Süßer Sackboy wieder da

Zweifellos hat das Spiel Little Big Planet der englischen Entwicklerfirma Media Molecule vor zwei Jahren bereits das Genre der Jump n´ Run Plattformer auf eine neue Ebene gehoben. Das Besondere waren die fast haptischen Oberflächen und die quasi 3D-Perspektive mit der Schichtung der Bildschirmobjekte vor- und hintereinander, so dass man immer das Gefühl hatte, auf eine Bühne, oder in ein Puppenhaus zu blicken. Und dann war da natürlich der unwiderstehliche Held des Spiels: Sackboy, die abgeliebte Handpuppe mit den groben Texturen.



Vor allem kann man Little Big Planet, das exklusiv für die Sony Playstation 3 erscheint, aber auch in Konkurrenz zu Nintendos Vorherrschaft im Bereich der süßen Hüpf- und Springspiele sehen. Auch wenn dieses Vorurteil schon lange keine Gültigkeit mehr hat und inzwischen sowieso alle Genres auf allen Konsolen bedient werden, ist doch gerade das niedliche Little Big Planet mit der süßen Sackboy-Figur bei Sony ein dicker Trumpf im Spiel um die Zielgruppen, die knuddelige, kindgerechte Spiele ohne Gewalt und Ballerei wollen. So hat man im neuen Teil von Little Big Planet bereits im Intro geradezu das Gefühl, das Spiel kehre seinen pädagogisch besonders wichtigen Gehalt heraus. Da werden glückliche Kinder beim Spielen gezeigt, die mit Kreide, Luftballons und Bauklötzen ihrer Fantasie freien Lauf lassen und man könnte denken, dass aus allen Kindern, die mit Little Big Planet spielen, smarte Grafikdesigner und hippe Kreative werden sollen.

Das Besondere sind aber auch gerade die vielen Optionen, die über bisherige Jump n’ Run Plattformer hinausreichen. Neben den etwa dreissig fertigen Leveln bieten die Community Features mit inzwischen unüberschaubar vielen, mehr oder weniger gelungenen, selbst kreierten Leveln und der Leveleditor schier unendlich viele Möglichkeiten. Im normalen Storymodus, der ganz sachte mit einem Tutorial beginnt und dessen Schwierigkeitsgrad ganz langsam angehoben wird, sammelt man schon mal haufenweise neue Verkleidungen für Sackboy, Materialien fürs Leveldesign und sog. Sticker, mit denen man Level ausschmücken, oder auch Schalter fixieren und besondere Stellen markieren kann. Zusätzliche Glaubwürdigkeit bekommet die kleine große Welt durch die Physics-Engine, durch die die dreidimensionalen Objekte bewegt werden können und Sackboy mit dem Wurfhaken hangeln und schwingen kann und durch die man das Gewicht der einzelnen Objekte zu spüren scheint. Große Klumpen aus Kork kullern zum Beispiel ganz anders, als die klebrigen Marmeladenbälle oder die Schokotörtchen im Küchen- und Backofenlevel.

Eine der weiteren Besonderheiten bei Little Big Planet ist die Wertschätzung für die alltäglichen Gegenstände des Lebens. Höchstens bei Spielen, wie dem legendären Beautiful Katamari standen bisher normale Alltagsgegenstände, wie Büroklammern, Radiergummies und Sofakissen so im Mittelpunkt. Aber auch bei Little Big Planet gibt’s eigentlich nichts, was es nicht gibt und was nicht im Leveleditor verbaut werden könnte. Wenn man also den normalen Storymodus mit den originellen Charakteren aus Schreibblöcken und Pappschachteln durchgespielt und sich immer wieder hat überraschen lassen durch die unzähligen Variationen von Rutschen, Röhren, Sprungfedern und Greifarmen kann man selbst kreativ werden und mit anderen Sackboys und Girls zusammen spielen und andere Level bewerten und sich per Textmassages und mit Screenshots austauschen.

Auch Musikauswahl und die sympathische Synchronstimme des Erzählers sind wieder von ausgesprochener Güte. Zwar bleibt ein Problem auch in LBP2 die oftmals verwirrende Kameraführung im Mehrspielermodus, aber wenn man über dieses kleine Manko hinausschaut, ist Little Big Planet 2 nochmal eine Verbesserung eines großartig liebevollen und extrem umfangreichen Videospiels.

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