Now Record Store – Andy Düx & Holger Wick

Kein Plattenladen ist so aktiv in Sachen Techno und Acid wie der Now Recordstore in Mainz. Neben den bekannten Labels wie Labworks und Overdrive veröffentlichen die Inhaber Andy Düx und Holger Wick, nun auf insgesammt sieben Labeln, mit einem musikalischen Spektrum von Ambient bis Gabba. Obwohl der Schwerpunkt bei einheimischen Acts und Producern liegt und oft eine geradezu familiäre Beziehung zwischen Labelmacher und Künstler besteht, hat sich mit Labworks ein Label etabliert, welches rücksichtslos, ohne irgendwelchen Trends zu huldigen, strikt einen Weg geht und der heißt; “Experimental Acid”. Das in Amerika geradezu einen Kultstatus besitzenden Label, hat mittlerweile bekannte internationale Künstler wie DJ ESP Woody McBride b.z.w. den Analogtüftler Freddie Fresh unter Vertrag und hat sich im Kontrast zu einem Label wie Adam & Eve, das gute Verhältniß mit der U.S. Techno Scene bewahrt.

Triple R sprach mit beiden.

Andy Düx

FP: Was kam bei dir zuerst, Plattenladen oder Label? Wie fing alles an?
AD: Angefangen hat es eigentlich 1990 als ich bei Schallplatten Knie in der Maxi Abteilung angefangen habe.
FP: Was war das für ein Laden?
AD: Das ist der älteste Plattenladen im Rhein Main Gebiet wo wirklich alle eingekauft haben, von Michael Münzing über Sven Väth bis zu Ulli Brenner.
FP: Wo war das?
AD: In Wiesbaden. Nach zwei Jahren hatte ich dann keine Lust mehr darauf, denn das System hat mir nicht gefallen. Ich mußte halt alles vekaufen. Zu diesem Zeitpunkt hat alles angefangen mit Raveklamotten u.s.w. und da habe ich mir gedacht, es wäre an der Zeit selbst einen Laden aufzumachen. Der Vollstrecker letztendlich war dann der Hoshi (Holger Wick). Wir kannten uns aus der Zeit als er bei Tallas Musik And Research mitgearbeitet hat.
FP: Wann hast du mit Overdrive angefangen?
AD: Das war gegen 1990. Das Label ist mein Label und ich bin zugleich auch Teilhaber mit drei anderen. Die erste Platte des Label war von mir und Udo Niebecker und hieß “Tribal Goes The Message”. Als wir die Platte auf unserem Label rausgebracht haben, wußte keiner woher oder was für ein Label das war. Als dann die Platte ins Hardwax nach Berlin kam, fanden diese die total obergeil und dachten sie käme aus England. Irgend wann dann hieß es, Overdrive kommt aus der Nähe von Frankfurt. Unser erster Hightlight war Mark N-R-G, dann Mikrobots, danach Seetank und zu guter letzt Jan Pravda.
FP: Was ist eigentlich mit Mark N-R-G passiert? Man hört wenig von ihm.
AD: Ich denke das bei ihm momentan eine große Umstrukturierung stattfindet. Seine letzte Platte, die vor c.a. einem Jahr rauskam, unterschied sich schon stark von dem was er früher gemacht hat und die Demos die ich jetzt bekommen habe, sind widerum in einem anderen Stil. Er arbeitet momentan bei Boy Records Frankfurt. Er hat mir mal gesagt, daß wenn er auf Musik keine Lust mehr, er sich in die Fußgängerzone stellt und malt.
FP: Wie ist eigentlich der “I like BK” Werbespot zustandegekommen?
AD: Das war ein totaler Zufall. Es hat bei uns jemand aus England angerufen, der einen deutschen Technoakt für den diese Werbung suchte und interessiert war, an entweder Cosmic Baby oder Mark N-R-G. Ganz klar was dann passiert ist,
