Ein Interview mit Rune Reilly Kølsch aka KÖLSCH

Den Dänen mit dem Hut kennen viele vielleicht noch von einigen Hits, die er unter seinem damaligen Künstlernamen Rune RK hatte. Seit langem schon spielt er unter dem Namen KÖLSCH als Reisender auf der Tastatur der eigenen Vergangenheit und erzählt uns von den Ursprüngen seiner musikalischen Ideen. Kölsch, Köln, Kompakt, Kindheitserinnerungen, klar, das muss kicken. (Interview: Julius Brodkorb)

Du kommst aus Dänemark, aber deine Stücke haben oft deutsche Titel, was verbindet dich so mit Deutschland?

KÖLSCH: Tatsächlich bin ich zur Hälfte deutsch. Meine Familie kommt aus dem Rheinland und daher auch die Titel. Viele haben mit Erinnerungen und Personen aus meiner Kindheit zu tun.

„1983“ ist nach „1977“ das zweite Album unter dem Namen KÖLSCH. Wie es aussieht, bewegst du dich zwar in der Zeit nach vorne, aber immer noch in der Vergangenheit. Warum schaust du so oft zurück, warum ist die Vergangenheit so wichtig für deine Arbeit?

KÖLSCH: Beide Alben handeln von meiner Kindheit. In „1977“ ging es um meine frühe Zeit in Deutschland und in „1983“ geht es um die Reisen mit meinen Eltern quer durch Europa. Wir fuhren jeden Sommer von Kopenhagen nach Südfrankreich. Es wurde zu einem sehr wichtigen Teil meiner musikalischen Entwicklung, weil wir immer sehr viel Musik auf dem Kassettendeck im Auto hörten. Diese Musik wurde zum Soundtrack für viele frühe Erinnerungen an diese Reisen. Es wurde zu einer sehr emotionalen Fahrt aus dem kalten Norden in den warmen Süden. Ein Trip von der Kindheit zu meinen frühen Teenagerzeiten.

Bevorzugst du denn auch Musikgeräte aus der Vergangenheit oder setzt du beim Musik machen auf moderne Technik?

KÖLSCH: Ich nutze wirklich beides. Ich liebe alte Maschinen, die staubig und schäbig klingen, aber damit das Ganze auch wirklich musikalisch lebt, kombiniere ich sie mit neuen Synthesizern. Ich bin keiner, der Möglichkeiten ausklammert. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, beides zu verbinden, weil oft ein „Geist“ in den alten Maschinen steckt. Ich habe immer noch eine Orgel, die ich 1995 auf meiner ersten Platte benutzt habe. Sie klingt immer noch furchtbar, aber das auf bestmögliche Art.

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Was motiviert dich am meisten ein neues Stück zu machen? Vielleicht eine Landschaft oder eine persönliche Erfahrung? Und womit fängst du dann an, einem Beat oder einer Melodie, einem Sound?

KÖLSCH: Das kann alles sein. Ein Gefühl, ein Sound, oder ein Zitat aus einem guten Gespräch. Normalerweise fängt es mit einer Emotion an, die ich in einen Klang übersetzen muss. Dann setze ich mich an die ersten Akkorde oder eine Bassmelodie. Normalerweise versuche ich alles ein wenig durcheinander zu bringen, damit es interessant bleibt. Dann probiere ich den ersten Loop oder die Idee für eine gewisse Zeit in meiner Liveshow aus. Wenn ich ein Gefühl für das Arrangement bekommen habe, schicke ich manchmal verschiedene Teile weg, damit sie neu aufgenommen werden. Auf diesem Album habe ich viel mit Gregor Schwellenbach gearbeitet, der viele Streicher und Piano-Teile neu aufgenommen hat.

Da du auch mit anderen Musikern zusammenarbeitest, was für andere Musik hörst du, die wir nicht erwarten würden?

KÖLSCH: Ich bin totaler Steely Dan-Fan. Ich liebe die ironischen Texte von Donald Fagen und die wahnsinnige Perfektionen in ihren Alben.

Was denkst du über den Evolutions-Prozess den Musikproduktion und deren Vertrieb zur Zeit durchlaufen? Fühlst du dich dadurch auch betroffen und ist Social Media so etwas wie ein notwendiges Übel für einen Musiker geworden?

KÖLSCH: Wir haben im Moment ein Problem mit der gesamten Vinylproduktion. Es dauert zwölf Wochen um eine 12″-Schallplatte herzustellen, aber man kann einen Track innerhalb von vier Stunden digital veröffentlichen. Das erzeugt eine seltsame Spannung, wo einige Musik Gefahr läuft, schon veraltet zu sein, wenn sie dann auf Vinyl erscheint. Das eröffnet die Frage, wie digitale Musik vertrieben werden sollte. Zum Glück hat Kompakt 20 Jahre Erfahrung damit, langlebige Künstler zu etablieren und ich bin froh auf einem Label zu sein, dass solchen Wert darauf legt. Ich denke, dass Social Media ein Segen ist. Es ist die perfekte Erweiterung einer kreativen Vision. Die Möglichkeiten sind unendlich.

Du wirst aufgrund deiner Tour in nächster Zeit wieder viel reisen. Das macht dich wahrscheinlich sehr glücklich.

KÖLSCH: Absolut. Ich liebe Reisen. Es kann total inspirierend sein und manchmal etwas anstrengend. Ich vermisse meine Familie und Freunde, aber das ist eben das Leben, von dem ich viele Jahre geträumt habe. Ich genieße jeden Moment davon.

Das Album „1984“ ist am 8. Juni auf Kompakt erschienen.

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