Noch ein Halo3!

Bis heute konnte ich mir nicht merken, wofür das ODST nochmal stehen soll, irgendwas mit Trooper oder so wird es wohl gewesen sein. Mit gerade dieser kryptischen Abkürzung wird die Triologie aus dem Halo-Universum also in eine Extrarunde geschickt, die nach dem Echtzeitstrategie-Spinoff “Halo Wars” vorerst die Manpower von Bungie binden sollte. Den Spieler erwarten gleich 2 DVDs in der Verpackung. Eine enthält die neue Kampagne, die zweite den Multiplayer-Modus, der gegenüber Halo3 mit einigen Zusatzkarten ausgestattet wurde und somit als “komplett” beworben wird.

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Für mich persönlich ist Halo von Anfang an eine Hassliebe gewesen: Kaum eine andere Shooter-Serie auf Konsole lässt sich so gut steuern, das Handling ist nahe an der Perfektion. Und auch der letzte Teil bietet jenes herrliche Scripting, das immer wieder für absurde Situationen sorgt: Sobald etwas mehr Raum zur Verfügung steht und die sonderbar schwammigen Gefechts-Fahrzeuge ins Spiel kommen, fliegen einem gummiartig Wracks und bereits geröstete Ausserirdische um die Ohren. Die Physikengine lädt zum Popcorn-Munchen, gerade zu ein, auch wenn man zum zwanzigsten Mal einen Abschnitt von vorne beginnt weil man wieder unter die Räder gekommen ist. Der Schwierigkeitsgrad bleibt aber fair und lässt sich gegebenfalls auch zum Spaziergehen einstellen und ein absoluter Glanzpunkt: die Musik. Der Soundtrack von ODST gehört zu dem Besten, was ich seit Langem in einem Spiel hören durfte – nah am Geschehen, episch und trotzdem reduziert, mit immer wieder langen Ruhephasen.

Der Liebeserklärung folgen nun aber die Punkte, für die ich Halo nicht so gerne mag. Da wäre die Übersetzung, die schon seit Anfang der Serie ein Schwachpunkt der Spiele darstellten. Häufig genug erwischt man sich beim Stirnrunzeln und liest sich Erklärungen, die das Spiel voranbringen sollen, noch einmal durch. Den schlimmsten Schnitzer ließ Microsoft/Bungie sogar per großem Banner ausmerzen: Im Spiel war die Erklärung zu einem Achievement wegen der misverständlichen Übersetzung von “Round” in “Magazin” statt “Runde” nicht mehr verständlich gewesen. Es scheint fast, als ob die Texte schlichtweg nicht von Muttersprachlern geschrieben werden. Klein geschriebene Substantive und verwurschtelt erklärte Sachverhalte sorgen gerade in den ersten Stunden ODST oft für Verärgerung. Ein anderer Schnitzer im ansonsten über viele Zweifel erhabenen Gamedesign betrifft die letzte Neuerung, einem VISR genannten Grafikfilter, der im dezenten Nachtsicht-Grün Freund und Feind mit grünen und roten Umrissen versorgt. Als ich mit einem Freund das erste Level anspielte, rannte er relativ orientierungslos im Kreis herum. Auf mein Anraten, die Rot schimmernde Tür zu öffnen meinte er nur “witzlos, ich hab ‘ne rot-grün-Schwäche” – für den armen ist somit das gesamte Spiel “witzlos”, Puzzlespiele haben dafür einen “Colorblind”-Modus. Das aber nur am Rande.
Der letzte Punkt auf meiner Mängelliste ist dafür aber wieder ein richtiger und hat mit der bereits angesprochenen, verkorksten Übersetzung zu tun: Die Story. Geht nicht.
Gut, das Halo-Universum mit dem Alter Ego “Masterchief” war schon seit dem ersten Teil Schauplatz längst vergessen geglaubter Machismen und eines sonderbaren Heroismus. In erster Linie sind es die einen begleitenden Kollegen, äh Kameraden, die mit ihren Standard-Sätzen für Stimmung sorgen. Aber auch die Zwischensequenzen strotzen nur so von Plumpheit. Weniger mit der Serie vertrauten Spielern bleiben viele Anspielungen schlichtweg verborgen, was wiederum an der Übersetzung liegt – auch wechselt während des Handlungsstrangs pro Kapitel das zu steuernde Alter Ego, wodurch die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt wird, was dem Storytelling jedoch leider nicht zuträglich ist. Von einer Story à la Bioshock bleibt das Game schlicht meilenweit entfernt.
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Was also unterm Strich bleibt, ist das, was auch schon im “ersten” Halo3 nahezu perfekt war: Multiplayer, Steuerung, Gameplay, Physik und die Ausgestaltung der klanglichen Kulisse. Ich bin gespannt, was Entwickler Bungie als nächstes machen wird, angesichts der Tatsache, dass die Halo-Trilogie nun wirklich bis zum Anschlag ausgereizt ist.

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