Tron: Evolution

Der Film Tron ist sowas, wie der Eckpfeiler der Nerd Kultur. Als er 1982 erschien, war er an den Kinokassen nur mässig erfolgreich und auch in seiner Aussage eher Disneyesque-schlicht gestrickt. Was ihn aber dann viele Jahre zur Referenz werden ließ, waren die ersten vollständig digital erstellten Szenen, die der Film enthielt und durch die man als Computerfreak erstmals einen Blick in die Zukunft werfen durfte. Mit Tron wurde sichtbar gemacht, wovon viele nur zu träumen wagten: Eine Zukunft findet statt- nicht nur in der Handlung des Films, sondern auch in seiner digitalen Form selbst.



Dass dann viele Videospiele die Szene mit den Lichtmotorrädern übernehmen würden und dass es früher oder später auch eine Neufassung des Films (dieses Mal in 3D) geben würde, war klar. Und dass es zur Neufassung auch wieder ein Videospiel geben würde, war auch klar und auf den ersten Blick erscheint Tron: Evolution, das mit seiner Handlung Lücken zwischen den beiden Filmen schließen soll, auch ganz vielversprechend. Mit den kühlen Synthiesounds (teilweise von Daft Punk beigesteuert) und einem sehr minimalistischen Grafikstil, der die Welt aus Rastern, Zahlen und Strom glaubwürdig darstellt und der auf entsprechenden Fernsehern auch in 3D genossen werden kann, wird das Spiel seinem futuristischen Appeal absolut gerecht. Als Spieler übernimmt man die Rolle des Systemprogramms Anon, das gegen die Auswüchse des zerstörerischen Abraxas-Virus vorgehen soll. In den lichtblauen Systembereichen, in denen das Virus sich schon ausgebreitet hat, wird die heile Welt pixelig und orange.

Und das hätte alles so schön sein können, sich mit einem Avatar-gewordenen Programm frei springend und kletternd im Cyberspace fortzubewegen und mit Hilfe des Identitätsdiskus feindliche Programme zu löschen und mit Lichtmotorrädern und Lichtpanzern gegen das Virus zu kämpfen. Leider macht aber das Gameplay mit schlechter Steuerung und nerviger Kameraführung da einen Strich durch die Rechnung. Wo eigentlich ein flüssiger Parkour-ähnlicher Bewegungsstrom herrschen sollte, reihen sich Ungenauigkeiten und Fehlsprünge aneinander. Immer wieder stürzt man ins digitale Nirvana und löst sich auf in einen dreckigen Pixelhaufen. Das frustriert! Nur mit Biegen und Brechen schafft man es dann durch die ersten Level, in denen sich leider auch die grundsätzlich ganz ansehnlichen Fights mit den orangenen Viren immer wiederholen und langweilig werden. Die Fahrten mit den Lichtmotorrädern und Panzern machen hingegen nach einige Übung sogar Spaß.

Ganz gut umgesetzt wurden das Level- und Upgrade-System, bei dem man im Story-Modus an verschiedenen Terminals seinen Avatar ausrüsten kann und diese Systemerweiterungen und Diskus-Upgrades können dann auch im Multiplayer in den verschiedenen Modi genutzt werden. Für Fans, die vom Tron Universum nicht genug bekommen können, bietet das Spiel nochmal zusätzlich die Möglichkeit, eins zu werden mit der Welt, in der die Sonne aus gebündelten Laserstrahlen scheint und Leben in sich aufsaugt, wo Farben zur Bedrohung werden, wo Unendlichkeit in Quadrate und Rhomben aufgeteilt wird… Einen bleibenden Eintrag ins Buch großartiger Videospiele bekommt man hingegen nicht.

Nachtrag: Das Entwicklerstudio Propaganda Games wurde übrigens von Disney Entertainment bereits einen Tag vor dem Europa-Release des Spiels Tron: Evolution geschlossen…

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