Hitman: Absolution - Schleich Dich!

Die Hochzeit der Schleich-Spiele ist wahrscheinlich vorbei. Trotzdem haben Spiele, wie Thief, Splinter Cell und eben auch Hitman nachhaltige Spuren in der Welt der Videospiele hinterlassen. Vor allem führten sie eindrücklich vor, wie es für eine gegebene Problemstellung mehrere Lösungswege geben kann. Im Gegensatz zu anderen Open-World Spielen, in denen oft die räumliche Ausdehnung im Vordergrund steht, ist es in diesen Stealth-Games eher eine spielerische Freiheit, also eine Auswahl an Möglichkeiten, um ein Level abzuschließen. Grundsätzlich sind das immer erstmal zwei Herangehensweisen: Die Hau-Drauf Methode für ungeduldige Zeitgenossen und eben die Stealth-Variante, bei der es entscheidend ist, erst einmal die Situation zu erfassen und beispielsweise eine Zielperson und ihr Verhalten auszuspionieren und dann im richtigen Moment zuzuschlagen und zu entkommen.

Auch im neuen Hitman: Absolution von IO Interactive, auf das die Fans einige Jahre warten mussten, folgt man wieder diesem Schema. Im Mittelpunkt der Reihe steht immer noch der kahlköpfige Auftragskiller Agent 47 mit dem Barcode im Nacken und dem blutroten Schlips. Der in der Einführungssequenz erteilte Auftrag, eine ehemalige Kollegin und jetzt scheinbare Überläuferin zu töten, verstrickt 47 in ein Netzt von Verrät und Korruption und wirft die Frage auf, was er, bzw. der Spieler, eigentlich für ein unmoralisches Kollegenschwein ist.

Während man beim Gung-Ho schnell merkt, dass man gegen die Überzahl der Gegner relativ machtlos ist, entfaltet auch Absolution seine Blüte erst richtig, wenn man langsam spielt und beispielsweise früh einen Wachmann ausschaltet, die Leiche verschwinden lässt und sich dann in der Wachmann-Uniform ins Geschehen mischt. Nur so kann man sich einen Überblick im Level verschaffen. Diese Momente gehören zu dem Spannendsten, was Stealth-Spiele bieten. Man bewegt sich vorsichtig an Wachen vorbei, mischt sich unter die Stadtbevölkerung und saugt die Atmosphäre einer Szene auf, bevor man zum Kill ansetzt. Besonders beeindruckend sind dabei die Situationen mit vielen Personen, beispielsweise auf einem Chinesischen Markt, oder einem Bahnhof, oder in der Table-Dance Bar. Es macht Spaß, einfach das Treiben zu beobachten und einen Lösungsweg zu finden. Besonders originell und beispielhaft für die Moralfrage in Absolution ist der Level auf dem Schießstand. Die Waffenhuldigung als Männlichkeitsritual wird hier groß geschrieben und der Lösungsweg, an seine geliebten Doppelpistolen zu kommen, führt 47 ans gegenüberliegende Ende der Shooting-Range und damit in die bedeutungsschwangere Position, in die andere Richtung zu schießen…

Um Wachen zu verwirren, ist zum Beispiel das Werfen von Flaschen, oder anderen Gegenständen ein Standard-Ablenkungsmanöver. In anderen Situationen kann man den Gangster-Boss durch das Auslösen seiner Auto-Alarmanlage heranlocken und dann bequem aus der Entfernung den Sprengsatz zünden. Wieder eine andere Möglichkeit ist das Verstecken hinter einem Vorhang und der Meuchel-Kill gerade in dem Moment, in dem der Bösewicht zum Schäferstündchen mit einer Nutte ansetzt. Die Vielfalt der Möglichkeiten, einen Auftrag auszuführen, wird vor allem deutlich, wenn man ein Level mehrfach angeht und darauf abzielt, in der Abschlussbilanz alle Möglichkeiten entdeckt zu haben und dafür Punkte zu kassieren. Dieses Wettbewerbselement spielt auch eine Rolle im sog. Contracts-Modus. Hier können Spieler für andere Spieler innerhalb eines Szenarios Zielpersonen, Waffen und Fluchtwege für einen Auftrag vorgeben und dann online Bestenlisten und Punkte vergleichen.

Auch wenn die Aneinanderreihung der einzelnen Level und die Filmsequenzen mit ausdrucksstarken Gangstervisagen machmal nicht so ganz schlüssig sind und man teilweise nicht genau weiss, wen man jetzt warum umlegen soll, ergeben sich immer wieder starke Szenen. Vor allem ist es erstaunlich, dass Agent 47 sowohl als Koch, als Polizist, als Pfarrer usw. immer extrem bedrohlich aussieht und es viel her macht, einfach mit gezogenem Messer einen Hotelflur entlang zu gehen. Schade, dass es nicht gelungen ist, die aktuelle Verkleidung nach einem Kill in die jeweils folgende Filmsequenz zu übernehmen. Da entsteht dann immer ein etwas verwirrender Bruch. Ausserdem ist natürlich die Problematik aller Schleichspiele, eine realistische KI zu programmieren ein möglicher Kritikpunkt. Selbst, wenn alle Gegner aufgescheucht sind, kann man sich im Schrank verstecken und abwarten und dann weiter meucheln….What ever!? Ein tolles, stimmungsgeladenes Spiel, das vor allem auch gut wirkt, weil es nicht für den Deutschen Markt lokalisiert wurde und die Dialoge viel Roadmovie-Gangsteratmosphäre vermitteln.

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