Die Basketballsimulation NBA 2K12 glänzt mit inneren und äußeren Werten - ist aber nix um einfach "kurz mal reinzugucken".

In der NBA Saison 2012 kam es zu heftigen Streitigkeiten zwischen der Spielergewerkschaft und den Teambesitzern. Durch den Spielerstreik fielen alle für November angesetzten Spiele aus, erst vorletzte Woche wurde sich endlich auf ein neues Vertragswerk geeinigt. Somit ist NBA 2k12, welches bereits im Oktober erschien, ein perfektes Surrogat für diejenigen ist die die NBA im TV oder Online vermisst haben. Aufgrund der eigenen Unkenntnis der Materie konnte ein Gastspieler für diese Kritik herangezogen werden, der selbst bisher nur die Basketballspiele von EA Sports kannte. Die Spiele der EA-Konkurrenz fallen jedoch deutlich Arcade-lastiger aus und mein Kumpel, selbst aktiver Feierabend-Basketballer und passiver NBA-Verfolger zeigte sich begeistert ob der Spieltiefe von NBA 2K12. Im Folgenden also ein Surrogat seines schriftlichen Feedbacks.

Bereits das Intro des Spiels hinterlässt einen stimmigen Eindruck: Eine oldschoolige Musik transportiert die Atmosphäre ebenso wie die eingspielten Highlights. Neu im Spiel ist der “NBA’s Greatest”-Modus, in dem historische Teams von den 60ern bis zu den 90ern gespielt werden können. Diese werden bereits im Intro gezeigt und man freut sich bereits darauf, mit Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird spielen zu können, die auch ich noch aus der Zeit der Ninja Turtles und Starter-Jacken kenne.

Was auf den ersten Blick bereits auffällt: Das Spiel nimmt den Simulationsgedanken ernst. Das Gameplay aber auch das “Broadcasting” – (Kommentatoren und virtuelle TV-Übertragung) zielt auf Realismus in den kleinen Details ab: Kommentatoren, Stadionatmosphäre und Einlaufszenen der Starting 5 kommen absolut glaubwürdig rüber. Die Highlights eines jeden Drittels werden in vertretbaren Dosen wiederholt. Eine Halbzeitanalyse gibt es ebenso wie die Vorstellung des MVP (Most Valuable Player) am Ende des Spiels, dessen Highlights man sich dann auch noch ansehen kann. Das ist zwar eher nettes Beiwerk, aber vor allem dann eine wahre Belohnung, wenn man ein Spiel erst nach harter Arbeit gewonnen hat.

A propos harte Arbeit: Das Spiel und dessen Steuerung ist für Anfänger (oder EA-Sports Konvertiten) harter Tobak. Ähnlich wie bei PES spiegelt sich der Grad an Spieltiefe (v.a. strategischer Natur) auch in der Steuerung wieder. Selbst in der einfachsten Schwierigkeitsstufe ist mein Testspieler mit Basketballerfahrung mit 8 Niederlagen in Folge gestartet. Eine derartig Frustration spornt denjenigen an, der es wissen will – die vielseitige Steuerung bedingt eine steile Lernkuve und dementsprechend wird man von Spiel zu Spiel besser – und selbst erspielter Fortschritt ist natürlich der allerbeste. Netterweise hat man aber zu keiner Zeit das Gefühl, an einem “God-Mode” der KI zu scheitern, sondern ist sich immer bewusst, welchen Fehler man begangen hat, der für den unvorhergesehenen Konter gesorgt hat. Nach der bitteren Einsicht hat sich denn mein Kumpel auch im “Traninigslager” von historischen Stars wie Michael Jordan, Pete Maravich und Anderen Dribbeln und Werfen beibringen lassen.

Es hilft: MJ sei Dank kam im neunten Spiel zwar eine Niederlage zustande, diese aber in der Verlängerung. Gefolgt von einem hart erkämpften Sieg mit einem Punkt Unterschied – da sieht man sich im Anschluss auch gerne die Highlights des MVP an! Das Spiel bleibt weiterhin nichts für Weicheier: Einerseits muss man sehr viel Fingerfertigkeit an den Tag legen, es wird einem nichts geschenkt, viel mehr muss man die Stärken und Schwächen der verschiedenen Akteure auf dem Parkett identifizieren und für sich nutzen. Darüber hinaus wird eine intelligente Spielweise belohnt. Also die, bei der man die Übersicht hat, den sich freilaufenden Mitspieler zu erkennen und anzuspielen. Team-Basketball wird belohnt und Ego-Gezocke auf Dauer bestraft. Wer nur den ballführenden Spieler im Blick hat, sieht nicht, was wirklich auf dem Feld geschieht. Taktische Spielzüge werden auf Wunsch visualisiert, wobei die vier Anspielpartner mit Kurzversion des möglichen Spielzugs eingeblendet werden. Die Visualisierung muss im Spiel aktiv eingeschaltet werden, Strategiefüchse können im “Playbook” bestimmte Spielzüge auch pro Spieler ein- oder ausschalten und die möglichen Figuren der eigenen Spielweise entsprechend anpassen.

