Ultrahigh

Weder Cem Oral noch Kerosin sind unbekannte. Wenn sie vielleicht auch erst jetzt durch ihr neues Projekt Ultrahigh richtig bekannt werden, so waren doch schon jedem der sich ein bißchen auskennt ihre Tracks lange vorher bekannt. Cem hat bisher Tracks als Jammin Unit, mit Madonna 303, DJ.Ungle Fever und Air Liquide veröffentlicht und dürfte jedem der auf verzerrtes 303/808 Gewitter steht hinlänglich bekannt sein. Kerosin hat sich insbesondere mit seinem Hardcoreprojekt Gringo und der Zusammenarbeit mit Cem`s Bruder auf H.E.A.D. einen Namen gemacht. Zwischen Ambient und Gabber mit einer heftigen Portion Acid liegen ihre leicht tribalartigen sehr sehr spacigen Tracks die seltsamerweise ganausogut im Club wie zuhause funktionieren.

FP: Was ist für euch Tribal?
CEM: Extatische Stammestänze, das ist unser Tribal. Urinstinke wecken, Opfertätten erscheinen in deinem inneren Auge.
FP: Ultrahigh ist aber nicht gruselig, aber es kann gefährlich werden.
CEM: Um Gottes Willen, vergiss es, wir sind mehr so die Daktari Schiene, die harmlose.
FP: Schade eigentlich.
CEM: Wir betreiben hier kein Psychic TV in Frankfurt. Hobby Opferstätten.
FP: Aber es gibt doch zuwenig Abenteuer in Techno.
CEM: Wir machen schon unsere Abenteuer. Gute Filme gucken, in dieser Richtung.
FP: Filmmusik?
CEM: Benkenbergmuseum ist der angesagte Club in Frankfurt. Urzeit, Naturkunde. Dinosauriereier und ägyptische Mumien, Neandertaler ausgestopfte, nachgebildete, all sowas.
FP: Totschick. Aber ihr macht euch glücklicherweise keine Federn auf den Kopf wenn ihr auftretet.
CEM: Nein, wir leben heute.
FP: Warum ist Ultrahigh live?
CEM: Alles was wir machen ist live.
CEM: DAs ist einfach unsere Arbeitsweise. Wenn es nochmal läuft passiert noch mal dasselbe.
KEROSIN: Das ist unser Forschergeist, damit man sich am Ende vorstellen kann da läuft ein Verfolgter durch den Urwald.
FP: Das gute an Ultrahigh ist doch daß es eine Junglige Athmosphäre macht ohne die typischen Sounds zu verwenden.
CEM: Die typischen Sounds das ist halt viel arbeit und wenn du die Geräte anmachst die wir haben kommt das so raus. Das ist halt deep.
FP: Warum?
CEM: Du sitzt halt nachts zuhause und programierst ewig und es geht immer weiter in eine Richtung. Wenn man das dann morgens hört denkst du da fehlt irgendwas, eine Ravehookline oser so, das Tam Tam aber dann ist es schon auf DAT und wenn du es abends wieder hörst ist es wieder gut.
FP: Nachtmusik?
CEM: Auf jeden fall die CD. `Revenge Of The Maya Gods´, die 10″ ist schon relativ aufgeweckt.
FP: Die hört sich auch an wie ein Ravehit vom letzten Jahr.
CEM: Das ist aber alles 303 und so.
FP: Auch diese Tröte?
CEM: Nein, das ist ein Polaris, ein alter cheapo Fender Synth, damit machen wir ziemlich viele Ultrahigh Sounds. Tonnenschweres Teil an dem fast nichts funktioniert. Aber das wars auch schon an exotischen Instrumenten, außer dem Mikrophon, das wird oft benutzt. Ganz selten mal ein Sampler.
FP: Dafür klingt es immens dicht.
CEM: Der Hall ist super weit aufgedreht.
FP: Das ist für Leute dies nachspielen wollen, ihren eigenen Jungle zuhause nachbauen.
CEM: Wir leihen uns die Geräte.
KEROSINE: Im Pfandhaus.
FP: Bei Harthause?
KEROSINE: Da gibts fürn Mountainbike schon ne 303 und ne 808.
CEM: Oder bei uns am Bahnhof, da könntest du bei irgendeinem Marrokaner noch ne 303 bekommen, der sagt dir dann das ist digital.
FP: Oder ne große Uhr. Aber woher kommt jetzt eigentlich der Name Ultrahigh?
CEM: Körpereigene Drogen durch vegetative Reizung mobilisieren.
FP: Die Körpereigenen Drogen müssen immer für alles herhalten. Werden eigentlich bei der Menge an Sachen die ihr sonst noch produziert alle Ultrahigh Stücke auch speziell für Ultrahigh produziert?
CEM: Ja, wenn ich mit KEROSINE zusammenarbeite kommt immer ein Ultrahigh Stück raus.
FP: Woran liegt das, daß man wenn man mit speziellen Menschen zusammenarbeitet immer das gleiche bei rauskommt?
CEM: Wenn man sich genug Zeit lässt, dann gibt es einfach immer soetwas. Das vermischt sich irgendwie. Wir machen ja auch schon ewig zusammen Musik, seit dem zwölften Lebensjahr.
FP: Was habt ihr damals zusammen gemacht?