FP: Hat er eigentlich davon profitiert?
AD: Nicht wirklich. Er hat seine DJ Karriere damit gestartet.
FP: Auffällig ist an Overdrive: keine Spur von Acid. Waran liegt das?
AD: Ich hab ja früher schon das ganze Zeug aufgelegt, Phuture, Traxplatten, aber irgendwann einmal fand ich es total langweilig und habe hardcore und Gabba aufgelegt. Mittlerweile habe ich gemerkt, das Acid den Undergroundstatus hochhält und das es ohne Acid gar nicht mehr geht.
FP: Das heißt du legst aber selbst Acid auf, oder?
AD: Ich find es sehr gut, aber ich kann ja keine Acidplatten rausbringen wenn ich keine guten Demos bekomme.
FP: Macht ihr eigentlich zusammen Stücke, du und Hoshi?
AD: Unser gemeinsames Projekt ist NOW Records und Hellrazor. Heute habe ich gerade ein Weißmuster von der Nr 28 auf NOW bekommen, bei Hellrazor sind wird nah an der 10ten. Bei Overdrive sind wir offiziell bei 55 Platten, nie nächste drei stehen aber schon fest.
FP: Du machst neben Overdrive auch noch Kick Down und Cool Summer Cuts. Ist das nicht schwer immer auseinander zu dividieren, was auf welches Label kommt?
AD: Am Anfang wußte ich garnicht welche Musikrichtung ich z.B. bei Kick Down einschlagen sollte. Ich habe aber die Label für mich so aufgeteilt: Overdrive ist ein experimentelles Label, Kickdown ist Happy Hardcore bis Ultra Hardcore, Cool Summer Cuts ist Ambient bis Trance, Now ist Mega Kommerz, Labworks ist Acid, Generator ist Hardcore und Rave.
FP: Kurios ist, das du im Dorian Gray auflegst, aber vom Geschmack her doch garnicht nach Frankfurt paßt. Wie erklärt sich das?
AD: ich habe vorher in Wiesbaden im Big Apple gearbeitet und mein Abend ist immer gut gelaufen. Im Durchschnitt waren 1000-1500 Leute da. Hoshi hat damals bei Talla gearbeitet und der Technoclub in Frankfurt ging den Bach runter und da hat man mich geholt. Das Dorian Gray ist in Frankfurt nebem dem XS der einzige Club der neben dem Omen noch an einem Freitag funktioniert.
FP: Um nochmal über deinen Stil zu sprechen. Du legst gern Happy Hardcore auf, wie paßt das in die Frankfurter Trancelandschaft?
AD: Ich spiele definitiv das, was in Frankfurt nicht hinpaßt. Hardcore, Happy Techno, daß ist einfach das einzige Konzept um gegen das Omen anzukommen. Das Omen spielt eben einfach das groovig housige oder Acid. Ich spiele eben…ja ich spiele noch immer Gabba. Aber die Leute wollen es auch so. Ich habe mal einen Tag gemacht mit groovigem Trance und Acid und dann ging es mit den Besucherzahlen arg berab. Wir haben mal lustiger weise einen Eye Q Abend gemacht, mit DJ Alpha und es war der Minusrekord schlecht.
FP: Warum hast du das gemacht?
AD: Ich wollte einfach qucken was passiert. Ich gedacht na ja Eye Q ist aus Frankfurt und dann holen wir mal den DJ Alpha aus Sweden und einen Live Act. Ich konnte garnicht glauben das es so leer war.
FP: Du legst auf der nächsten Mayday auf. Was erwartest du?
AD: Ich hab ja schon einmal auf Mayday aufgelegt aber recht früh. Hätte ich letztes mal in Dortmund um die gleiche Zeit aufgelegt, wäre es abgegangen, denn es ging ja schon zwei Stunden früher los.