Hinzu kommen realistische Verletzungen, Erschöpfungserscheinungen und die Möglichkeit, als Coach währen der Timeouts ins Spielgeschehen durch Schnelltaktiken einzugreifen. Wem das zu viel wird, der kann derartige Einstellungen auch die KI erledigen lassen, was übrigens sehr intelligent und passend geschieht.
Alle Spieler sind realistisch und flüssig animiert, inklusive individueller Stärken und Schwächen. Distanzwürfe und Dunking sind den realen Personen täuschend echt nachempfunden. Hier muss man der 2K Scouting Arbeit Respekt zollen: Als NBA-Fan erkennt man die Freiwurfroutine von Kobe Bryant, den Jump-Shopt von Carmelo Anthony, das Beidhändige Dunking von Tim Duncan oder den typischen Floater von Rajon Rondo sofort, hier ist das NBA im Titel nicht nur verkaufsfördernde Lizenz. Hinzu kommen Details der Spieler, die nicht unbedingt mit Ballbesitz zu tun haben: z.B. ein Paul Pierce, der sich über ein begangenes Foul ärgert oder die sonorige Bass-Stimme eines Kevin Garnett, mit der er Anweisungen an seine Teammates gibt. Viel Liebe zu den kleinen Details, wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen, nimmt man aber natürlich gerne mit.

Ein weiteres Features, das mein Kumpel erwähnenswert hielt: “My Player”. Mit dem eigens erstellten Spieler beginnt man als Rookie eine NBA-Karriere: Neben einem realistischen Interview mit potenziellen Interessenten und den darauf folgenden Vertragsverhandlungen muss man sich in der Profiliga beweisen, und sich im eigenen Team durch konstante Leistung bis in die Startaufstellung spielen. In einem Interview wird man dann bspw. vom Besitzer der New York Knicks gefragt, wie man denn mit dem Medienrummel in Manhatten zurecht komme – nice; Das Spielen des My Player Modus ist simpel aber herausfordernd. Mit jedem absolvierten Spiel gibt es Bewertungspunkte von den Mitspielern, wobei es auch Negativpunkte für eigensinniges Spiel oder Fahrwürfe gibt. Mit diesen gesammelten Punkten kann man sich dann Fähigkeiten dazukaufen oder die eigene Charakterpunkte durch Trainingseinheiten mit Legenden verbessern. Alles in allem ist es eine Abwechslung zum “normalen” Gameplay, mit denselben Features wie oben beschrieben, mit dem Unterschied dass man nur den einen Spieler steuert.

Dann ist da noch der bereits in der Einleitung erwähnte “NBA’s Greatest mode”: Nostalgie pur. Man kann in die Haut der 84er Celtics oder der 70er Lakers schlüpfen! Neben der Spieler die wieder mit sehr viel Liebe zum Detail nachempfunden wurden, macht es einfach riesen Spass zu sehen wie die TV-Übertragung umgesetzt wurde. Die Schriftzüge, Bandenwerbung, selbst die Spielstände, die auf dem Bildschirm zu sehen sind, entsprechen den Jahren der Teams, die man Spielt. Die 60er Celtics spielt man beispielsweise in Schwarz-Weiß und einer Ovalen Braunschen Röhre Spielen! Es gibt 15 dieser Legenden-Teams, die man sich durch Siege in Entscheidunsspielen freischalten kann. Im “Association”-Modus ist man Manager einer Mannschaft und verantwortlich für Finanzen, Spielerverträge, Spielerverpflichtungen, Nachwuchsarbeit und so weiter. Man kann sich auch für den Doppelweg entscheiden und das Team einerseits managen, dann die Spiele aber nicht simulieren lassen, sondern selber spielen. Der “NBA Blacktop”-Modus kommt zu guter Letzt einem EA-Sports-Spiel am nächsten: Einfach mal abschalten und ein paar Körbe mit einem Kumpel werfen: 5 gegen 5 auf dem Asphalt einer Amerikanischen Großstadt mit stimmiger Musik im Hintergrund.

Bei so Vielem und soviel detailliertem Lob fielen denn doch einige Details auf, die meinem Kumpel nicht ganz gefielen: So fand er das Menü etwas gewöhnungsbedürftig, gerade weil einige Funktionen etwas versteckt sind. Das “Trainingslager” sei zwar sehr hilfreich aber verbesserungswürdig, da einem ein Weg diktiert wird, nach dem die verschiedenen Übungen zu absolvieren sind. Während des Spiels werden zu selten Statistiken angezeigt. Punkteführer, Rebounds etc. – für Basketballfans sind solche Dinge ein Muss. Und wie bei Sportspielen üblich: Die Kommentatoren sind mit der Zeit einfach nur noch nervig und werden abgestellt. Außerdem ist die Lokalisierung nicht ideal – Viele Fachtermini werden unnötigerweise ins Deutsche übersetzt – so hat mein Kumpel lieber auf Englisch weiter gespielt, weil manche direkten Übersetzungen eher verwirrten als Klarheit schufen. Last but not least, aber das dürfte eigentlich allen klar geworden sein, die bis hierhin gelesen haben: Dieses Spiel ist weder für Anfänger noch für Spieler ohne Basketball-Kenntsnisse geeignet. Daher sagen ich mal, ohne es abwertend zu meinen: Genau das Richtige für NBA-Fanaten und solche, die es werden wollen.

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2 Responses

  1. Sebastian

    Wer Nachhilfe nicht gerade von der Basketballlegende Michael Jordan, sondern von einer neuen innovativen Nachhilfe-Plattform beziehen möchte – natürlich eher auf schulische Fächer fokussiert – …
    schaut gerne bei uns vorbei: http://www.nachhilfe-team.net 🙂

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  2. Schauermann

    Nachhilfe von Basketballlegende Michael Jordan ist bestimmt sagenhaft – sollten Sie hervorragende Nachhilfe in schulischen Fächern benötigen, beispielsweise für das Fach Mathe, empfehle ich Ihnen die Firma https://www.teachback.de . Über TeachBack finden Sie für jedes Fach einen passenden qualifizierten Nachhilfelehrer!

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