Mein Leben als Farbklecks

Lange Zeit haben Besitzer der Wii-Konsole nach der großen Minispiel- und Casual-Welle auf “richtige” Spiele warten müssen. Etwas zu Unrecht, wie die Nintendo-eigenen Bonbon-Brands Super Smash Bros. oder Mario Kart beweisen, in Angesicht von spielerischen Schwergewichten à la GTA IV auf den Konkurrenzkonsolen sind diese jedoch offen gestanden Peanuts, so gerne man die Wii auch hat. Außerdem wurde der weiße Kasten die letzte Zeit über in erster Linie wegen Wii Fit oder Sport-Spielereien wahrgenommen, wahre Schwergewichte wurden rar.

Das als Studentenprojekt in Utrecht erstmals entwickelte Spiel de Blob sorgt nun für einen weiteren Titel, der in der Filmkritikwelt sicherlich das Prädikat “wertvoll” kassiert hätte (als einziges anderes Spiel fällt mir da der leicht untergegangene Puzzle-Sommerhit “BoomBlox” von EA ein): Ein nettes und dank großer Abwechslung auch recht umfangreiches Spiel rund um einen quietschfidelen Farbklecks. Das de Blob bereits mit Vorschuß-Lorbeeren gesegnet wurde stimmt zwar vorsichtig, wer jedoch die unter oben angegebenem Link herunterladbare Original-Fassung kennt, wird positiv überrascht sein: Das Fullprice-Produkt ist super geworden, Style und Stimmung stimmen!

Die Rahmenhandlung wird eingangs fix über kleine Render-Trickfilmchen erzählt: Graue Herren (die sog. INKT) haben mithilfe von kleinen Krabbel-Staubsaugern die Farbe aus der Welt gesaugt. Als Farbklecks liegt es nun an uns, durch die Gegend zu kugeln (äh, wobei: können Kleckse kugeln?) und alles wieder schön bunt zu schmieren. Nicht ohne Unterstützung eines weisen Professors und einiger Support-Charaktere, natürlich. Sieht gut aus, macht Spaß und die schön relaxt-jazzige Hintergrundmusik variiert je nach Schmierleistung in Instrumentierung und Fülle: Ein feines Detail.

Die Grafik ist zweckmässig rund und großflächig gehalten, was aber im ästhetischen Universum alles andere als negativ auffällt. Rollen wir über einen der eingangs erwähnten krabbelnden Farbcontainer, wechseln wir die Farbe, durch Kontakt mit zweien können wir Komplementärfarben erreichen. Zahlreiche Sub-Ziele, Muster, Musiken und ähnlicher typischer Schnick-Schnack kann freigspielt und sogar editiert werden, so dass das Farbgerolle auch beim x-ten Durchgang noch Spaß macht. Ein Mehrspieler-Modus mit verschiedenen Aufgabenmustern und die in ihrer Reduziertheit doch immer wieder Abwechslung bietenden Aufgaben sind da die legendären I-Tüpfelchen. Alles in allem wird de Blob wohl ein Geheimtipp bleiben, den man jedoch nicht verpassen sollte, wenn man mal wieder nach einem guten Grund sucht, die Wii einzuschalten. Es sei denn, man leidet unter akuter Farballergie.

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