Beute schnappen - Level uppen !

Pandora ist der Name des desolaten Wüstenplaneten, auf den es uns in Borderlands, dem comic-haften Sci-Fi-RPG-Shooter verschlagen hat. Das ist erstmal nichts aussergewöhnliches, denn auch in anderen Spielen und Produkten der Popkultur wird dieser Name als Inbegriff von Geheimnis geradezu inflationär oft gebraucht (Professor Layton, Avatar, Parfum). In Borderlands aber, das vor allem für die gelungene Kombination der beiden Genres Shooter und Rollenspiel gelobt wird, ist dieser Name so passend, weil das ganze Spiel nach dem Prinzip Pandoras Büchse funktioniert: Wir wissen, dass der Pandora  eine Büchse gegeben wurde, die eigentlich immer geschlossen bleiben sollte, aber ach, ach, die arme Pandora konnte der Neugier nicht widerstehen, öffnete die Büchse und entließ Übel und Verderben über die Welt. Laut der Sage blieb einzig die Hoffnung auf dem Boden der Büchse zurück.

Borderlands

Nun ist es in Borderlands allerdings nicht nur die eine geheimnisvolle Büchse, in Gestalt einer sagenumwobenen Kammer, die es zu finden gilt, sondern es sind unzählige kleine Kisten, Kästen, Tresore und neue Abschnitte im Spiel die ein konstantes, sehr befriedigendes Belohnungssystem in Gang setzen, das es schwierig macht, wieder aufzuhören mit dem Spiel. Es geht um den Spaß, immer wieder der Neugier nachzugeben und die Büchsen zu öffnen, obwohl man weiß, dass sich nur hin- und wieder mal bessere Waffen oder ein anderes brauchbares Upgrade darin befinden. Dieses Belohnungssystem, bei dem es hauptsächlich ums Level-uppen und Upgrades sammeln geht, wie wir es schon aus unzähligen anderen Rollenspielen kennen, tut vor allem dem zweiten Element, dem Ego-Shooter in Borderlands gut. Zwar gab es auch in anderen Shootern immer schon Levelsysteme und Upgrades für Waffen und Ausrüstung, aber viele andere Shooter funktionieren doch eher wie lineare Schießbuden und lassen sonstige Interaktion mit der Spielumgebung oft vermissen.

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Trotzdem ist dem Rollenspielelement auch nicht zu viel Raum gegeben. Man startet mit der Charaktererschaffung, die nicht sonderlich umfangreich gestaltet ist und die  auch weniger einer tiefgreifenden Identifikation mit der Spielfigur dienen soll, als vielmehr einer groben Ausrichtung. Man wählt also zwischen Soldat, Jäger, Berserker und Sirene, einer Art Zauberin mit Waffen. Jede dieser Klassen hat leicht unterschiedliche Eigenschaften und eine Spezialfähigkeit, die im Laufe des Spiels in verschiedene Richtungen upgegradet werden kann. Im Singleplayer Modus hat die Wahl des richtigen Charakters auch gar nicht unbedingt so eine große Bedeutung, aber im Koop-Multiplayer, in dem das Spiel eigentlich erst richtig Spaß macht, geht es darum, am besten zu viert eine Crew von hartgesottenen Ödland-Helden zu bilden und sich mit den verschiedenen Fähigkeiten gegenseitig im Kampf zu unterstützen. Denn die Hauptbeschäftigung auf Pandora liegt darin,  loszuziehen in die Umgebung, Quests zu lösen und dabei en passant jede Menge Gegner zu killen und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, einzusammeln und zu versilbern um wiederum bessere Ausrüstung zu kaufen.

