Sex mit den Achtzigern
Text: Multipara aus De:Bug 174

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Eine Legende auf der Überholspur. Nach langer Stille im Studio von Mike Paradinas gibt es aktuell gleich drei Alben der Elektronika-Gallionsfigur.

Mike Paradinas, 41. Wenige Musikerpersönlichkeiten haben das Gesicht britischer Elektronik in den letzten zwanzig Jahren so weitreichend und nachhaltig geprägt wie er: als Solo-Musiker (μ-ziq, Kid Spatula, Jake Slazenger, etc.) und in Duos (u.a. mit Aphex Twin und Jochem Paap), aber auch als Gründer und Betreiber eines der prägendsten, aktivsten und immer wieder aufregendsten Independent-Labels der Insel: Planet Mu.
Auf letzterem schlug er mit seiner einzigartigen Einheit aus dem Gespür für Melodien und einem offenen Herzen für aggressive Spiegel der Rauheit des Straßenalltags zahlreiche Brücken von verspielt-verschroben-euphorischen Post-IDM/Elektronika- Produktionen zu Breakcore und Dubstep, von Bedroom zu Club und Battle. In den letzten Jahren gab er der Chicagoer Ghetto-House-Spielart Juke/Footwork eine Label-Heimat, die dann Elektronika-Alben von Kuedo bis Machinedrum befruchtete.

Der eigene Output riss dagegen vor einigen Jahren ab. Sein letztes Album, “Duntisbourne Abbots Soulmate Devastation Technique” von 2007, war hörbar Ausdruck einer Krise, ein trudelnder Einsitzer mit Breakbeat-Propeller vor einem Himmel, dem der, sonst für ihn so typische Sonnenstrahl abhanden gekommen war.

Nach einer längeren Produktionspause, während der das Label von 190 auf weit über 300 Nummern (und auf vier Mitarbeiter) wuchs, meldet sich Paradinas dieses Jahr mit gleich vier Releases zurück. “Somerset Avenue Tracks (1992-1995)” machte den Anfang, eine sehr geglückte (und sofort ausverkaufte) Auswahl aus seinem Folder unveröffentlichter Stücke (Zählerstand: aktuell 1130). Auftakt zu einer EP, und nun auch einem Album: “Chewed Corners”, alles unter dem Namen μ-ziq. Aber auch zu Heterotic, einer neuen, überraschenden Kollaboration mit Lara Rix-Martin: keine Musikerin, sondern Biologin, aber verantwortlich für dessen besonders melancholischen melodischen Touch (und seit 2011 mit ihm verheiratet). Dazu ein Gastsänger, der dem Album “Love and Devotion” den letzten, entscheidenden Kick Richtung sanft-elegischen Pop gibt: Nick Talbot a.k.a. Gravenhurst.

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Beide Alben, parallel über mehrere Jahre entstanden, lassen wie keine seiner Arbeiten davor Motive und Momente der englischen Achtziger wiederauferstehen, die experimentelle Kante des romantischen New Wave der frühen Orchestral Manoeuvres in the Dark, Human League, Heaven 17. Am prägnantesten in den Vocal-Stücken von Heterotic – bei “Wartime” hört man OMD geradezu mit im Bett liegen, in dem die Tracks geschrieben wurden. Sind die Alben die Frucht gemeinsamen Durchhörens der Platten ganz links im Regal? “Ich spiele ihr tatsächlich viel Musik aus meiner Jugend vor – aber in der Tat erst jetzt im Nachhinein, nachdem in Reviews so viele Referenzen aufgekommen sind und sie die Sachen kennenlernen möchte. Bei der Produktion ergab sich das, ohne dass wir uns was angehört haben. Gut, ich selbst höre schon viele alte Sachen, vor kurzem hatte ich wieder eine OMD-Phase. Aber schon ‘Tango N’Vectif’, das erste Stück des Debütalbums vor zwanzig Jahren, knüpfte an OMDs erstes Album an. Alles ohne Absicht, das kam einfach so raus.”

An musikalischen Referenzen, ihrem Ursprung und ihrer Funktion kommen wir im nachmittäglichen Skype-Gespräch zwischen Berlin und seinem neuen Heim in Brighton & Hove immer wieder vorbei. Ein Büro gibt es bei Planet Mu nach wie vor nicht: Label wie auch Musikstudio wohnen auf einem Laptop; der analog anmutende, warme, transparent ausbalancierte Sound der neuen Produktionen kommt gänzlich aus dem Rechner. In Paradinas’ Person erweisen sich die Rollen als Musiker und als A&R so komplex ineinander verschränkt wie auf dem Index seiner Festplatte.

