Wo ist nur die Prince of Persia-Atmosphäre geblieben?

Was wurde nicht im vorhinein gestaunt über den Grafikstils des neuen Ablegers von “Prince of Persia”. Nachdem die letzten Ableger der Serie weder spielerisch noch ästhetisch an das weiterhin famose “Sand of Times” herankamen wurde dem Publikum spätestens ab der E3 der Mund wässerig gemacht mit dem neuen illustrativen Stil der PoP-Marke, der uns auch im fertigen Produkt nicht enttäuscht: Das ganze Spiel sieht einfach märchenhaft aus, die Figuren wie gezeichnet, die Hintergründe fein modelliert und in Bewegung alles flüssig. Der Prinz hat im neusten Teil eine weibliche Begleiterin an seiner Seite, die über alles etwas besser Bescheid weiß als der eigentliche Held des Spiels, womit für mich persönlich die Probleme beginnen.

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Der Prinz selbst ist nämlich blöd bis peinlich. Von seinen Nachfragen über seine Intonation bis zum Verhalten: Da ist nicht viel übrig geblieben vom dunklen Charakter der Vorgänger bzw. vom ironischen Geschichtenerzähler in Sands of Time. Die häufigen und leider meist misslungenen Slapstick-Einlagen zerstören die von der Grafik angedachte traumhafte Atmosphäre leider immer wieder. Elika, sein weiblicher Counterpart dagegen ist mutig und nie um eine Antwort verlegen, gleichzeitig fungiert sie jedoch als Stichwort-Geberin und leitet den Prinzen an, woher dieser zu springen hat, was nicht gerade zur Atmosphäre beisteuert. Auch ist sie Netz und doppelter Boden für den Tölpel: Springen wir zu kurz, rettet sie uns vor dem Absturz. Die Frage stellt sich mir, warum ich überhaupt den Prinzen steuern soll, wenn sie doch a) alles weiss und b) sehr viel besser unterwegs zu sein scheint als der eigentliche Held des Spiels.

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Die teilweise absurden Spring- und Klettergerüste, die die Level bereithalten kennen wir bereits aus den vorigen Teilen. Da wir jedoch kaum sterben können bzw. alle misslungenen Sprünge sogleich wiederholen können, gibt es keinen merklichen Schwierigkeitsgrad und somit leider auch nur wenig Herausforderung, die mich als Jump’n Run-Freund länger am Joypad hält. Zu vorhersehbar außerdem die Geschichte, das Licht wieder zurück in das von einer dämonischen Kraft verdunkelte Königreich zu bringen. Ich hätte gerne besser über das Spiel geschrieben, gerade weil die Grafik wirklich traumhaft ist. Angesichts des läppischen Schwierigkeit, der einen selbst in Kämpfen kaum sterben lässt und des daraus resultierenden drögen Gefühls, kaum mehr als ein grandios illustriertes, interaktives Märchenbuch mit platter Story vorhersehbaren Verlauf zu erleben, hat mir die persönliche Enttäuschung des Weihnachtsgeschäfts beschert.

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