Nintendos Wii Fit und das Balance Board

Wenn man schon länger nach Innovativen Ideen auf dem Videospiele Markt gesucht hat, schien man ja bekanntermaßen in der letzten Zeit bei Nintendo ganz richtig zu sein. Alles läuft blendend beim ehemaligen Spielkarten-Hersteller und sogar die FAZ-Leser wissen inzwischen, wer Miyamoto ist.
Die neuen Wege, die Nintendo bei der Einführung der Wii und den scheinbar revolutionären Fernbedienungscontrollern beschritten hatte, erwiesen sich als goldrichtig und auf ihrem Handheld DS wurde praktisch en passant mit einem knobeligen Gehirntrainer, wie sie in Buchform zuhauf bleischwer in den 99Cent Paradiesen herumliegen, eine Tür ins Bildungssegment aufgestoßen – und jetzt wollen die Japaner mit Wii Fit und dem dazugehörigen Balance Board, das extrem an eine Personenwaage erinnert, auch noch in den Fitness- und Health-Bereich vordringen? Ist das nicht alles uralter Wein in zugegebenermaßen gut designten Schläuchen?

Wii Fit Balance Board

Versuche, den ganzen Körper zum Steuern eines Spiels einzusetzen und auch die Idee, Fitness als Spielinhalt dem Konsumenten näher zu bringen gibt’s schon lange. Tanzmatten und EyeToy werden sowohl unter dem Aspekt der innovativen Steuerung, als auch immer gegen das Vorurteil des Gamer-Couchpotato ins Feld geführt. Eine Waage, das eher unsympathische Kontrollinstrument, das außer bei den Weight-Watchers wohl kaum für Geselligkeit sorgen dürfte, scheint als Gamecontroller aber erstmal unvorstellbar.Allerdings: Bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass das Balance Board natürlich mehr ist, als eine Waage. Zwar suggerieren das Aussehen und der Titel Wii Fit diese Assoziation, aber gleich beim ersten Betreten (ohne Schuhe) wird klar, dass mehr passiert, als dass nur das Gewicht ermittelt wird.

wii-fit-centre-of-gravity

Das Board besteht aus zwei druckempfindlichen Platten und auf dem Bildschirm wird der je nach Körperhaltung und Beinbelastung unterschiedliche Druck auf die Platten durch zwei Punkte angezeigt. Aus diesen beiden Werten ergibt sich der Körperschwerpunkt. In einer Art Kalibrierung gilt es dann, das Gewicht auf beiden Füßen so zu verlagern, dass die Punkte innerhalb eines kleinen Zielquadrates liegen. Das ist gar nicht so einfach und durch das ungewohnte Verlagern des Gewichtes in Ferse bis Zehenspitzen folgen Beine und Oberkörper in etwas ungelenker Art, aber dann: Tatsächlich, man kann die beiden Punkte auf dem Screen mit seinen Füßen relativ präzise steuern!

wii-fit-weight

Aus diesen Funktionen zusammen mit der Waage ergeben sich natürlich Möglichkeiten, die Nintendo im zugehörigen Titel Wii Fit ausnutzt. Im Vordergrund steht dabei dieser Heimtrainer-Gedanke, mit einem Gerät eine möglichst große Anzahl an Übungen machen zu können. Das kennen wir aus dem Fernsehen und sind erstmal skeptisch, welche Workouts, außer Steppen hier gemacht werden sollen.

wii-fit-triangle

Nachdem man seinen BMI bestimmt hat und in Kawashima-Manier ein angenommenes Körperalter bestimmt wurde, kann man sich zusammen mit seinem Personal Trainer dann einen Fitness-Plan zusammenstellen und sieht sich schließlich den verschiedenen Übungen aus den Bereichen Aerobics, Yoga und Muskelbewegung gegenüber. Der Yoga- und Muskelübungsbereich werden dabei präsentiert, wie andere Produkte aus der Health Branche. In leichten Joghurette-Farben und mit drahtigen Fitness-Trainern, die auf dem Bildschirm die Übungen vormachen, wirkt dieser Teil doch etwas gewollt. Man könnte zweifeln, ob die abgebildeten Übungen zuhause beim Nachturnen zum gewünschten Ergebnis führen. Dieser Kritik müssen aber alle Hometrainer stand halten und im Endeffekt kommt es natürlich auf den Benutzer an, der mit dem Board und dem Wii Mote-Controller zusammen durchaus messbare Bewegungen machen kann.

wii-fit-table-tilt

Glücklicherweise sind da noch die anderen Disziplinen, die durch Einbindung unserer lustigen Miis ein bisschen fluffiger präsentiert sind. Da joggt man durch den Park und winkt den anderen Miis zu, oder fängt mit dem Oberkörper zugeworfene Hoola-Hoop Ringe auf. Hier und im Bereich der Balance-Spiele ahnt man die Richtung, in der neue Spiele stattfinden könnten. In einem Spiel geht es bspw darum, auf einer Art Teller Kugeln hin und her zu balancieren und in Löcher zu versenken. Toll ist aber auch der Ski-Slalom, oder das Ski-Springen, bei dem man aus einer Hock-Stellung beim Absprung sofort in eine gut balancierte Zehenspitzenposition überwechseln muss um möglichst weit zu fliegen.

wii-fit-penguin-slide

Bei den Fitness-Übungen beschleicht einen das Gefühl, dass es so sein wird, wie mit den unzähligen anderen guten Gesundheits-Vorsätzen, die in Kellern oder auf Dachböden ihr Dasein fristen. Aber das Balance Board wird hoffentlich nicht so schnell eingemottet. Die Innovation besteht also doch weniger darin, das Thema Fitness mit Heimkonsole in Verbindung zu bringen, als vielmehr ein neues Interface in die Unterhaltungselektronik einzubringen, bei dem man nicht an Liegestütze, sondern an Ski-, Skateboardspiele und an den nächsten Teil von Super Mario Galaxy denken sollte, bei dem man dann hoffentlich mit dem Balance Board durchs All surfen kann.

wii-fit-swowboarding

About The Author

2 Responses

  1. Michael

    Ich _muss_ meinen Bauch wegkriegen. Deshalb nach ausgiebigem Test: mit Disziplin und langen Übungen kann man das schaffen. So sollte man mindestens 3 x hintereinander die 10 Minuten beim Step- Boxen machen, dann wird auch ordentlich Fett verbrannt. Vorher schön dehnen mit Yoga, ein paar unterstützende Kraftübungen dazu. Zum Schluß hat man sich dann auch die Balance- Spiele verdient.

    Aber die höchste Motivation ist es doch, meine Frau beim Skispringen zu schlagen 😉

    lg, Michael

    PS: ich trainiere jeden 2. Tag für eine Stunde

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published.