Von Mythen und Monstern 2.0

Bereits in ersten Ankündigungen für das Nintendo 3DS waren Bilder von Kid Icarus- Uprising zu sehen, was im ersten Augenblick nur für verhaltenen Jubel sorgte. Dass der alte Held Pit nämlich nach über 20 Jahren eines Nebenrollendaseins in diversen Nintendo-Spielen wie Smash Bros. für ein eigenes Spiel reaktiviert werden sollte, brachte einige Risiken mit sich, nicht zuletzt weil Kid Icarus einer der klassischen 2D-Plattformer für NES und GameBoy war, auf den Bewegtbildern aber deutlich ein rasanter 3D-Shooter zu sehen war. Aber den Göttern sei Dank: Das Ergebnis kann auf ganzer Linie überzeugen.



Wie in den Vorgängern ist auch Uprising in einer von der griechischen Antike inspirierten Fabelwelt angesiedelt. Wir steuern den Engel Pit, ein Engel mit disfunktionalen Flügeln, auf seiner Mission gegen die Armeen der Unterwelt. Hierbei treffen wir auf allerhand kurios-skurrile Gegner, auch der berüchtigte Auberginenzauberer ist wieder dabei. Ebenso wie Paluntena, die aber nicht mehr zu rettendes Entführungsopfer ist, sondern als vorlaute Göttin Pit auf seiner Reise begleitet sowie in komischen bis albernen amerikanischen Dialogen die Story voranzutreiben. Länger als 5 Minuten dauert die fluggebende Kraft der unterstützenden Göttin aber nicht, weswegen sie den Engel schnell zum Einsatzort bringen muss, so die sympatische Begründung für die einen jeden Level einleitende, farbenfrohe Ballerei-Passage auf vorgefertigten Bahnen…

Nach der Landung folgt ein weitaus längerer Abschnitt auf Schusters Rappen, in dem 3D Shooter-typisch geballert und ausgewichen wird, nebenbei wollen Schätze und andere Geheimnisse entdeckt werden. Ein jeder Abschnitt endet in einem Bosskampf. Soweit, so typisch. Recht untypisch jedoch und ein wahrer Garant für das schöne Kriterium Wiederspielwert ist die Vielzahl verschiedener Waffenkategorien (Bögen, Krallen, Hände, Stäbe, Schwerter usw.), die sich in Reichweiten, Feuerfrequenzen, Zielfindung und Handhabung unterscheiden. Kunterbunt und phantasievoll – außerdem kombinierbar und in verschiedenen Stärken zu sammeln. Daneben existiert allerlei Vielfalt an freizuspielenden Extras, die immer wieder für Kurzweil sorgen. Erledigte Gegner geben Herzen von sich, mit denen weitere Waffen gekauft werden können und die für einen weiteren Twist sorgen: Vor einem jeden Level kann der Schwierigkeitsgrad auf einer Skala zwischen 1.0 und 9.0 eingestellt werden und man wirft Herzen in die Waagschale des Schicksals (heißt die so?). Je nach Stufe sind die Gegner härter und das Spiel schwieriger, dafür gibt es bessere Waffen und mehr Herzen. Geht Pit unterwegs doch einmal die Puste aus, verliert man die Hälfte der bislang gesammlten Punkte und macht auf einer leichteren Stufe weiter. Bei Stufe 2 ist das Spiel noch wenig fordernd, mein bisheriger Rekord für ein absolviertes Level 1 liegt bei Stufe 8 und das war wirklich knifflig – es geht also einiges.

An einen Mehrspielermodus, lokal wie über Internet wurde ebenso gedacht und als solches kommt das Spiel dann wie ein ausgewachsener 3D-Arena-Brawler daher, in zwei interessant designten Regelsets.
Das Spiel kommt aufgrund der grundsätzlich als umständlich kritisierten Steuerung übrigens mit einem eigenen 3DS-Ständer daher, den ich aber nicht benutzt habe, da ich einen Tipp aus dem Internet gefolgt bin und statt dessen die Daumenschlaufe, welche sich am Ur-DS (dem silbernen) befand, recyclet habe. So geht die Fadenkreuz- und Kamerasteuerung mit dem rechten Daumen nach etwas Eingewöhnungszeit äußerst komfortabel von der Hand; wenn hierfür der Touchpen verwendet werden soll, kann ich mir allerdings vorstellen, dass der Plastikständer hilfreich ist.

Die AR-Karten habe ich bisher noch nicht ausprobiert, auch die StreetPass-Funktion (man kann über diese Waffen mit Anderen tauschen) habe ich nur rudimentär genutzt. Neben einem wirklich gut designten Spiel, welches zeigt, das Action auch abseits von Militärklischees funktionieren kann bekommen wir mit Kid Icarus jedoch auch eines der bestaussehendsten Spiele der noch frischen 3DS-Bibliothek. Grafik und Art Design können nur als erstklassig bezeichnet werden, der Umfang ist riesig, der 3D-Effekt Musik und Aufmachung sind ebenfalls von hohem Niveau, womit das Spiel insgesamt einen wirklichen Tipp darstellt.

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