Electro – nicht das komische Pseudogenre, das in der Nähe von Wipperfürth erfunden worden sein muss – aus England, klang immer schon ganz anders. Nicht weil es mehr nach Pop klang, melodischer, bunter, kleinkindlicher war, sondern weil die Popreferenzen einfach ganz andere waren. Statt Funk und Disco standen hier als leuchtende Ahnen immer eher die New Wave angehauchten Momente im Vordergrund. Synthpop. Wir beten euch die jetzt nicht runter. Skanfrom zehrte immer schon davon. Natürlich in überhöhter Form und mit einer Portion Vorgänger der zweiten – rein elektronischen, wenn man so will – Generation, die sich immer auch auf Rephlex, µ-Ziq, Clear etc. wiederfand. Alles eingeordnet, dann Schluss mit Geschichte, denn das Album ist keine Nostalgie, auch wenn man es so hören kann. Zwölf Tracks, die, wenn man ihren Titel ernst nimmt, eher Postkarten nach einem Zuhause sind, das es längst nicht mehr anders als ästhetisch gibt, als diese ulkigen Dinger mit Palmen, die man aus dem Urlaub bekommt. Skanfrom ist wie viele ein virtueller Brite in Berlin. Britisch klingt das Album aber trotzdem durch und durch. Ja, auch die Postkarte ist eigentlich pure Nostalgie, oder, wie man heute sagen würde, obsoletes Retro-Medium. Die Stücke dazu aber sind so ehrlich und offen, klar und direkt, charmant und voller blauäugigem Zuckerguss, dass sie eher wirken, wie ein Dessert mit eingebautem Instagram-Filter. Flausig und locker, leicht bunt fehlfarben, sanft in ihrer Verrücktheit, wie es nur Kinderträume sein können und voll von diesem Kitsch, der noch völlig unformuliert Hoffnung in jeder kleinen aufgeplusterten Melodie vermittelt. Da kann man noch völlig ohne Selbstzweifel einsam und verloren sein, sich irgendwie in diesem Meer aus Gefühlen mal so nicht gut fühlen, lernt die ersten Schritte in plappernden Beats und streicht alles etwas dick auf, auch die Strings, nicht um etwas zu überfetten, sondern einfach aus diesem gefühlten magischen Überfluss heraus, den die Welt einem heimtückisch auftischt, wenn man ihr das erste Mal begegnet. Eine Platte wie ein Vanillepudding mit Erdbeeren und viel zu vielen Saucen und kunterbunten Toppings drüber, bei denen es auch egal ist, ob das alles so passt, weil alles für sich schon ein Genuss ist.

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