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Alan Parsons und ein Schießgewehr
Wie bei manch anderen Künstlern auf Planet Mu erleben auf “Chewed Corners” auch elektronische Anklänge ein Revival, die jahrzehntelang tabu waren, so aus dem Adult-oriented-Rock der Spätsiebziger. Auf den Zither-artigen Klang der Hauptmelodie von “Melted” angesprochen: “Stimmt, der erinnert tatsächlich an ‘Lucifer’ (lange Jahre Titelmelodie von “Monitor”/WDR), das Stück kannte ich aber nicht. Aber ich musste tatsächlich im Nachhinein was von Alan Parsons Project clearen lassen, nämlich das Grundmotiv in Track 10. Das hatte ich ganz naiv einer Sopranos-Folge auf DVD entnommen und nachgespielt. In den Siebzigern lief solche Musik auch bei uns einfach im Fernsehen. Das ist schlicht Nostalgie, ich bin in den Siebzigern aufgewachsen, also darf ich das. Solar Bears dagegen sind Kinder der Neunziger. Sie klingen manchmal so, als würden sie versuchen, einen Haufen Platten, die sie mögen, nachzubauen, anstatt sich selbst ehrlich auszudrücken. Manchmal. Mir gefällt es natürlich trotzdem, und ich unterstütze es. Aber es gibt Bands, da muss man sich fragen, warum sie eigentlich Musik machen.”

Im freien Strom der Allusionen entpuppt sich die synkopierte Percussion in “Hug” auf “Chewed Corners”, zuerst einsortiert als möglicher Einfluss von Juke (der überhaupt insgesamt überraschend spärlich ausfällt), als der lockere Gastbeitrag seiner Frau. Die schwänzt ihr eigenes Heterotic-Debüt auf der Planet-Mu-Labelnacht, um mit ihrer Mutter auf ein anderes Konzert zu gehen. “Die Nacht war nicht gut besucht. In London hat mittlerweile niemand mehr Geld zum Ausgehen. Oder wir sind Scheiße. Die ältere Generation, die sieht sich für 300 Pfund die Rolling Stones an. Nach der Labelnacht, gerade eben, als er direkt davon nach Chicago zurückkam, wurde ja Traxman überfallen und angeschossen, sie nahmen ihm die ganze Gage und den Pass weg. Es geht ihm gut, es war nur das Bein, er kann Tracks machen.”

Ich will von ihm wissen, ob man die zerrissene rhythmische Zeit des Juke in einer langen Traditionslinie mit Ragtime lesen kann, als Bild der fragilen Lebensumstände? “Das kann man. Ich hab erst heute mit Marcus, der unsere UK-Presse macht, genau darüber gesprochen. Über Juke höre ich ja immer wieder, ‘Das klingt wie das, was ich mit Fruityloops gemacht hab, als ich sieben war. Das war Mist, also ist das hier Mist.’ Die paranoide Situation der Kids, die in der Straßenmitte gehen, um nicht erschossen zu werden, die sich schon in manchen Highschools nicht ihres Lebens sicher sind, die macht die Musik zu dem, was sie ist. Dadurch erhält sie etwas, was man früher mal Soul nannte, was man nicht nachmachen kann. Darum geht es mir. Anderswo, wie hier in Europa, kannst du diesen Sound benutzen und für dich selbst entdecken, ihn zum Ausdruck deiner eigenen Gefühle verwenden. Aber es wird was ganz anderes daraus.”

μ-Ziq, Somerset Avenue Tracks (1992-1995), XTEP und Chewed Corners sowie Heterotic, Love & Devotion, sind auf Planet Mu/Cargo erschienen.

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Elektronische Lebensaspekte.

