Nachfolger der famosen Comic-Umsetzung

The Darkness ist nicht nur der Name einer schrecklichen Rock-Band, sondern vor allem auch der einer Comicserie und der dazu gehörigen Videospiel-Umsetzung. Der erste Teil des Spiels, der vor etwa fünf Jahren erschien, war fürs Genre der Horror-Ego-Shooter eine Offenbarung. Wo bisher mit einer Aneinanderreihung von Schock-Effekten Spielern die Nerven strapaziert wurden, war plötzlich eine plausible Geschichte mit einem Protagonisten, in dessen Haut man gerne schlüpfte. Obwohl, oder gerade weil Jackie Estacado, der junge Mafia-Killer auch eine dunkle Seite hat…

An seinem einundzwanzigsten Geburtstag, kurz nachdem seine Freundin von Mitgliedern einer befeindeten Mafia Familie umgebracht worden war, erwachte in Jackie die Finsternis. Mit der Finsternis wuchsen ihm zwei Tentakel aus den Schultern und eine Horde Finsterlinge, kleine Kobolde, waren fortan an seiner Seite. Seither ist Jackie Estacado ein zwiegespaltener Mensch – auf der einen Seite ist es die ohnmächtige Trauer über den Verlust seiner Freundin, auf der anderen Seite beherrscht ihn die Finsternis und flüstert ihm dunkle Rachegedanken ein…

Im zweiten Teil von The Darkness wird die Geschichte von Jackie Estacado weitergesponnen. Immer noch entspringt die Spannung dabei aus den Einsichten in Jackies Seelenleben und den Passagen, in denen er der Finsternis freien Lauf lässt um seine Gegner zu vernichten. So wechseln sich Rückblicke, Traumsequenzen und Jackies Monologe mit Action-Sequenzen ab. Hier sind es dann in erster Linie die Tentakel und die Finsterlinge, die das Gameplay bestimmen. Der eine Fangarm dient dem Greifen und mit dem anderen kann man zuschlagen. Verschiedene Kampfkombinationen werden damit möglich. Gegner lassen sich schnappen und dann entweder mit der Schusswaffe erledigen, von den Kobolden angreifen, oder in der Luft zerreissen, bis schließlich die Finsternis die Herzen der Opfer herausreisst und verspeist. Wie gesagt, Jackie Estacado ist eine tragische Figur…

Mehr noch als der erste Teil bezieht sich die Fortsetzung grafisch auf die Comic-Vorlage. Die meisten Texturen wirken handgemalt und die Figuren mit ihren comichaften Gangster-Visagen mit Cell-Shading bearbeitet und auch die intensive Farbpalette scheint direkt aus dem Comic übernommen.

Die Bedeutung des Multiplayer ist eher unter ferner liefen. In einer Art Survival-Modus geht es sehr linear durch Hinterhöfe, Schrottplätze und Friedhöfe. Dabei ist eine Anzahl Gangster zu erledigen und das nächste Tor zu öffnen. Freunde können in den Koop jederzeit einsteigen und wählen dafür einen von vier Stereotypen Action Charakteren mit eigenen Fähigkeiten und Waffentypen…

Während der erste Teil mit Jackies ziellosen Spaziergängen durch die Stadt und durch die U-Bahn eher einem Adventure glich und Jackies Zerrissenheit und Einsamkeit nachvollziehbarer machten, leiten jetzt die langsamen Passagen immer die nächste Ballersequenz ein. Die bringen zwar vor allem wegen der im Läufe des Spiels upgradebaren Fähigkeiten und ständig drastischeren Finishing-Moves immer Freude, verlaufen aber leider oft linear und vorhersagbar. Trotzdem ist The Darkness 2 ein würdiger Nachfolger, der wegen seiner gut erzählten Geschichte, der eindringlichen Präsentation und der oft überspitzten Darstellung im unübersichtlichen Feld der Ego-Shooter seinen Stil entwickelt hat…


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