Eine Freundschaft fürs Leben

Manchmal ist ja die Coverversion besser als das Original. Das fällt einem dann schwer zuzugeben, vor allem, wenn man das Original so sehr liebt. Aber es gibt eben Parameter, an denen lässt sich immer noch was schrauben. Für viele war The Legend of Zelda: Ocarina of Time für das N64 von 1998 eigentlich schon ein perfektes Spiel. Diesen Titel als Remake für Nintendos neues 3DS zu bringen ist sicherlich einer wirtschaftlichen Überlegung geschuldet. Die ersten Wochen nach Release des 3DS liefen nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte. Das Software-Angebot war noch sehr übersichtlich, der eShop war noch nicht online und anscheinend war auch der Preis des 3DS noch zu hoch. Die aktuelle Kurskorrektur und Preissenkung um fast 30% weist darauf hin. Ein sicherer Seller muss her. Ob aber das Remake eines Klassikers das ist, was die Konsumenten zum Kauf eines 3DS bewegt?

Wie dem auch sei, der fast fünfzehn Jahre alte Verkaufsschlager Ocarina of Time hat die Frischzellenkur hervorragend vertragen und dem Handheld ein wahres Schwergewicht zur Seite gestellt. Ausserdem kommt die 3D Version von Ocarina of Time natürlich auch rechtzeitig zum 25 jährigen Jubiläum der Zelda Serie.

Bei der neuen Version muss man vorausschicken, dass an der Story des Spiels praktisch nichts verändert wurde. Gameplay, Sound und Grafik allerdings sind an heutige Handheld-Standards angepasst worden und vor allem die 3D Funktion scheint wie geschaffen für dieses Spiel. Zwar wird man in unübersichtlichen Situationen das stereoskopische Bild wohl doch manchmal ausschalten, aber bei Flügen durch Schluchten und dem Ritt über die weiten Ebenen Hyrules und in den Filmsequenzen bietet die 3D Ansicht das Plus an optischem Genuss.

Im Spiel geht es immer noch um Link, den Helden mit grüner Kapuze und Schild und Schwert, der einem im Laufe des Spiels so sehr ans Herz wächst, wie nur wenige Videospielcharaktere, mit denen man so viele Höhen und Tiefen durchlebt hat. Link muss die Welt retten und die Teile eines magischen Artefakts zusammenbringen, bevor diese dem Ober-Bösewicht in die Hände fallen und die heile Welt für immer in Chaos und Finsternis versinkt. Dieses Abenteuer, das so unscheinbar in Links Baumhaus beginnt, entwickelt nach einigen Stunden Spielzeit einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Neben der Hauptquest gibt es natürlich auch jede Menge Sidequests, in denen man sich problemlos stundenlang verlieren kann und durch die die Welt ihre Tiefe langsam entfaltet.

Die Kunst bei guten Adventures und Rollenspielen ist es dann, den Spieler bei der Stange zu halten und ein ausgewogenes Verhältnis von Herausforderung, Belohnung und Entspannung zu erzeugen. Und in dieser Disziplin ist man bei Nintendo natürlich Meister und hat eben gerade in Serien, wie Legend of Zelda oder Metroid lange Jahre an dieser Mischung gefeilt. Das Prinzip der quasi offenen Welt ist klar: Die grenzenlose Freiheit und die ausschweifenden Level werden natürlich durch eine eher lineare Struktur zusammengehalten, in der man an Punkt A den Fisch gefangen haben muss, damit Ereignis B getriggert werden kann. Das ist aber voll okay so. Alles andere würde den Spielfluss extrem hemmen. Die Aufgaben und Rätsel sind zwar meistens flüssig zu absolvieren, aber ein gelegentlicher Blick ins Walkthrough kann Zeit und Nerven sparen. Das Genre des Action Adventures wird in Ocarina 3D alles andere, als neu erfunden- trotzdem ist der Titel eines der wichtigsten Spiele von Nintendo überhaupt und in der überarbeiteten Version noch besser.

 

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7 Responses

  1. rofl

    “Das Genre des Action Adventures wird in Ocarina 3D alles andere, als neu erfunden”

    Tja, was für ne Überraschung bei nem fast 13 Jahre alten Spiel, die Welt dreht sich halt auch mal weiter. Da das Spiel seinerzeit aber quasi einen neuen Standard für Actionadventures gesetzt hat, kann man das auch verschmerzen, denke ich.

    Nintendo hat diese hoch gelegte Latte übrigens selbst mit den folgenden Zeldateilen nicht mehr höher legen können, im Gegenteil. Das Spiel ist und bleibt ein absoluter Meilenstein der Videospielgeschichte und ein unerreichtes Meisterwerk. Einziger Wermutstropfen waren die Lieferengpässe beim Release.

    Übrigens ist A Link To The Past (SNES) auch heute noch überaus spielenswert, wenn man die etwas altbackene Bitmapgrafik verschmerzen kann. Die Spielmechanik ist aber über jeden Zweifel erhaben und hier wurden viele Grundsteine für das spätere 3D Abenteuer gelegt (zB der Wechsel zwischen 2 Welten).

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  2. Random Chance

    Ich sage auch, dass A Link To The Past vielleicht insgesamt das beste Zelda-Spiel war und gerade die Bitmapgrafik wirkt weniger anachronistisch als die frühe Echtzeit-3D-Grafik von N64-Titeln (obwohl man sagen muss, dass die Programmierer schon so ziemlich alles aus der Hardware herausgeholt haben). Als das N64 herauskam, war ich nicht so begeistert wie andere. Erst langsam erreicht 3D-Grafik die technische Reife, von der ich damals geträumt habe. Leider ist die Spielmechanik bisher noch nicht hinreichend nachgekommen. Und für mich wird Zelda sowieso immer 2.5D bleiben.

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  3. Carolyn Sapphire

    Ahoi, dein Post oben ist ehrlich spannend. Normalerweise lese ich nicht bis zum Ende, jedoch war das wirklich mal ein kritischer Post. Cool! Bin allerdings nur durch Zufall über Fireball auf diese Seite aufmerksam geworden. Zum Thema: gibt es hierzu mittlerweile etwas Neues? Habe auf deiner Webseite gesucht, aber leider nichts finden können. Danke und weiter so!

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