Trotz der mittlerweile auffälligen Themengleichheit in vielen der sogenannten Technomags gibt es immer noch Personen, die eher selten die Hochglanzseiten füllen. Zu diesen Menschen (oder sind es Maschinen?) gehört auch Michael Paradinas, der aus England k
Text: gregor wilderman aus De:Bug 04

µ-ziq – Vorname Michael von Gregor Wildermann

“Es beginnt einer der spannensten Geschichten in der ganzen Rennsportsaison!” (Formel 1-Guide ’97)

Trotz der mittlerweile auffälligen Themengleichheit in vielen der sogenannten Technomags gibt es immer noch Personen, die eher selten die Hochglanzseiten füllen. Zu diesen Menschen (oder sind es Maschinen?) gehört auch Michael Paradinas, der aus England kommt und unter nicht weniger als fünf Pseudonymen seine Platten veröffentlicht. Unter den Namen Tusken Raiders, Jake Slazenger, Gary Moschles, Kid Spatula und natürlich unter dem Alias µ-ziq regnen Tracks auf uns herab, die sehr früh Vergleiche mit Aphex Twin hervorbrachten. 1994 nannte David Toop für einen TIME-Artikel beide die ãtechno’s bores with attitudeÒ und zitierte Aphex Twin in dessen sozialer Einschätzung über Michael Paradinas: “He doesn’t know the art of conversation. He’s just really introverted.”
Mehr und mehr Künstler entgehen trotz verschiedensten Pseudonymen der Öffentlichkeit nicht mehr. Vielleicht ist Paradinas dabei einer der besten Beispiele für Personen, die nicht unbedingt in die Öffentlichkeit treten sollten, da sie diese leicht falsch versteht oder auch Unnötiges, was von der Musik ablenkt, erfährt. All das ändert nichts an der Tatsache, daß Paradinas Rephlex-Alben Tango N’ Vectif und Bluff Limbo (dessen Tracknamen nie bekannt wurden) durch ihre extremen musikalischen Kontraste zu den spannensten Momenten von Technomusik gehören und er auch Jahre später durch sein neuestes Album Lunatic Harness beweißt, daß es noch Frequenzen und Stilmischungen zu entdecken gibt. Durch sein eigenes Label Planet-µ gibt er auch immer wieder anderen Talenten eine Chance gibt. Mittlerweile ist Paradinas mit seiner Frau Jessica und seinem Kind aufs Land gezogen, wo er immer noch unter dem Kopfhörer Tracks arrangiert, obwohl ihn seine Mutter nicht mehr dazu nötigt, die Musik nur laut zu hören, wenn diese beim Einkaufen ist. Das Kind vielleicht schon eher.
Wir folgen Mr. Paradinas in das Mutterland der Formel 1 auf einen kleinen Streifzug durch die Rennbahnen dieser Welt, denn das Leben ist schnell, oft auch schön und der Aufenthalt in jeder Boxengasse des Schicksals will genutzt sein. Go, Michael…..

Grosser Preis von Australien
Ort: Melbourne
Tag: 09.3.97
Strecke: Albert Park Circuit
Streckenlänge: 5260 km
Distanz: 58 Runden ˆ 305 km
De:Bug: Gerade ist dein neues Album erschienen, in letzter Zeit hat man aber wie bei Damon Hill relativ wenig von dir gehört!
MP: Mein Sohn Caleb wurde vor einem etwas mehr als einem Jahr geboren und das hat mein Leben schon verändert, denn ich habe dann von Juli’96 bis Oktober’96 gar keine Musik gemacht und auch danach in eher unregelmäßigen Abständen. Im Januar’97 wurden dann die Urmur Bile-Tracks veröffentlicht, obwohl die da auch schon ein Jahr alt waren.

Grosser Preis von Brasilien
Ort: Sao Paulo
Tag: 30.3.97
Strecke: Autodromo Jose Carlos Pace Sao Paulo
Streckenlänge: 4325 km
Distanz: 71 Runden ˆ 307 km
De:Bug: Vielen fällt es schwer, deine verschiedenen Projektnamen auseinanderzuhalten. Das ist ähnlich kompliziert wie der Unterschied zwischen dem McLaren und Williams-Rennteam!
MP: Mein Hauptname ist µ-ziq und mit dem bin ich bei Virgin unter Vertrag. Unter dem Namen Kid Spatula wird bei Reflective bald ein neues Album herauskommen und da verwende ich meistens unveröffentlichte bzw. ältere Tracks. Unter Jake Slazenger (WARP) erscheint eher funky-happy-stuff. Das sind insgesamt drei Namen und vielleicht werde ich Tusken Raiders (Clear) nochmal verwenden, wenn LucasArts nichts dagegen hat. Im Prinzip nimmt man verschiedene Namen, damit sich Plattenfirmen mit ihrer Promotion nicht in den Weg kommen. Sonst würde am Ende eine Firma die Platte einer anderen promoten, nur weil der Künstlername der gleiche ist. Auf meinem eigenen Label kann ich mir ja verschiedene Namen ausdenken und das habe ich auch vor.

