Autorennen - Die Zweite

Sprungschanzen? Bei Need for Speed? Äh, nein, eigentlich nicht. Vielmehr geht es darum, mit allen vier Rädern immer schön auf den Asphalt zu bleiben und sein Drehmoment optimal zu übertragen. Das ist anfangs ganz schön schwierig und die größeren PS-Schleudern sind für ungeübte Fahrer eher unbrauchbar, weil man sich mit denen so über die Fahrbahn bewegt, wie die Kuh übers Eis– trotz angezeigter Ideallinie und Bremshinweisen. Zum Glück beginnt man ganz unten bei Need for Speed Shift – mit einem Golf bestenfalls und einem Quantum Optimismus, denn zuerst mal kann man froh sein, überhaupt über die Runden zu kommen und nicht aus jeder engeren Kurve rausgetragen zu werden und sofort gegen die Bande zu knallen.

Need for Speed Shift

Die Steuerung ist im Vergleich zu anderen Rennspielen [sic!] nämlich extrem sensibel, so dass das Bewusstsein für Gas und Bremse wieder antrainiert werden muss. Feingefühl ist dann gefragt beim Beschleunigen und Abbremsen mit den beiden Triggern am Controller, die nicht einfach so betätigt werden, sondern ganz sachte  gezogen werden müssen, aus der Kurve heraus zum Beschleunigen.
Das Fahren lernt man am besten erstmal in den Duellen, in denen man gegen einen anderen Wagen antritt und entweder als Angreifer, oder als Verteidiger zwei von drei Rennen gewinnen muss. Neben dem Gefühl für unterschiedliche Fahrphysiken unterschiedlicher Wagen erhält man aus diesen Rennen auch die ersten Credits für Aggressivitäts- und Präzisionspunkte. Gewertet werden dabei Fahren auf der Ideallinie, Durchqueren von Kurven im vorgegebenen Sektor, perfekter Start mit optimaler Motordrehzahl und auf der Aggressionsseite das Fahren im Windschatten, Wagenkontakte und ausgebremste Gegner.

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Außerdem gibt’s für Podiumsplätze und hohe Punktzahlen noch Sterne für den Levelaufstieg. Nach und nach kann man dann für Credits seinen Golf upgraden mit Antrieb, Motor, Bremsen, Fahrwerk und Reifen in verschiedenen Stufen und damit wiederum an neuen Rennen teilnehmen. Ganz langsam sieht man dann auch endlich mal etwas mehr Chancen in den regulären Events, in denen man sich normalerweise gegen neun andere Gegner durchsetzen muss. Wenn dann aber ein paar Credits gesammelt wurden und im Fuhrpark ein halbes Dutzend Karren mit upgegradeten Motoren und Fahrwerken steht und ne crispe Perl-Effekt-Lackierung aufgetragen wurde, beginnt Need for Speed Shift auch richtig Spaß zu machen.

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Verschiedene Strecken wachsen einem ans Herz, Überholmanover finden nicht mehr nur in geschnittenen Kurven oder auf dem Grünstreifen statt und das Gefühl, Motorsport und sein Verhältnis zur Physik zu verstehen steigt langsam in einem auf – Zentrifugal- und Zentripetalkraft sind gleich groß!
Neben der reinen Faszination am Fahren bietet Need for Speed Shift aber auch einige Arcade-Elemente. So kann man beispielsweise Medaillen sammeln für Windschatten-Fahren, gedriftete Kurven, oder rausgeschubste Gegner. Die Drift-Events, bei denen man durch die Pylonen-markierten Kurven schleudern muss, sind allerdings ganz schon schwierig und erfordern viel Feingefühl im Umgang mit Handbremse, Gas und Fußbremse. Vielleicht helfen hier dann auch die erweiterten Tuning-Funktionen Reifendruck, Feder-Einstellungen, Stoßdämpfer- und Differential-Einstellungen – genau weiß man das nicht.

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Insgesamt ist Need for Speed Shift ein sauberes Rennspiel, das einem erstmal etwas an Geduld abverlangt, dann aber einige ganz befriedigende Stunden seriösen Rennsports liefern kann und dabei toll aussieht, obwohl die zähen Ladasequenzen teilweise etwas die Dynamik rausnehmen und wirkliche Innovationen nicht stattfinden.

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