Medal of Honor in Afghanistan

Gibt es eigentlich Egoshooter-Spielerinnen? Ich glaube nein. Jedenfalls ist mir in den zahllosen nächtlichen Multiplayer-Matches noch keine begegnet. Vielleicht liegt das daran, dass Frauen schlauer sind und sich diesen Stress nicht antun. Wahrscheinlich erfüllen Egoshooter doch die Funktion moderner männlicher Initiationsriten, bei denen man mal ausprobieren kann, wie es wäre, eine Waffe abzufeuern und auf Menschen zu ballern. Mit Headset und nah vor dem Fernseher wird das Spielerlebnis auch immer intensiver und für einige gibt es kaum was schöneres, als mit dem Zielfernrohr den Horizont nach feindlichen Köpfen abzusuchen und sich im Kugelhagel wegzuducken und die Granateneinschläge rund um sich rum zu spüren.



Der Zweite Weltkrieg scheint inzwischen abgehandelt zu sein, so dass sich jetzt auch die Serie Medal of Honor aktuellen Kriegsschauplätzen zuwendet. Zusammen mit der Battlefield Serie, die auch von der EA Tochterfirma DICE entwickelt wird und Call of Duty von Activision kann man heutige Krisengebiete fast lückenlos miterleben. Die obligatorischen Tabubrüche, wie Massaker am Flughafen und jetzt die Möglichkeit, mit Taliban-Kämpfern im Multiplayer-Modus amerikanischen Soldaten den Garaus zu machen, sind dabei Teil der Vermarktungsstrategien. Denn sonst geht bei zeitgenössischen Egoshootern eigentlich nicht viel neues.

Zwar ist auch das neue Medal of Honor teilweise sehr intensiv und bietet dem Spieler Pulsfrequenz-steigernde Action in Afghanistan, aber auch dieser Shooter ist extrem linear und vorhersagbar. Da wechseln sich Schleich-Sequenzen mit blindem Geballere ab und zwischenzeitlich gilt es, aus dem Hubschrauber feindliche Stellungen aufs Korn zu nehmen. Ein weiteres Manko sind die zahlreichen Bugs, wie verspätete Texturen und gelegentlich unlogische Bemerkungen in der Sprachausgabe. Da soll man nachrücken, obwohl man schon direkt neben dem Squad-Leader steht. Ausserdem ist die Singleplayer Kampagne viel zu kurz und man merkt ihr an, dass sie unter Zeitdruck entstanden ist.

Ganz flott funktioniert der Multiplayer, in dem in verschiedenen Match-Typen mit Amerikanern und Taliban gespielt werden kann. Hier gilt auch, dass man erst eine Chance hat, wenn man die Map besser kennen gelernt hat und zusätzliche Waffenupgrades ernten konnte. Im Vergleich zu Battlefield Bad Company 2 gibt es keine Verbesserungen- im Gegenteil- an Fahrzeugen steht einem nur ein kleiner Panzer zu Verfügung und ein großes Manko ist auch, dass man nach einem Frag nicht angezeigt bekommt, von welcher Position man erledigt wurde, so dass man häufig in denselben Hinterhalt rennt…

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2 Responses

  1. black rebel

    meine arbeitskollegin ist ganz verückt nach egoshootern

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  2. donfuan

    “ein großes Manko ist auch, dass man nach einem Frag nicht angezeigt bekommt, von welcher Position man erledigt wurde, so dass man häufig in denselben Hinterhalt rennt” – diese sogenannte Killcam hat schon den Multiplayer von Call of Duty 2 versaut und ist einer der Bausteine des “dumbing downs” von Spielen. Wer 2mal in den selben Hinterhalt rennt ist halt auch einfach ein bisschen *hust* dämlich?

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