a. von “Oz” und “The Philanthropist”) gewähren dabei einen einmaligen Einblick in die neuartigen Produktionsbedingungen der Quality-TV-Serien. Moderiert wird das Ganze von ausgewiesenen Medienexperten, dem Professor für Kulturtheorie Helmut Draxler sowie Christoph Dreher, Professor für Film und Video an der Merz Akademie und Kurator der Veranstaltung. Diese ungewöhnliche Nähe von Wissenschaft und Kunst sollte schon reichen, um Interessierte an diesem Wochenende an die Hochschule für Gestaltung in Stuttgart zu locken. Der Titel des Symposiums geht auf das gleichnamige Forschungsprojekt zurück, welches die historischen Veränderungen der Kulturtechniken Film und Fernsehen in Verbindung mit Neuen Medien untersucht.

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PROGRAMM:

Freitag, 22.Januar 2010
17.30 Uhr Begrüssung Markus Merz, Rektor der Merz Akademie
17.45 Uhr Christoph Dreher: “Revolution der Audiovisionen: Narrative TV-Serien als Kunst”
18.30 Uhr Filmprogramm “OZ”
19.30 Uhr TOM FONTANA über seine Arbeit als Creator innovativer TV-Serien
mit anschließendem Gespräch
20.30 Uhr gemeinsames Abendessen

Samstag, 23. Januar 2010
10.00 Uhr David Lavery: “The Imagination will be Televised: Showrunning and the Reanimation of
Authorship in 21st Century American Television”
mit anschließendem Gespräch
11.30 Uhr Thomas Morsch: “Repräsentation, Allegorie, Ekstase – Phantasien des Politischen in aktuellen
Fernsehserien”
mit anschließendem Gespräch
13.00 Uhr Mittagspause
14.00 Uhr Filmprogramm “Deadwood”, “The Wire”
16.15 Uhr Ted Mann: “Writing and creating Deadwood and other innovative TV-Series”
mit anschließendem Gespräch
17.15 Uhr Karen Thorson: “Producing The Wire”
mit anschließendem Gespräch

Sonntag, 24. Januar 2010
10.30 Uhr Bert Rebhandl: “Wo ist Maris? Wiederholung und unendlicher Aufschub in der Sitcom Frasier”
mit anschließendem Gespräch
12.00 Uhr Diedrich Diederichsen: “Lesen und Wiederlesen. In Filmen blättern.”
mit anschließendem Gespräch
13.15 Uhr Mittagspause
14.15 Uhr Kim Akass und Janet Mc Cabe:
“What has HBO ever done for women?”
mit anschließendem Gespräch
15.15 Uhr Ende der Veranstaltung

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