Super Mario Galaxy 2

Eigentlich war der Erscheinungstermin von Marios neuestem Abenteuer denkbar ungünstig, direkt zum Start der Fussball-WM gewählt. Dem Klempner mit der roten Mütze macht das aber gar nichts – denn wenn einer ein Long-Time Seller ist, dann er und wenn es ein Videogame gibt, für das man sogar mal ein WM-Fussballspiel verpasst, dann für Mario Galaxy 2. Dabei ist der Release des zweidimensionalen Super Mario Bros Wii auch gerade erst ein paar Monate her- und schon gibt’s die Fortsetzung von Galaxy, dem ersten dreidimensionalen Mario für die Wii? Normalerweise dauert es Jahre, bis ein neuer Teil von Mario erscheint. Umso schöner, dass es sich jetzt keineswegs um einen Aufguss bzw eine Resteverwertung von guten Ideen aus Galaxy handelt, sondern mit Galaxy 2 die Messlatte der 3D Plattformer wieder mal ein ganzes Stück weiter nach oben gelegt wurde.

Die Aufgabe ist klar: Bowser hat Peach entführt und irgendwann, nach Stunden des Hüpfens und Springens und Fliegens und Schalter-umlegens durch die unterschiedlichsten Planetensysteme und Galaxien, kann man sie dann endlich wieder in die Arme schließen. Aber vorher geht es eigentlich hauptsächlich um die Power-Sterne, die man braucht, um das jeweils nächste Sternensystem freizuschalten und sich da dann wieder den wahnwitzigsten Leveln gegenüber zu sehen.

Direkt von Beginn an ist Galaxy 2 bunt, laut und macht riesengroßen Spaß; sowohl den Neulingen im Mario Land, als auch den alten Nintendo-Hasen. Gesteuert wird mit dem Nunchuk und der Wii-Mote, mit der man Mario springen- und seine Spezialangriffe ausführen lassen kann und mit deren Zeiger man auf dem Bildschirm gleichzeitig permanent bunte Sternenteile einsammeln muss. Mit den Sternenteilen kann man auf Gegner schießen, oder sie an verschiedenen Stellen gegen Power-Ups und 1Ups eintauschen. Die Steuerung geht leicht von der Hand und dank guter Kameraführung kommt es selten zu unübersichtlichen Situationen. Dabei geht es ständig auf und ab, kreuz und quer und vor- und zurück: Plötzlich steht ein Level auf dem Kopf und Mario geht an die Decke und fährt auf umgedrehten Fahrstühlen nach unten, bzw oben. Dann wechselt die Perspektive plötzlich in die Draufsicht, was wiederum das Springen auf die Goombas schwieriger macht. Dann wieder legt Mario einen Schalter um und verwandelt damit den See in eine Eisfläche, auf der er sich mit Schlittschuhen fortbewegt. Eine große Hilfe in einigen Leveln bekommt Mario von Yoshi, der mit seiner langen Klebezunge Gegner einfach auffrisst, höhere Schalter erreicht, oder auch den Turbo-Pfeffer einsammeln kann, der Mario und Yoshi wie in einem Flipper raketenmässig abzischen lässt. In einer Art umgedrehter Pachinko-Maschine gilt es dann, die nächste Plattform und den nächsten Turbo-Pfeffer zu erreichen.

Einige Level sind nur mit Hilfe der neuen Power-Ups für Wolken-Mario, Felsen-Mario und Bohrer-Mario zu bewältigen. Einen Endgegner muss man zum Beispiel dadurch erledigen, dass man sich mit dem Bohrer im richtigen Augenblick ein Mal komplett durch einen Planeten durchbohrt, um damit den Gegner an seiner schwächsten Stelle, dem Bauch zu treffen. Als Belohnung zerspringt der Gegner in viele einzelne Sternenteile, die man dann – klingeling – wieder schön mit dem Zeiger der Wii-Mote einsammelt. Neben den glockenhellen Belohnungs-Klingelings ist auch sonst die Musik gut aus den unwiderstehlichen Mario-Klassikern und neuen Melodien zusammengestellt und untermalt den Charakter der einzelnen Level.

Angenehm im Spiel auch der konstante Anstieg des Schwierigkeitsgrades und die perfekte Abstimmung zwischen Herausforderung und Belohnung. Teilweise sind in einigen Leveln auch mehrere Power-Sterne versteckt, so dass man diese Level dann mehrmals spielen muss, aber in einer völlig anderen Art und Weise. Mal geht es an den Krallen eines riesigen Geiers direkt durch bunte Ringe hindurch zum Ziel, ein anderes Mal kämpft man sich zu Fuß durch das Level, um den anderen Stern zu erreichen.

Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt der Multiplayer, der sich darauf beschränkt, dass der zweite Spieler nur einen Luma-Stern steuert, der Mario auf Schritt und Tritt folgt und mit dem man ausschließlich beim Sternenteile-Einsammeln helfen kann. Ein vollwertiger Zweispieler-Modus ist wegen der Kameraführung leider schlecht zu realisieren.

Fast auf den Punkt komponiert wirkt Mario, wenn man am Ende eines Levels einen drehenden Raketenstern betritt, und sich mit einem Wink mit der Wii-Mote auf den nächsten Planeten katapultiert, oder wenn Mario einen der wertvollen Power-Sterne erreicht und mit hellen Fanfaren ein Level abschließt. Ein vorbildliches Videospiel und einer der besten Titel für die Wii.



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