Blauer Igel auf der Wii

Irgendwann, Anfang der 90er war Sonic der Inbegriff von Geschwindigkeit. Sega und Nintendo waren damals die größten Konkurrenten im Videospielgeschäft und die Idee, einen blitzschnellen blauen Igel ins Rennen gegen Mario zu schicken hatte sich als äußerst erfolgreich herausgestellt. Als dann aber aufgrund falscher Firmenpolitik der Nachfolger der Megadrive Konsole floppte und die Sony Playstation die Marktführerschaft übernommen hatte, waren Sonics allerbeste Zeiten vorerst vorbei. Trotzdem sind Sonic und seine Freunde immer noch omnipräsent: Seien es die alljährlichen Umsetzungen der Sommer- und Winterolympiaden, in denen Segas und Nintendos Maskottchen sich sportliche Duelle liefern, unzählige Fun-Racer, oder die immer neuen Sonic-Versionen und Versuche, mit 2D und 3D Plattformern an die goldenen Zeiten von damals anzuknüpfen. Ein Blick auf drei relativ aktuelle Titel zeigt, auf welch unterschiedlichen Pfaden man bei Sega mit Sonic unterwegs ist: Sonic the Hedgehog 4: Episode 1, ist eine Rückbesinnung auf die erfolgreichen Anfänge der Serie, Sonic Free Riders eine brandneue Version für Microsofts Bewegungssteuerung Kinect und Sonic Colors eine Umsetzung für Nintendos Wii Konsole.

Bei Sonic the Hedgehog 4: Episode 1 fühlt man sich komplett in die Vergangenheit versetzt. Der zweidimensionale Arcade-Sidescroller knüpft nahtlos an die Megadrive Versionen von damals an. Die Grafik ist etwas aufgehübscht und die Level etwas verändert. Wichtigster Unterschied zu damals ist aber, dass das Spiel als Download für alle gängigen Plattformen und fürs iPhone erhältlich ist und damit eher in die Rubrik „Retro-Games“ gehört. Wie der Titel bereits andeutet, soll es weitere Episoden von Sonic 4 geben. Episode 1 enthält insgesamt auch nur vier Welten mit jeweils drei Leveln und Boss-Kämpfen und bietet aber viele gute Momente, in denen man sich erinnert, was man an Sonic the Hedgehog immer so gerne mochte: Schnelle Passagen mit Rutschen, Rampen und Loopings und möglichst konstantes Klingeling beim Einsammeln hunderter Sonic-Ringe.

Großes Potential hatte für mich eigentlich die Umsetzung von Sonic für Microsofts Kinect Steuerung gehabt. Verlockend die Vorstellung, ganz schmoof durch die Level zu gleiten und hier und da mit einer Armbewegung Power-Ups einzusammeln und mit leicht gebeugten Knien in den Looping reinzugehen. Aber leider nichts davon. Die Steuerung ist enttäuschend und ähnlich, wie bei Tony Hawks Ride, dem Skatespiel mit dem Boardcontroller, schien sich die Theorie nicht so ganz in die Praxis übersetzen zu lassen. Die Steuerung ist schwerfällig und häufig kracht man in einer Kurve in die Bande, so dass ein easy-flow kaum aufkommt. Vielleicht kann man dieses verunglückte Spiel dem Versuch Segas zuschreiben, Teil der Launch-Euphorie von Microsofts Kinect sein zu wollen. Better luck next time!

Dass es doch hin und wieder mal klappt bei Sonic, beweist dann aber Sonic Colos für Wii. Der böse Dr. Eggman, bzw Dr. Robotnick hat als Entschädigung für seine bisherigen üblen Taten einen intergalaktischen Freizeitpark gespendet – natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn eigentlich dient der Park als Gefängnis für die Ausserirdischen Whisps, wobei die Story ja egal ist bei Arcade-Plattormern. Jedenfalls sind Sonic und Tails unterwegs, die Whisps zu befreien und bewegen sich dabei durch die irrwitzigsten Levelarchitekturen, die ständig zwischen 3D- und pseudo 2D-Ansichten wechseln. Da gibts dann schnelle Passagen mit Sprungschanzen, Loopings und Railslides und langsamere Plattformer-Passagen und immer wieder stehen alternative Routen zur Verfügung, die dazu einladen, einzelne Abschnitte nochmal zu spielen und den ein- oder anderen Ring an schwierigen Stellen doch zu bekommen. Teilweise fühlt man sich an Super Mario Galaxy erinnert, wenn bspw von der intergalaktischen Weltkarte einzelne Gebieteskarten ausgewählt werden, aber solche Anleihen, auch was verschiedene Fahrstuhl- und Sprungsequenzen angeht, sind natürlich voll okay. Insgesamt spielt sich Sonic mit seinen Wirbelwind-, Laserblitz-, Stampfattacken und den durch die farbenfrohen Whisps hinzugefügten Fähigkeiten, wie Haifisch-Berserker, Fliegen und Raketen-Boost doch komplett anders als Mario. Unterschiedliche Taktiken sind auch im Kampf mit Dr. Eggmans Heerscharen gefragt. Mal boppt man im Domino-Effekt die Roboter-Käfer weg oder fegt die Samurai Roboter von der Plattform. Einzig die Boss-Fights sind sich im Endeffekt sehr ähnlich.

Einen Koop-Modus gibt es in den normalen Leveln leider nicht – dazu sind die einzelnen Rampen- und Raketenpassagen einfach zu schnell. Trotzdem kann man in den Zusatzleveln, dem sog. Sonic Simulator zu zweit spielen. Hier geht es dann etwas weniger rasant und eher Plattformer-mässig zur Sache. Gespielt werden kann sowohl mit dem Gamecube Controller, als auch mit Nunchuck und Wii-Mote, wobei man die Möglichkeiten der Wii-Mote noch umfangreicher hätte ausnutzen können. Das klassische Sounddesign macht grundsätzlich Spaß und das Geklingel beim Einsammeln der Sonic-Ringe ist unverwechselbar. Einziger Nervpunkt: Die Musik. Als Titeltrack soll eine Fun-Punk Hymne mit dem Titel „Reach for the Stars (Rings)“ wohl den juvenilen Charme Sonics nochmal unterstreichen und die geloopte Spielmelodie lässt sich langfristig auch nur mit ganz viel Wohlwollen ertragen.
Insgesamt besticht Sonic Colors für Wii durch die bunten, abwechselnd langsamen und schnellen Level und den richtigen Grad an Herausforderung und Erfolgserlebnissen. Ein Spiel, mit dem man sich gerne länger aufhalten kann und das beweist, dass mit dem blauen Igel doch immer wieder mal was geht…

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