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Der Planet ist eingeteilt in verschiedene Sektoren, bzw Maps, in denen die Quests zu absolvieren sind. Neben der Hauptquest um die geheimnisvolle Kammer mit Schätzen und Alien-Technologie sind natürlich auch die üblichen „Sammle-dies…“ und „Sprich-mit…“-Aufgaben zu erfüllen, um nebenbei die nötigen Erfahrungspunkte und Ausrüstungserweiterungen anzuhäufen. Dabei beginnt man in Firestone, einer Wellblech-Hütten Siedlung, in der die Zivilisation noch einigermassen aufrecht erhalten wird. Ein Arzt mit einem Automaten für Medi Kits, ein schwarzes Brett, an dem die Quests angenommen werden können und zwei Automaten für Munition und Waffen. Zu Anfang sind es hauptsächlich Skags, mit denen man sich auseinander zu setzen hat – mutierte Schweine-Hund-Mischwesen in unterschiedlichsten Größen und Farben teilweise Säure- oder Giftmüll-spuckend. Im Laufe des Spiels werden die Gegner dann natürlich abwechslungsreicher und schwieriger und im gleichen Maße wird allerdings auch wieder der Bumms der Waffen gesteigert.

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Und an dieser Stelle werden Borderlands Ego-Shooter Qualitäten sichtbar. Das Angebot an Waffen ist aufgrund eines ausgeklügelten Kombinationssystems von Läufen, Magazinen, Munitionsarten und Zielfernrohren unglaublich vielfältig. Dabei gibt es erstmal eine grundsätzliche Einteilung in Revolver, MGs, Granatwerfer, Sniper Rifles usw und eine farbliche Markierung für Seltenheit der Waffen. Eine lila Schrotflinte mit Revolvermunition und Zielfernrohr mag selten und wertvoll sein, muss aber im Kampf gegen die Flugechsen nicht unbedingt das wirkungsvollste Mittel sein. So beginnt nach kurzer Zeit in Borderlands auch das Sammeln und immer wieder neuerliche Austauschen von Rüstungen, Fähigkeits-Mods und Waffen. Immer wieder findet man noch einen besseren Gegenstand und manchmal fällt die Entscheidung auch schwer, sich von einer bewährten Waffe zu trennen, nur um eine vermeintlich bessere ins begrenzte Inventar aufnehmen zu können. Aber genau hier liegt auch wiederum der Spaß: Immer ein kleines bisschen besser und effektiver zu werden im Kampf gegen die Gegner, die im gleichen Tempo auch schwieriger zu besiegen sind. Das angesprochene Belohnungssystem, das mit wunderbaren „Ratsching-“ und „Klingeling-“ Geräuschen jeden Einkauf am Waffenautomaten und mit Jubel und Konfetti jeden Levelaufstieg akustisch untermalt tut ein übriges. Ein extrem befriedigendes Feature im Kampf ist auch eine Art von Rage-Modus, bei dem einem trotz ausgeschöpfter Lebensenergie noch einige Sekunden Zeit bleiben, die umstehenden Gegner doch wegzupusten und einem eventuell ein kostenintensiver Respawn erspart bleibt.

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Trotz kleinerer Mängel, wie dem langfristig etwas eintönigen Leveldesign und der gelegentlich ungerechten Aufteilung der Beute im Koop-Modus besticht Borderlands doch durch die an Tank-Girl erinnernde Comic-Ästhetik, den zugehörigen Endzeit-Humor und die perfekt ausbalancierte Mischung zweier Spielegenres – vorausgesetzt, man bleibt neugierig…

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2 Responses

  1. Matthias

    Borderlands macht richtig laune aber im Singleplayer-Mode ist der Schwierigkeitsgrad aber recht heftig. Vor allem wenn man nicht oft Shooter spielt. Aber die mischung aus Shooter und Rollenspiel ist wirklich klasse.

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  2. nils

    Der Schwierigkeitsgrad ist allerding knackig, aber durch die großzügige Verteilung der Speicherpunkte habe ich das nicht so schlimm gefunden. Borderlands scheint mir aber auch deutlich auf 4-Spieler-Kooperativspiel geeicht zu sein – schon zu zweit ist das Ganze sehr viel einfacher, weil man sich gegenseitig heilen kann…

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