CEM: Bei meinem Vatter im Schlafzimmer mit nem normalen Cassettenrecorder. Vom Lehrling von meinem Vater ne E-Guitarre ausgeliehen, der hatte so eine Epiphon Guitarre mit Verstärker und wir hatten noch Klavier von der Oma, da haben wir hinten ein Mikrophon reingesteckt und auf Cheapobücksen getrommelt.
FP: Eine Schlafzimerband.
CEM: Die hieß C Protect. Da haben wir sogar noch ne Cassette von.
FP: Das ist Punk?
CEM: Ne, das ist echt auch Ultrahigh, ich schwörs dir, Kinderultrahigh, halt ohne 808 nur mit getrommel und irgendwann hörst du ne Stimme: Jetzt kommt gleich das nächste Stück.
FP Warum bringt ihr das nicht raus?
CEM: Na da müßte sich erst mal ein Label finden, Profan vielleicht oder so. Woanders hat das keinen Platz.
FP: Oder als Bonussingle.
CEM: Cassetten wäre eigentlich ideal, aber das geht ja nicht mehr. Außerdem fangen die irgendwann an dumpf zu werden.
FP: Wie gings dann weiter?
CEM: Wir haben uns dann einenÜbungsraum geholt, als wir gemerkt haben daß wir richtig Musik machen wollen.
FP: Professionelle Musiker werden, ein wichtiger Schritt.
CEM: JA, ich hab mir ne vierspumaschiene gekauft, Kerosine ein Schlagzeug und einen MS 20 und wir haben weiter experimentiert.
FP: Immer nur du und Kerosine?
CEM: Nein, und mein Bruder, CAN, der im Moment immer Khan heißt auf Platte.
FP: Seitdem macht ihr alles mögliche in allen möglichen Konstellationen.
CEM: JA, aber ansonsten eigentlich nur Acid.
FP: Habt ihr jemals daran gedacht euer eigenes Label zu machen?
CEM: Ja, aber daß muß man sich echt überlegen, das schluckt viel Zeit und dann hat man vielleicht nicht mehr genug um Stücke zu machen, und nur noch ein anderes weiteres Acidlabel zu haben ist doch auch langweilig. Das würde ich nie machen.
FP: Aber es ist der sicherste Weg um genau das rauszubringen was man möchte.
CEM: Das ist überhaupt das sicherste, aber du mußt halt irgendwie anfangen, und ich hab noch nicht den Kick gehabt zu sagen jetzt!!!! gehts los und ich mache alles alleine. Eigentlich muß das kommen.
FP: Habt ihr nicht auch grade noch eine Platte für Structure gemacht, South 2nd?
CEM: Das ist ja auch zum Teil mein Label. Die haben wir in New York gemacht, Khan, Walker und ich.
FP: Wenn man bei Ultrahigh nicht so genau hinhört könnte man glauben das ist Trance.
CEM: Ja, wir stehen ja auch auf diesen Effekt, ist es ja irgendwie auch. Musik die nicht nervt, aber einen trotzdem voll einlullt, so Kissenmäßig.
FP: Eigentlich sollte man da in Frankfurt etwas vorsichtig sein.
CEM: Trance zu sagen?
FP: Nein zu machen, das ist doch absolute Trancehochburg.
CEM: Tranceniederburg.
FP: Woher sind eure Namen, Kerosine und Jammin Unit.
CEM: Da haben wir uns nur Mist ausgedacht. Das wissen wir nämlich nicht. Kerosines Mofa fährt mit Kerosine 60, und Jammin Unit ist eine lebende Rythmusmaschiene und ein kiffender Kühlschrank.
FP: Was soll das denn heißen?
CEM: Gar nichts, aber ne bessere Auskunft gibts eigentlich gar nicht.
FP: Was war euer bestes Interview bisher?
CEM: Im deutschen Polizeihund.
FP: Nicht wahr!
CEM: In der Bäckerblume.
FP: Schluß!
CEM: Mc Donalds Kino News. Das stimmt wirklich. Und Mädchen sollen wir noch krigen, aber das ist ja schon wieder gut.
FP: Was ist eure Lieblingszeitung?
KEROSINE: Kicker.
CEM: Bildbände.
FP: Für welche Mannschaft?
KEROSINE: Gladbach.
FP: Da macht man sich Feinde.
CEM: Wir haben hier in Frankfurt sowieso keine Freunde.
FP: Frankfurt ist ein hartes Pflaster.
CEM: In welcher Beziehung?
FP: Gewalt, Drogen und als ausgleich ist abends nicht mal viel los.
CEM: Auf der Straße ist manchmal schon ziemlich ungemütlich, da hast du recht, am Bahnhof vor allendingen, aber es gibt so Zeiten, da gibts Bad Vibrations, da gehst du auf die Straße und du fühlst dich richtig unwohl. Du gehst auf die Straße und siehst an jeder Ecke die Leute versumpfen. In den härtesten Graden.
FP: Voll Tribal, der weg zurück in die Urzeit.
CEM: Der Mensch beherscht eben nicht die Welt, sondern die Welt beherrscht den Menschen.
FP: Zuviel Bildbände gelesen.
CEM: Wir werden von ausserhalb durch Radiostrahlen gesteuert, oh Gott.

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