BRD Reviews 95-06


Acid Warrior – Karzinom EP (Junkfood)
Acid Warrior ist Rob Acid, der mit seinem zehn minütigem Detroit Stringtrack “Karzinom“, den Sommer einläutet. Blumig, jazzig, poppig im Sinne von alten A Guy Called Gerald Platten erzählt er uns eine Geschichte, die sanft säuselnd in die Märchenwelt abdriftet. Ein kleines Juwel muß man zugeben, dem mit “Isolationexperiment“, ein wunderbares Ambientstück mit 101 Klängen entgegengestellt wird.
(*** ** 1/2) RRR

Underground Acid Recordings 002 (UADR)
Acid aus Kiel. In Kiel muß es viel regnen und wahrscheinlich stimmt das ein oder andere auch nicht. So etwas kann natürlich die Kreativität anregen, es kann aber auch die Perspektivlosigkeit wiedergeben. Das zweite scheint plausibeler. (****) RRR

G.A. Mode – Mental Atmosphere Vol I (May Ltd)
Picture 10“ aus Leipzig, mit zwei schlichten, aber charismatischen Acidstücken. Wie immer sind die Stücke Drum Trax, wahrscheinlich über den Drumcomputer getriggert, alles live. Die beste Ost-Produktion seit geraumer Zeit! (*** ** 1/2)RRR

Chud 002 (Chud 002)
White Label ohne Angaben. Dennoch lassen sich die Drum Trax mit Leichtigkeit als ost-deutsche Acid Produktion entlarven. Besonders gut und Highlight der Platte, ist das A2 Stück, dessen pfeifender Sequenzloop in Kombination mit oldschool Drumpramming, als äußerst geschmacklich geschlossen rüberkommt und der die Platte alleine schon wert ist. Zusätzlich befinden sich noch drei andere, mittelmäßige Stücke auf der Platte. A2(*** ** 1/2), others (****) RRR

Puke Slaughter – Krankengymnastik (Fixed System 001)
Der KDS Rmx und das Original von “Dynablast“ erhalten ihre Qualität durch die ästhetisch unglaublich schöne Fläche und die im Hintergrund agierenden Drums. Die Platte kommt in Platschbecken-Blau! (*** **) RRR

Paranoia Complex (Fixed System)
Warum nicht Cassandra Complex? Hey? Die Platte klingt nach einer kräftigen Portion DAF und schlechtem Speed. Ein Konklomerat aus hunderten von Versatzstücken schafft eine punkige Hardcoreästhetik. (****) RRR

Space Cube – Kommerzkiller (Riot Beats)
Drum & Bass Style mal mit technoiden Retro-Sounds, mal Reggea. Speziell die Rückseite mit Toasting könnte auch für die Jungle Fans von englichem Breakt Beat von Interesse sein. (*** **) RRR

Patrik Pulsinger – Porno (Disko B)
Mit Monaten der Verspätung auf dem Markt und schon in unserer Ausgabe von Februar besprochen, macht die Veröffentlichung des “Finished Product”, eine erneute Besprechung notwendig. Spätestens hier erkennt man den Unsinn eines White Labels(neben all seinen anderen Vorteilen). Die Platte kommt als Motionpicture Soundtrack verpackt, mit einem Booklet, welches auch der CD beiligt und ist in artistischer Weise umgesetzt worden, von ihm in Zusammenarbeit mit dem Layouter von Abuse Industries. Anhand eines Photoromans wird die fiktive Karriere des vermeintlichen Zuhälters Patrik “007“ Pulsinger geschildert, der seine Version eines American Dream wahrwerden läßt und sich letztendlich, Fazit, mit seinem ergaunertem Geld einen britischen Sportwagen kauft! Musikalisch ist seine Platte auf eine ganz andere Weise cool und knüpft an die letzte IO mit Erdem Tunakan an. “Reflections“ z.B. ist ein Jazztrack, wie man ihn auch auf Mo Wax hätte finden können und stlistisch vielleicht seine heimliche Vorliebe für die Zukunft? Neben seinem ovalschen Ambient Track “District“ finden sich unbeschreiblich viele andere, Detroit angehauchte Stücke auf der Platte, von denen “A Piece Of Me“ und “Treated“ vielleicht die Stücke für den Dancefloor überhaupt sind. (*** ***) RRR

Modulation & Transformation (Mille Plateaux)
Siehe CD Rezension letzte Ausgabe.(*** ***) RRR

Subsonic 808 – The Way I like It (Force Inc)
Subsonic 808 bleibt dem Disco Thema treu und wenn ich richtig gehört habe kommt hier eine fette Portion Donna Summer auf uns zu. Die Platte könnte änliche Wirkung haben, wie der extrem ‘stompige’ Vorgänger.(*** ** 1/2) RRR

