Der Geist aus der Maschine

Videospiele, die eine gute Geschichte erzählen, sind rar gesät. Ein Beispiel war das hochgelobte Deux Ex aus dem Jahre 2000, dem das Label „Cyberpunk“ aufgedrückt wurde. Das Spiel zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass es das Tempo aus dem Ego-Shooter herausnahm und stattdessen eine Geschichte mit relativ realistischem Hintergrund erzählte. In einer ausgewogenen Mischung aus Shooter und Rollenspiel waren plötzlich die bisher klar gezogenen Genregrenzen aufgehoben und man war Teil eines Nanotech-Body-Enhancement Krimis. Der Nachfolger „Invisible War“ erschien nur vier Jahre später, konnte aber aufgrund der Portierung auf die damalige Konsolenhardware nicht ganz an den Erfolg des PC-Originals anknüpfen. Jetzt endlich ist mit Deus Ex: Human Revolution ein weiterer Teil der düsteren Tech-Saga erschienen und der empfängt einen gleich in seine wohlige Dystopie. Die Handlung spielt mehrere Jahre vor dem ersten Teil und beschreibt das Aufkommen mechanischer Augmentierungen zum Zwecke einer Steigerung der menschlichen Leistungsfähigkeit.

Der Markt für diese Human-Upgrades ist rasant gewachsen und die Multikonzerne, die diesen Markt bestimmen, scheuen vor keinen Mitteln zurück, um die Konkurrenz in diesem Geschäft zu übertrumpfen. Wir schlüpfen in die Rolle von Adam Jensen, dem Sicherheitschef eines dieser Konzerne, der zu Beginn des Spiels bei einem Auftrag lebensgefährlich verletzt wird und nur mit Hilfe der neuen Technologien wiederhergestellt werden kann. Ausgestattet mit bionischen Gliedmassen und elektronisch geschärften Sinnen wird die Problematik schnell deutlich: Wie stehe ich zu diesen Körpermodifikationen, die ich selbst nutze, um Vorteile zu erlangen? Und welche Rolle spiele ich eigentlich in diesem Spiel? Um dieses Thema kreisen die Gedanken, während man zwischen die Fronten verschiedener Interessengruppen gerät und sich in einer Welt verliert, aus Häuserschluchten, dunklen Lagerhallen, kühlen Bürokomplexen und dem Neonlicht, das sich in den Pfützen wiederspiegelt.

Innerhalb dieses Settings, das einen auch mit seinen Synthie-Sounds an Filme, wie Blade Runner oder Escape from New York erinnert, hat auch das Gameplay seine Vorbilder. Aus Spielen, wie Splinter Cell oder Metal Gear kennt man die Freiheit, zu wählen, ob man den nächsten Kontrollpunkt lieber schleichend, ohne Aufmerksamkeit zu erwecken erreichen will, oder ob man in altbewährter Gung-Ho Manier einfach alles abballert, was sich einem in den Weg stellt. Auch Human Revolution bietet einem viele Freiheiten, das Spiel zu meistern. Immer gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Art und Weise, wie man spielt, hängt früher oder später von den zusätzlichen Körpermodifikationen ab, die man im Laufe des Spiels dazugewinnt. Gleichzeitig wird immer weiter am Weltentwurf gesponnen und gut gemachte Dialogsequenzen mit wichtigen und unwichtigeren Personen und viele Zeitungen, Emails und Tagebücheinträge verdichten die Atmosphäre weiter zu einem schaurig schönen Bild einer technologiebestimmten Zukunft.

Auch wenn Human Revolution mit seiner Mischung aus Shooter und Rollenspiel natürlich nicht die Intensität eines reinen Shooters bietet und auch nicht die Tiefe eines reinen Rollenspiels erreicht, sind doch die Elemente gut abgewogen und das sorgt für ständige Abwechslung mit langsameren und schnelleren Passagen. Und auch wenn man erstmal in anfänglichen Schleich- und Actionsequenzen nicht so genau weiss, wie man mit der Steuerung umzugehen hat, gewöhnt man sich schnell verschiedene Methoden an und wird schließlich selbst als Spieler ein Teil der Videospiel-Maschine.

 

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