Ich liebe Chicago. Auch wenn diese Liebe schon fast so weit zurückgeht, das es etwas unklar werden kann warum. Irgendwie ist das natürlich auch mit kratzigen Vinyls verbunden, dem Mysterium, dass Tonbänder, Produktionsbedingungen, die klingen wie aus der Garage erzeugen. Dem Knistern der Vergangenheit eben. Und auch als jemand, der diese Szene wirklich nur aus den Fetzen der Musik kennt, die damit nahezu untrennbar verbunden ist und damit auch mit dem Unperfekten, dem Kaputten, dem Desolaten, aber genau so dem Widerstand, dem unglaublichen Aufruhr, dem manchmal fast seriellen Widerstand des Funks, als jemand, der weiß, das dahinter weit mehr steckt, als er jemals hätte aus dieser Distanz erfahren können, glaubt man, man hätte etwas “echtes” in all dem Erfahren, Chicago miterlebt. Kid Enigmas EP auf I’m a House Gangster wirkt gegenüber diesen Zeiten aufgeräumt, clean fast, man hat das Gefühl Chicago hätte keine Straßen mehr, keine Ecken, aber die Geheimnisse sind dennoch nicht auszurotten. Aber die Begeisterung ist die gleiche, die Grooves so klar und scheinbar analog funky und zeitlos einfach, aber doch pure Effektivität des leicht geknickten Swings, wie man sie nur von Chicago kennt. Die Sounds beschränkt auf die wesentlichen Elemente, dazu Vocals, die nahezu keinen Hauch des beinahe nur da immer sympathischen Schmuddels brauchen, um ihre Deepness klar zu stellen und diese unantastbare Klarheit, die nahezu den Effekt eines Trockenraums hat, aber eben dennoch voller Geheimnisse bleibt. Selbst bei Tracks wie “Banging on Skis”, das auch ein “Bonusbeats”-Klämmerchen haben könnten, ist keine Sekunde an irgendein überflüssiges Sounddesign verschenkt, sondern alles die reine Lehre des Grooves. Und die Stimme! So lapidar, so real, so ohne Verheißung von einem geheimnisvollen Dahinter. Vielleicht war das, was ich an Chicago immer so geliebt habe auch genau das: die schonungslose Offenheit und Direktheit, das Slammen als Arbeit einer Arbeitswelt, die es jetzt eben nicht mehr gibt. Das Alltägliche, das dank seiner Andersartigkeit nur noch echter, statt wie sonst abgeschliffen und in leeren Gesten aufgehend, ausgehöhlt wirkt. Fünf Tracks die für mich Chicago in einer Weise aufleben lassen, die jegliche Nostalgie auflöst in dieser Geste, dieser Haltung die Chicago immer noch sein kann, ohne sich auf die Zeichen die allzuklar Vergangenheit ausdrücken konzentrieren zu müssen. Ich würde alles geben, wenn ich von genau diesem Sound – so wie man damals mit neuen Dance Manias überflutet wurde – jede Woche mehr bekäme.

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