KX Noisesystem – Club Of Rome EP (KX N)
KX Noisesystem besinnen sich auf ihre industrial Roots zurück und schaffen schwere elektronische Stücke, weshalb man wahrscheinlich, gemäß Lorry D und Konsorten, der Platte auch den Namen ‘Club Of Rome’ gab. Nicht unbedingt ‘my cup of tea‘. (**** 1/2) RRR

Arzach #2 (Acid Orange 009)
Dub-Beats im Spiral Tribal Analog Djungle. Im Vergleich zu der ersten Platte etwas beliebiger, mit weniger Spannungsbögen und Ideenreichtum. (****) RRR

Martinique (Acid Orange 010)
Eine sympathische, etwas altmodisch klingende Hardcoreplatte, mit schmetternden Hi Hats und lauten Analogmodulationen. Sicherlich für diejenigen, die jene Phase um 1992/93 nicht mitbekommen haben eine Platte für die man sich den Kopf abschlägt. Für die Minimalismus-Freunde allerdings von kleinerem Interesse. (*** **) RRR

Blake Baxter – The Vault (Disko B)
Ich war schon immer ein Fan von Mix Record, dem Houselabel von Blake Baxter, eine deepe, bassige Variante, multibler Stilrichtungen, einem Microcosmos der das erlaubt, oft in einem und dem selben Stück. Rougher House, der oft mit Disco Sequenzen arbeitet und natürlich Techno Sounds aus seinen zahlreichen anderen Platten. Seine neue Doppel EP / Vault geht Ansatzweise diese Richtung, schließt aber gleichsam an seine bekannteren, etwas zugänglicheren Klassiker, wie “One More Time ” an. Die Frage ob er singt b.z.w. spricht auf der Platte, muß ich beantworten mit “nicht im klassischen Sinne”, wie man es von seinen UR, Ingcognito oder auch KMS Platten kennt. Dennoch eine Platte mit Charme und dieser für ihn einzigartigen Stimmung, die sicherlich mehr als ein perfektes Trostpflaster für all die ist, die von seiner letzten Platte auf Serious Grooves enttäuscht waren. (*** ***) RRR

Cristian Vogel – Absolute Time (Tresor)
Absolute Time ist ein Sammelsorium aus den verschiedensten Stücken, die von seinem Mille Plateaux Material, über seine Force Inc Veröffentlichungen bis zu seinen Stücken auf Moskito gehen. Wer Cristian Vogels Aktivitäten über die letzten Jahre verfolgt hat, darf hier keine innovativen Sprünge nach vorne erwarten, denn mit was man hier konfrontiert wird, ist eine Bestandsaufnahme dessen, was ihn in den letzten zwölf Monaten interessiert hat, Ambientstücke ausgenommen. Die Auswahl der Stücke ist nicht immer glücklich und so hätte man in dem einen oder anderen Fall besser ein Stück von Force Inc. lizensiert als auf exklusiv für Tresor produzierte Tracks zu bestehen. Absolute Time ist Cristian Vogels erste Platte, die sich nicht geziehlt einem Konzept widmet und so ist es nicht einfach, diese richtig einzuschätzen. Mit ihr wird aber zumindest zum ersten mal einem breiteren Publikum ansatzweise die Möglichkeit gegeben, sich mit Cristian Vogels Wirken auseinanderzusetzen. (*** **) RRR

DJ Tino – Katze 10“ (Promo)
Drum Trax Platte die erkennen läßt welchen Weg man hier gehen möchte und der ist phunky Techno in lichten Arrangement à la Dave Clark. Eine Debutplatte mit Engagement, die sich noch im Stadium des Begreifens befindet und kein absolutes MUß für den DJ darstellt. (****) RRR

Leo Bullfrog – Accent ‘n‘ Slide (SBREC)
Klassische Oldschool Drumprogammierung und zwei Techosequenzen und fertig ist der Track. Falsch ist das bei Leibe nicht ,aber genausowenig ist dies neu. Die Rückseite ist gut gemachter, tempo- reflektierender 303 Acid, allerdings ohne Geistesblitz! (****) RRR

Vanquish – Substructure (SBREC)
Platte, die bei aller Chicago Komplexität, dies zu bewußt nach außen kehrt und vergißt Schwerpunkte zu setzen. Bei einer Vielzahl von verschieden, zur gleichen Zeit laufenden Track- Elementen, ist es in den seltesten Fällen der lezten Zeit, zu guten Stücken gekommen. Die Kehrseite des Minimalismus is seinem Extrem, sprich Pluralismus, ist nicht weniger kompliziert als sie selbst. (****) RRR

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