Demographie kann so unintuitiv sein 2

Irgendwie denkt man viel zu oft, ja, wir, da unten im Underground, mit unseren “limitierten” 300er-Auflagen, oder sind wir bei 150ern, machen Platten doch eigentlich nur noch als Hobby. Die Musikindustrie ist doch eh zusammengebrochen und nur noch die Majors machen überhaupt irgendwie Geld.

Die letzte Studie der RIAA mit dem Titel “Labels At Work” zeigt eigentlich ganz deutlich, dass die komplette Musikindustrie in diesem Underground der Kleinstauflagen angekommen ist. Auch wenn die Zahlen von 2011 etwas alt scheinen, besser sind sie bestimmt nicht geworden.

Demnach verkaufen 80% der veröffentlichten Alben weniger als 100 Stück. 94% weniger als 1000. Und wir reden da von Alben, nicht mal von 12-Inches, oder deren Äquivalenten, und auch schon gar nicht von all denen, die von der RIAA – weil man nicht irgendwie verbandsmässig angeschlossen ist – sowieso nicht mitgezählt werden.

Bei digitalen Einzeltracks sieht es übrigens ähnlich aus. Von den 8 Millionen gemessenen verkaufen 7,5 Millionen weniger als 100 Downloads. Das sind satte 93,75%, oder, anders formuliert, ein sehr sehr langer Tail. Ob einem das jetzt Mut macht, weil man sich nicht wundern muss, wenn man selber einer der vielen ist, die die 100er Grenze nicht schaffen, oder es in die Verzweiflung treibt, ist in der Tat eine schwierige Entscheidung. Wir vermuten beides.

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6 Responses

  1. Stephan Hss

    was hier aber fehlt ist die tendenz der insgesamt produzierte LPs / EPs. werden wohl auch viel mehr sein als früher, bzw jedes jahr mehr. bei gleichbleibender verbraucherzahlen bzw nachfrage ist ja dann logisch dass die einzelne platte weniger gekauft wird.

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    • christian sebastian moser

      guter hinweis, würde mich auch interessieren wie sich die realeasezahlen entwickelt haben, wo findet man diese zahlen=

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  2. Jürgen Schilke (@schilke)

    Neben einer Referenzgröße (im Idealfall die Zahlen der gesamten Produktionen *und* der gesamten erzielten Umsätze und Gewinne über den jeweils gleichen Zeitraum) gibt es eine ganze Reihe von Veränderungen, die sich in dieser sehr simplen Statistik kaum – oder nur sehr ungenau – wiederfinden dürften: So steigt zum Beispiel die Zahl der “Selbstvermarkter” (die vermutlich nicht den Handelsverbänden angeschlossen sein dürften). Es ist extrem schwer nachvollziehbar, ob – und wie – Digitalprodukte weiter verwendet werden (das gilt auch für legale Verwendung) und vor allem gibt es deutlich mehr Streaming, was auf der Umsatz- und Gewinnseite möglicherweise auch nur unvollständig nachvollziehbar sein dürfte.

    Dazu heißt es z.B. in einer Studie der GfK für die deutsche Musikindustrie: “Macht das Streaming aktuell nur fünf Prozent der Umsätze im Musikmarkt aus, soll dieser Anteil in 2018 bereits bei 35 Prozent liegen und sich damit dem internationalen Umfeld deutlich annähern.” http://www.musikindustrie.de/statistik/

    Insgesamt finde ich die RIAA-Studie eher verwirrend bzw. irreführend. Erkenntnisse wie die, dass es ausschließlich der Verdienst der hart arbeitenden Labels wäre, gute Künstler auf dem globalen Markt zu etablieren sind im digitalen Zeitalter, besonders im Hinblick auf soziale Netzwerke und deren Einflüsse, eine gewagte Behauptung, deren Nachweis extrem schwierig zu führen sein dürfte.

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  3. Berlin Mitte Institut

    Das ist keine neue Entwicklung Sascha, sondern die typische 80/20-Regel. Mit 20% des Repertoire werden 80% des Umsatzes gemacht. Diese Verteilung war von Beginn an grundsätzlich in der Musikindustrie. Kann mir vorstellen, dass sich das mit Digitalisierung noch etwas radikalisiert hat, so 90/10 mäßig oder so.

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