Turok, der Dinosaur Hunter wurde reanimiert

Touchstone für PS3 und Xbox360

Hmm, irgendwann in den 90ern wurde man mal erheblich belästigt von Dinosauriern. Anscheinend werden diese Biester zyklisch immer wieder hervorgekramt, um kleine Kinder zu erschrecken- genau wie Haifische. Ihre damalige Omnipräsenz in der digitalen Popkultur hatte ich mir damit erklärt, dass die evolutionäre Skelett- und Hautstruktur von Dinos noch nicht soo weit fortgeschritten war und man sie deshalb mit Computern in den 90ern schon recht gut darstellen konnte- besser als Schleim- und Pelzmonster jedenfalls.

Turok, der Dinosaur Hunter ist allerdings noch älter. In den 50ern, zur Zeit der ersten Science-Fiction war er ein beliebter Held im Genre der Dinosaurier Comics und spielte zusammen mit Flash Gordon in einer Liga. Eine Reise in die prähistorische Vergangenheit hatte damals genau so viel fantastischen Gehalt, wie die Visionen von Zukunft. Teilweise wurden auch Dinosaurier- und Ufo-Fantasien zusammengeworfen. Entsprechend umgesetzt hätte diese Retro-Science Fiction heute sicherlich einen gewissen Charme als Computerspiel.

Die Turok Comic-Serie

Aber anstatt sich auf die Wurzeln des indianischen Dino-Jägers zu konzentrieren, und bewusst auf die Comic Vorlagen einzugehen, versuchte man immer, mit anderen Ego-Shootern mitzuhalten. Diese Versuche waren zwar relativ erfolgreich, aber trotzdem blieb Turok als Videospiel-Held immer in der zweiten Reihe; die Dinosaurier-Jagd mit Pfeil und Bogen schien doch etwas anachronistisch im Ego-Shooter Genre.

Turok Evolution auf dem GameCube 2002

Allerdings hat Turok einen Namen in der Videospielgeschichte und deshalb kann man nach der Pleite der Firma Acclaim das Interesse am Re-Launch des Turok-Brand durchaus nachvollziehen. Aus diesem Grund nahm sich das relativ junge Entwicklerstudio Propaganda Games in Vancouver die Marke vor und verpasste dem Dino-Hunter ein ordentliches Shooter-Update.

Das neue Turok spielt in der Zukunft. Unser Held stürzt mit seiner Einheit auf einem fremden Planeten ab und entdeckt dort – na was? – Dinos! Aber das ist glücklicherweise nicht alles, denn außerdem ist eine andere Interessengruppe dabei, der Evolution auf diesem Planeten ein bisschen nachzuhelfen und die Dinos genetisch ein wenig in die richtige Richtung zu lenken. Dieser Stoff ist natürlich auch uraltes Sci-Fi Material aber für Games prädestiniert und die Mischung aus Hypertech und Prähistorie natürlich ganz reizvoll. Man spürt im gesamten Game ständig den battle, der zwischen Natur und Mensch gefochten wird. So liegen die Raumstationen teilweise schon in Trümmern, sind von Pflanzen überwuchert und Fässer mit radioaktivem Inhalt wirken wie bedrohliche Vorboten.

Turok Xbox360 2008

Anfangs kommt das Spiel etwas zaghaft daher und scheint einen langsam an die richtige Action heranführen zu wollen. Gleichzeitig bauen aber Rückblenden und Hinweise auf die Anwesenheit von Turoks alter Special-Forces Einheit und seinem Erzrivalen Kane (!) einen Handlungsstrang auf, der einen doch bei der Stange hält.

Mit dem Messer gegen Hightech Soldaten und prähistorische Echsenwesen

Auch die Anzahl und das handling der Waffen sind natürlich ausschlaggebend für die Qualität eines Shooters und obwohl im Laufe des Spiels einige ganz interessante Kanonen hinzukommen, ist das Messer Turoks wichtigste Waffe. Sowohl im direkten Kampf gegen die Dinos, als auch beim lautlosen Anschleichen an die gegnerischen Soldaten ist der gezackte Rambo-Dolch the weapon of choice. In diesem Punkt liegt auch eine Stärke von Turok, und das Element, in dem dieser Shooter konsistent wirkt. Gab es bei anderen Ego-Shootern den Stoß mit dem Gewehrkolben als Nahkampfangriff, und war bisher der Einsatz von Schlagwaffen in Ego-Perspektiven immer nur grauslig umgesetzt, wird der Messerangriff bei Turok mit einer kurzen gescripteten Szene dargestellt. Man drückt also im richtigen Moment den Trigger und sieht dann je nach Gegner und Situation eine richtig handfeste Messer-Attacke. Turoks Rolle als lautloser Jäger bekommt also durch diesen eleganten Messer Angriff die entsprechende Würdigung. Bei anderen gescripteten Zwischenszenen, die wir als Stilmittel schon aus anderen Games kennen, gilt es dann, schnell einen bestimmten button zu mashen, um sich aus dem Würgegriff einer Echse zu wrestlen, oder sich mit einem Tritt seines Gegners zu entledigen. In diesen Szenen spritzt auch einiges an Blut (in der ungekürzten Fassung) und ein gewisser Splatter-Faktor lässt sich nicht wegdiskutieren, aber dies war auch immer schon ein elementarer Aspekt der Turok Reihe: Der Kampf Mann gegen Dino.

Turok

Sehr gut wirken sich auch Pfeil und Bogen und das Messer in den Multiplayer Spielen aufs Tempo aus. Zwar erlauben alle anderen Kanonen die üblichen Ballereien, aber die vermeintlich antiquierten Waffen eignen sich eher für die Stealth-Taktik und können das Tempo von Multiplayer Matches sehr herausnehmen, sie aber trotzdem wahnsinnig spannend machen.
Insgesamt ist die Neuauflage von Turok ein extrem linearer, muskelbepackter Proll-Shooter geworden, der natürlich ganz anders wirkt als ein arti-farti Bioshock, oder das etwas cleane Halo, aber Turoks Fähigkeiten als Dinosaur Hunter sind plausibel umgesetzt und die morbide Natur-Technik Mischung schafft eine ganz atmosphärische Stimmung.
Sehr nervig sind allerdings die weit auseinander liegenden Speicherpunkte, die einen zwingen, etwas schwierigere Passagen mehrmals zu spielen. Ansonsten muß man auch insgesamt sicher schon ein Faible für Shooter haben und schon mal einen Schwarzenegger Film gut gefunden haben, um Turok richtig geniessen zu können.

Für Fans von: Jurassic Park, Dino Crisis, Predator, FarCry

Turok - die Action Figur

About The Author

Leave a Reply

Your email address will not be published.