Holger Wick

FP: Wie hast du angefangen?
HW: Ich habe damals bei Talla gearbeitet und gründete dort das Label Influence, dessen erste vier oder fünf Platte ich selbst gemacht habe. Danach lief es nicht mehr so und ich gründete Labworks. Die ersten Platten waren damals Rob Acids Cologne und Desperations- Our Reservation, beides Platten, die sich mit am besten verkauft haben.
FP: Machst du selbst auch Platten, außer den NOW Platten.
HW: Mein wichtigstes Projekt ist Purple Plejade. Die zweite Euromasters war von mir und z.B. die erste drei Komakino. Ganz am Anfang habe ich Platten unter dem Namen Concept gemacht, wobei damals noch Jürgen Laarmann für das Design verantwortlich war.
FP: Auffällig bei Labworks ist, daß viele Amerikaner darauf veröffentlichen. Es ist in der Sicht alleine schon einzigartig. Wie kommt es dazu?
HW: Das ist beziehungsbedingt. Ich habe schon ziemlich früh Gigs klargemacht z.B. für Richie Hawtin hier in Deutschland, als er noch nicht so bekannt war. DJ ESP Woody McBride und Freddie Fresh fanden Labworks sehr gut und haben uns Demos geschickt. In den USA gibt es nur eine handvoll kultiger deutscher Label und da zählt neben Force Inc auch Labworks dazu.
FP: Du hast vor kurzem auf der Mayday Party in Chicago aufgelegt, wie war das?
HW: Ziemlich geil und ziemlich komisch.
FP: Warum?
HW: Es war mitten in der Pampa, fünf Autostunden davon entfernt. Da war nichts, keine größere Stadt, nichts. Nur eine Tankstelle und ein Stück Wald. Es lag noch an manchen Stellen Schnee, es war bitter kalt und alles spielte sich in drei Zelten ab. Es war dort so eine Atmosfäre, wie es sie hier nicht mehr gibt. Die Leute haben in Zelten und in Autos geschlafen. Das waren zwei b.z.w. drei Tage pure Freude am Leben.
FP: Wie ist das wenn du auflegst, bist du ein Purist und spielst nur Acid?
HW: Ich spiele alles was mir Spaß macht, natürlich auch Acid.
FP: Du hast jetzt gerade unter dem Namen Phreak I +II ein texanisches Projekt gefeatured. Wie kam es dazu?
HW: Das sind Freunde von mir, zu denen ich des öfteren in den Urlaub gefahren bin. Das sind vielleicht nicht die kreativsten Stücke, aber sie haben etwas. Die Jungs haben noch nie etwas zuvor veröffentlicht.
FP: Es gibt seit kurzem auch Labworks UK. Wie ist der Markt in England für deine Platten?
HW: Wir verkaufen etwas mehr in England als in Deutschland. Eine handvoll geht in die USA, daß ist noch immer ein Vertriebsproblem.
FP: Was wird in der Zukunft auf Labworks herrauskommen?
HW: Es wird eine Radiation von Jimmy Crash geben, die besser ist als die letzte auf Direct Drive, vielleicht nicht ganz so gut wie Richies Mix.
Dann gibt es eine Christopher Just auf Labworks, sowie eine Platte von Seal Phürec und dem Acid Kirk. Zu aller letzt gibt es dann noch eine neue 4D und eine Loop (Wien) Compilation mit Stücken von allen Leuten die dort aufgelegt haben. In Wien macht nächste Woche ein NOW Recordstore auf, aber es wird unsere einzige Filliale sein, keine Kette wie bei Delirium. Den Laden macht Tina 303.

Future Releases by Andy

Death of NOW Compilation
Dr Pravda – Happy In Raveland (Kick Down)
Mark N-R-G (Overdrive)
Dj Tom & Norman – Space For Love (Overdrive)
Haus Trax by Jan Pravda (Overdrive)
See Tank Doppel 12″

Future Releases by Hoshi

Radiation EP (Labworks)
Christopher Just (Labworks)
Loop Compilation (Labworks)

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