Grosser Preis von Argentinien
Ort: Buenos Aires
Tag: 13.4.97
Strecke: Autodromo Oscar A. Galvez
Streckenlänge: 4257 km
Distanz: 72 Runden ˆ 306 km
De:Bug: Michael Schuhmacher wohnt ja in Monte Carlo. Wo wohnst du im Moment?
MP: Ich wohne in Wooster im Süden von Birmingham, einer recht kleinen Stadt. Ich wohne da auf einem Berg und außer einer Pferderennbahn und einem überaschenderweise sehr guten Plattenladen (gute Drum&Bass-Auswahl) ist hier alles sehr provinziell. Birmingham ist mit dem Zug eine Stunde entfernt und das nervt ein wenig. Hier wohnt man jedoch recht billig und für das Kind ist es auch besser.

Grosser Preis von Imola (Italien)
Ort: Imola
Tag: 27.4.97
Strecke: Autodromo Enzo E Dino Ferrari
Streckenlänge: 4895 km
Distanz: 63 Runden ˆ 308 km
DE:Bug: Jaques ‘Wired’Villeneuve hat früher Indy-Rennen gefahren, bevor er zur Formel 1 kam. Was war für dich der entscheidende Schritt?
MP: Ich wollte damals nicht auf die Universität, studierte eher unter Zwang Architektur und war überhaupt von meinem damaligen Leben sehr frustriert. Ich traf also diese Entscheidung zugunsten der Musik und machte die Tango N’ Vectif -LP, was mir sehr geholfen hat. Diese Platte war wie ein Ventil für mich!

Grosser Preis von Monaco
Ort: Monte Carlo
Tag: 11.5.97
Strecke: Circuit de Monte Carlo
Streckenlänge: 3328 km
Distanz: 78 Runden ˆ 300 km
De:Bug: Jeder Fahrer hat seinen eigenen Fahrstil und bei dir ist immer die Kombination von melodiösen Strings und distorted Beats markantes Merkmal.
MP: Ich mag einfach diesen Sound, aber nicht alle meine Stücke sind so oder haben unbedingt einen Beat. Wenn ich aber Beats verwende, so sind sie immer recht kraftvoll und manchmal eben auch distorted. Ich habe damals viel von MeatBeatManifesto, PortionControl und Aphex Twin gehört und das hat seine Spuren hinterlassen. Mittlerweile gibt es auch schon Alben wie die letzte Speedy J.-LP, die von meinen Platten beeinflußt sind.

Grosser Preis von Spanien
Ort: Barcelona
Tag: 25.5.97
Strecke: Cicuit de Catalunja
Streckenlänge: 4272 km
Distanz: 65 Runden ˆ 307 km
De:Bug: In der Formel 1 sind Werksfahrer normal, du hast aber mit Planet-µ dein eigenes Label gründen können!
MP: Manche der Künstler kenne ich noch von früher und jetzt machen sie mittlerweile auch sehr gute Musik, die ich jetzt endlich auf Planet-µ herausbringen kann. Der erste Release ist von Jega aka Dillan und er hat bisher seine Platten auf Skam veröffentlicht. Ich kenne ihn schon recht lange, wir sind zusammen zur Schule gegangen. Seine Platte sollte DMC heißen, aber er wird sie sehr wahrscheinlich noch umbenennen. Die zweite heißt Animals on Wheels und sie kommt von Andy Coleman, der auch auf NinjaTune eine Platte gemacht hat. Dann wäre da noch eine 12Ò von Like a Tim aka Tim van Leyden und die ist wirklich einfach nur mad. Die wird sich zwar nur sehr schlecht verkaufen, aber ich mag diese Platte einfach. Boards of Canada werden ein Album für Planet-µ machen und da bin sehr gespannt. Außerdem werden noch zwei Platten von Künstlern erscheinen, die bisher noch nichts veröffentlicht haben. Der eine ist Mold, ein 18-jähriger Freund von Squarepusher und der andere heißt Horse Opera, kommt aus Coventry und produziert auch sehr experimentelle Breakbeatsachen.

