Neulinge und Follow-Ups der kommenden Saison

blacklist_72dpi

Die Chancen steigen exponentiell, US-Serien halbwegs zeitig auch bei uns zu sehen. Aber welche Neustarts sind überhaupt sehenswert? Wir haben uns durch die Trailer der Saison gekämpft, raten euch zu ein paar Hits und warnen vor absoluten Versagern.

 
Masters Of Sex (Showtime)
Kabelsender lieben Sex. Ihr kennt vermutlich das “It’s not Porn, it’s HBO!”-Video. 100% Wahrheit. Masters Of Sex nimmt sich allerdings vor, Sex mal nicht nur als Mundwässern für’s Publikum zu verwenden, sondern es als Basis zu setzen, schließlich geht es um die (grundlegende) Masters-und-Johnson-Studie. Was ist besser als Sex? Wissenschaft und Sex. 10.000 durch die Wissenschaftsbrille beobachtete Sexakte. Showtime könnte schon jetzt eine Handvoll Staffeln ordern, auch wenn die 50er hier nicht ganz so echt aussehen wie bei Mad Men. Allein der Glas-Dildo zur Beobachtung weiblicher Sexualorgane im Trailer verspricht schon Einschaltquoten, die Game Of Thrones und Mad Men zusammen nicht packen würden. Trotz des Endes von Dexter braucht sich Showtime wirklich keine Sorgen um die Zukunft zu machen, zumal die Besetzung (Michael Sheen, Lizzy Caplan, Nicholas D’Agosto, Caitlin Fitzgerald) die Gradwanderung zwischen Witz und Ernsthaftigkeit so perfekt im Griff hat, dass man auch bei der zweiten Staffel noch keine ausgelutschten Kalauer erwarten darf.

 
The Crazy Ones (CBS)
Sarah Michelle Gellar und Robin Williams! David E. Kelley als Producer. Wer sonst würde sich trauen, Mad Men für eine Agentur in Comedy-Form aufzuarbeiten, deren Kunde McDonalds ist. “The Pickle in the Bun, and the fun’s begun.” Es wird weh tun.

 
Reign (CW)
Ihr habt zu lange keine richtige Burgen-Schmonzette mehr gesehen? Gossip Girl und Vampire Diaries sind für euch längst kein Fix mehr für das Verlangen nach gefühlsüberfrachteter Teenie-Serie? Kein Problem, Reign kommt. Schottland muss als Backdrop für diese höchst merkwürdige Idee einer Kinderversion von Game Of Thrones im historisch erfindungsarmen Setting herhalten, das auf die Dauer im Plot mehr an die Intrigen einer Highschool erinnert, aber dafür dennoch eine willenlose Menge mystischer Phänomene über die Gewänder und Kerzenleuchter streuselt. Nein, nein und nochmals nein? Kein Problem: Pretty Little Liars bekommt diesen Herbst eine eigene Spin-off Serie: Ravenswood. Ach, auch Vampire Diaries bekommt ein eigenes Spin-off für Über-15-Jährige.

 
The Blacklist (NBC)
Der meistgesuchte Mann der Welt (Chef-Fiesling-Bonhomme James Spader) liefert sich dem FBI aus und will andere Oberfieslinge fassen. Aber nur in Zusammenarbeit mit FBI-Neuling Elizabeth Keen. Instant-“Schweigen der Lämmer”-Chemie, klar. Und ja, inklusive Hochsicherheits-Glaskasten. Warum das trotzdem was werden muss: dem leicht überfetteten James Spader ist diese Rolle wie auf den Leib geschrieben und Megan Boone als Gegenpart nicht halb so blauäugig und eindimensional wie erwartet. NBC hat ansonsten mit (gähn) Dracula (vom “The Tudors”- und “Downton Abbey”-Team) und dem skurrilen Ironside-Remake vielleicht sogar drei Seriendebüts, die länger als eine Saison durchhalten.

 
Hostages (CBS)
Präsident ist im Krankenhaus. Familie der operierenden Chirurgin wird gefangen gehalten, damit die Operation misslingt. Damit sie überhaupt stattfindet: Starbesetzung. Von Anfang an auf dreizehn Folgen begrenzt, viel kann da nicht schiefgehen, solange man Dylan McDermott erträgt, oder nicht beim dritten angesetzten, jetzt wirklich entscheidenden Skalpellschnitt, bei dem schon wieder irgendwas dazwischen kommt, selber anfängt auf die Schnabeltasse zu sabbern.

 
Sleepy Hollow (FOX)
Kopflose Reiter in der falschen Timeline. 250 Jahre im Tiefschlaf, muss Ichabod Crane die Welt jetzt vor dem Untergang retten. Mystery! Angestaubte Bibeln, das Gute, das Böse. Witzige Dialoge mit schwarzen Polizistinnen über die Sklaven und Verschwörungstheorien auf dem Dollarschein. Quietschig bis ins letzte Detail der Story und es würde uns nicht wundern, wenn am Ende noch Vampire aus Lincoln rüberschwappen. Falls zu viele andere Geschichtsdramen der wirreren Art Pause haben ist das vielleicht ein überraschend guter Snack.

