Jeder kann ein Fest befeuern, aber nur wenige können es vernichten.

Wenn die NSA eine Zielperson auskundschaften will, greift sie in die Trickkiste der Tailored Access Operations (TAO), einer Geheimdienst-Abteilung, die Software- und Hardware-Wanzen baut. TAO hält fertige Spionage- und Überwachungskits vorrätig und entwickelt ständig neue. Der (etwas veraltete) Katalog befand sich in den von Edward Snowden stibitzten Daten, der Spiegel hatte ihn neulich veröffentlicht und als interaktive Grafik aufbereitet. Handhabbarer ist diese unformatierte Auflistung.

Aber wirklich interessant ist die Diskussion um die einzelnen Exploits und Wanzen im Blog des Sicherheitsexperten Bruce Schneiers: NSA Exploit of the Day bringt jeden Tag ein neues Gerät und Schneiers wissende Leserschaft kommentiert und analysiert fleißig – und ehrfürchtig. Und auch wenn die Beschreibungen und Diskussionen sehr technisch sind: sie sind spannende, hässliche Techno-Gonzoporn. Sie zerreißen jegliche fragile Schönheit der technischen Infrastruktur, von irgendeiner (post-)Internet-Magie bleibt bei aller technologischen Brutalität wenig übrig. Selbst militärische Internet-Aktivitäten werden sanfter und spannender beschrieben. In den TAO-Dokumenten zu stöbern, ist wie Chirurgen bei der Operation zuzuhören. Banale Übermacht, übermächtige Banalität. Das Internet und die Kommunikation sind Kabel und Lötzinn und Kupfer und Plastik. Nix da Zukunft. Nix da, fortschrittliche Technik sei ununterscheidbar von Magie.

Man kann der NSA dafür gar nicht dankbar genug sein.

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