Grosser Preis von Kanada
Ort: Montreal
Tag: 15.6.97
Strecke: Circuit Gilles Villeneuve
Streckenlänge: 4421 km
Distanz: 69 Runden ˆ 305 km
De:Bug: Leider kannst du auf kein Boxenteam zurückgreifen und mußt dich um die Künstler selbst kümmern. Welchen Einfluß hast du auf die Artists?
MP: Ich rufe die meisten ständig an und sage ihnen, welche Tracks ich mag und wo sie vielleicht noch etwas ändern können. Animals on Wheels zB. programmiert wahnsinnig gute Drums, kann aber nicht mit Melodien umgehen. Er läßt in seinen Tracks selten die Drums alleine stehen und stülpt eine Tonfolge darüber, die oft nicht passt. Deswegen sage ich ihm manchmal, wenn der Track dadurch kaputt gemacht wird. Jemanden wie Like a Tim kann man natürlich keine Ratschläge geben. It’s just himself! Da kann ich lediglich durch meine Trackauswahl etwas steuern, was auch für Boards of Canada gilt, die manchmal etwas langweilige Tracks machen. Sie wissen das jedoch auch selbst und würden die auch nicht freigeben. Jeder macht ja mal langweilige Tracks!

Grosser Preis von Frankreich
Ort: Magny-Cours
Tag: 29.6.97
Strecke: Circuit de Nevers
Streckenlänge: 4250 km
Distanz: 72 Runden ˆ 306 km
De:Bug: Der Hauptlauf an den Sonntagen ist ja meistens soetwas wie der Remix vom Zeittraining. Was ist deine Einstellung zu Remixen?
MP: Wenn ich einen Track bekommen und glaube, daß ich ihn auch remixen kann, nehme ich den Job je nach meiner Zeitplanung auch an. Wenn mir der Track aber nichts sagt oder ich ihn schlichtweg nicht mag, dann nehme ich den Job auch nicht an. Lediglich bei den Auteurs machte ich eine Ausnahme. Ich haßte diese Band und ihre Musik, aber deswegen machte der Remix noch mehr Spaß.
Ein Remix eines Tracks der Band Ruby vom Creation-Label wurde abgelehnt und eine japanische Band wollte den Remix von mir noch mal überarbeitet haben. Tranquility Bass haben meinen Remix vor kurzem auch nicht akzeptiert. Manchmal können einem Remixe auch neue Ideen geben und wenn man es schlau anstellt, behält man diese Idee, lehnt den Remix ab und macht einen eigenen Track aus dieser Idee. Das hab ich schon ein paar mal so gemacht.
Generell gilt wohl, daß man lediglich mit Liveauftriiten und Remixen auch Geld machen kann.

Grosser Preis von England
Ort: Silverstone
Tag: 13.7.97
Strecke: Circuit Silvestone
Streckenlänge: 5057 km
Distanz: 61 Runden ˆ 308 km
De:Bug: Im Rennen um Sekundenbruchteile ist die modifizierte Elektronik vieler Wagen entscheidend über Sieg oder Niederlage. Benutzt du wie Richard D. James spezielle Software und wie ist generell deine Einstellung zu Drum&Bass?
MP: Richard könnte die gleichen Platten auch auf einem normalen Sampler machen, es würde höchstens etwas länger dauern. Er hat halt Software, mit der man Beats randomized und das Editing wesentlich einfacher ist. Er hat aber auch eine Menge Geld und kann Leute bezahlen, die ihm diese Software schreibt. Er ist auch intelligent genug, diese Software in ihrer Arbeitsweise zu verstehen und er kann mit Computern auch umgehen. Das kann ich eben nicht. Ich würde ja gerne mich mehr mit Computern beschäftigen, aber ich warte noch, bis die Preise dafür runtergehen.