 
Almost Human (Fox)
2028. Die Welt (L.A.) sieht aus wie ein Ballerstyle-Videospiel im Cop-Drama der Saison. Der eine Cop hasst sein künstliches Bein, der andere ist ein leicht derangierter, weil gefühlvoller Androide. Männerfreundschaft garantiert. J.J. Abrahams mit dem Fringe-Team bei Fox. Was soll da schon schiefgehen? Vielleicht alles? Michael Ealy und Lili Taylor könnten die Serie vor dem Desaster retten, Karl Urban als Proto-Ami den Fox-Junkies gefallen, vielleicht kommt auch ein Plot. Lieber Fox-Gott, lass es nicht darum gehen, dass die Robocops irgendwie korrumpiert sind und die Welt der Zukunft ganz furchtbar ungerecht machen. Die Webseite jedenfalls verspricht eine ganze Mythologie dieser Welt, falls J.J. Abrahams zwischen Star Trek und Star Wars überhaupt noch Zeit dafür hat.

 
Agents Of S.h.i.e.l.d. (ABC)
Joss Whedon! Jetzt könnte man aufhören, weiter zu reden. Whedon ist immer gut. Mit Marvel darf er seit Avengers seine Kindheitsträume ausleben. Trotzdem, die Story nachgereicht: Superhelden-Agenten im Kampf gegen Superhelden. Claim: “Not all Heroes are super.” Ist schon mal super. Erinnert das wen an Heroes? Dollhouse? Alphas mit Markenbonus etwa? Wer wird bei Superhelden schon Originalität suchen? Whedon jedenfalls hat mal nicht seine Lieblingsschauspieler versammelt, sondern setzt auf eine relativ unbedarfte Crew, bei der nur Ming-Na Wen und Clark Gregg Superhelden-Erfahrung haben und Chloe Bennet schon jetzt die neue Eliza Dushku sein darf. Die schrägen Charaktere scheinen weitestgehend Pause zu haben, und wir sind gespannt, wie die Besetzung mit den nerdigeren Aspekten von Whedon zurecht kommt. Special Effects, Kommandozentralen, Action-Szenen und absehbar schräge Verschwörungsplots bis in außerirdische Welten sind jedenfalls vorprogrammiert. Und wir hoffen, wir können sie mal länger als als eine Staffel genießen.

 
Lucky 7 (ABC)
Ja, Steven Spielberg darf immer noch Serien machen nach Terra Nova, Falling Skies und Under The Dome. Und endlich auch mal eine, die weder Dinosaurier noch Aliens hat. Lucky 7 sind sieben Tankstellen-Angestellte, die zusammen im Lotto gewinnen. Überraschend unprätentiös gefilmt, überraschend charmant nachbarschaftsmäßig im Piloten, aber wir wetten drauf, danach geht alles schief. Wie immer, wenn das Glück unerwarteter Zusammenstellungen in einer Serie auftaucht, ist das Glück nicht gerade ein Garant für eine Verlängerung. Aber in einer Staffel könnte hier auch alles gesagt sein.

 
Intelligence (CBS)
Josh Holloway von Lost darf endlich wieder eine Hauptrolle spielen. Hauptrolle, Mann! Der intelligenteste Mensch der Welt noch dazu. Der mit dem Direktzugriff auf das Internet. Das fällt dem Rasierwassermodel erst mal sichtlich schwer zu glauben, aber er gewöhnt sich schnell dran, das mit all dem ihm zur Verfügung stehenden Machocharme zu verschmelzen. All das im Auftrag des trendenden US Cyber Command. Eine Serie, wie gemacht für alle, denen Nikita zu weiblich, und Chuck zu Comedy war. Bei einigen sicher auf der Liste der peinlichsten Lieblingsserien der Saison. Beginnt leider erst im Februar.

 

Es gibt natürlich nicht nur neue Serien, sondern auch ein paar, die wieder kommen. Darunter auch ein paar, die man vielleicht nicht verpassen sollte.

Homeland (Showtime)
Mir ist egal, ob Carrie ihre Medikamente nicht futtert und ständig wild gestikulierend an der Kamera vorbei läuft: Homeland ist trotzdem ein Killer.

The Good Wife (CBS)
Irgendwie hat sich The Good Wife zu einer Serie entwickelt, die immer wieder hyperaktuelle Internet-Themen nonchalant als Gerichts-Drama präsentiert. Dranbleiben.

The Walking Dead (AMC)
Zombies sind einfach nicht totzukriegen. Wie lange unsere Begeisterung für Untote noch anhalten mag, weiß nur das innere Formfleisch.

Treme (HBO)
Schon mal Adieu sagen. New Orleans muss irgendwann gehen. Schade eigentlich, aber wir sind neugierig was David Simon als nächstes plant.

Sons Of Anarchy (FX)
Bricht alle Rekorde. Das Ding rollt. Unser Hofberichterstatter aus der Motorradgangszene ist gerade in Urlaub. Vielleicht wegen des Season-Starts.

Person Of Interest (CBS)
Snowden avant là lettre. Die Serie dürfte allein deshalb spannend bleiben, weil man wissen möchte, wie sie damit umgeht, dass die Komplettüberwachung aller keine Fiktion mehr ist.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.

Leave a Reply