Grosser Preis von Deutschland
Ort: Hockenheim
Tag: 27.7.97
Strecke: Hockenheimring
Streckenlänge: 6815 km
Distanz: 45 Runden ˆ 306 km
De:Bug: Ohne große Firmengelder würde die Formel 1 so nicht weiter bestehen. Wie stest du zu Major-Companys, da du auch bei Virgin unter Vertrag stehst.
MP: Ich bezweifele, ob sie wirklich mit Acts wie mir oder Source Direkt Geld verdienen. Zumindest nicht die Summen, die sie sonst gewöhnt sind. Ich weiß auch nicht, was Luke Vibert oder Photek für Geld einbringt, da von denen bisher nur Singles erschienen sind und jetzt erst Alben herauskommen. Mit Singles kann man höchstens die Ausgaben wieder reinholen, mehr aber auch nicht. Nur die Alben bringen Geld und von Photek gab es bisher zwei Singles, wovon eine Top40 ging, aber auch eine Doppel-12″ zu eine Singlepreis war. Außerdem wollen sie keine Instrumentalalben veröffentlichen, da sich nur Vocalalben aus diesem Genre besser verkaufen. Ich persönlich sehe meine Zukunft bei Virgin eher negativ!
Von Außen mag es so aussehen, als ob Virgin eine Menge Danceacts signen würde, aber im Prinzip stehen jedesmal Einzelpersonen hinter diesen Verträgen. Chemical Brothers und Luke Vibert wurden von einem A&R zu Virgin geholt, Photek und Source Direkt wiederum von jemand anders. Und für Massive Attack ist es wieder jemand anders.
Meine Erfahrungen mit kleineren Labels sind aber auch nicht nur positiv. Als Clear die ãMegaphonk’ã-Single völlig verpresst hatte, bin ich zu Warp gegangen, weil ich mit Clear ja auch keinen verbindlichen Vertrag hatte. Danach wollte man von Seiten des Labels Clear nicht mehr von mir wissen. Clair of Clear is a bit of a weird one, you know!

Grosser Preis von Italien
Ort: Monza
Tag: 07.9.97
Strecke: Autodromo Nationale Di Monza
Streckenlänge: 5770 km
Distanz: 53 Runden ˆ 305 km
De:Bug: Bisher gibt es noch keine Formel-1 Rennen in Amerika, du warst jedoch schon einige Male dort und hast für das Interdimensional Transmissions-Label auch einen Track beigesteuert.
MP: Das Label macht Brendon von Ectomorph und ich traf ihn vor zwei Jahren in New York. Wir verstanden uns direkt sehr gut und da er auch bei Drexcija mitmacht, von denen ich ein großer Fan bin, beschlossen wir irgendwann etwas zusammen zu realisieren. Ich benutzte für die Urmur-Bile Tracks ein Sample von ihm und im Austausch dafür gab ich ihm einer meiner Tracks.
In Amerika selber war ich bisher drei mal und habe vier mal live gespielt. Das war jedoch lange vor dem Electronica-Hype und alles war noch sehr überschaulich. In San Franzisko gibt es cir. 400 Leute, die elektronische Musik mag und jetzt werden es wohl ein paar mehr sein. Prinzipiell sah man immer die gleichen Leute und nur in NewYork kamen etwas mehr als 600 Besucher zu dem Live-Gig. In Amerika verkaufe ich jedoch mehr Platten als in Europa insgesamt, was auch irgendwie seltsam ist.

Grosser Preis von Östereich
Ort: Spielberg
Tag: 21.9.97
Strecke: A1-Ring
Streckenlänge: 4318 km
Distanz: 70 Runden ˆ 302 km
De:Bug: Der Rennzirkus ist ja ein recht internationales Ding und wie immer gilt andere Länder, andere Sitten. Was war bei deinen Live-Acts im Ausland das Ungewöhnlichste?
MP: Bisher war nur in Österreich die Reaktion auf meine Musik etwas anderes als in anderen Ländern. Normalerweise tanzen die meisten, aber bei meinem Auftritt in Wien standen die Leute nur herum und bewegten sich nicht. Aber das ist wohl typisch für Wien!

Grosser Preis von Luxenburg
Ort: Nürburgring
Tag: 28.9.97
Strecke: Nürburgring
Streckenlänge: 4556 km
Distanz: 67 Runden ˆ 305 km
De:Bug: Ein Rennpilot gehört zu den Großverdienern, mit deiner ‘komplizierten’Musik wirst du aber wohl kaum die Millionen scheffeln können. Machst du dir wegen deinem Lebensunterhalt manchmal sorgen?
MP: Natürlich hat man machmal so Hintergedanken, daß man irgendwann von der Musik alleine nicht mehr leben kann und gerade mit der Verantwortung des Vaters wird man in Zukunft ganz andere Entscheidungen fällen müssen. Bisher lebe ich ganz gut vom Geld, daß Rephlex und Warp mir gezahlt haben und das ist mehr als alle Vorschüsse und Einnahmen von Virgin. Der Warp-Deal ist zB. 50/50, der Virgin-Deal kommt noch nicht einmal annähernd daran. Auch die Vorschüsse der Majors sind nicht so groß, wie sich das manche vorstellen. Ich habe vielleicht 10% des Vorschusses von Photek bekommen, weil mein Deal noch zu einer anderen Zeit gemacht wurde. Well, anyway. Geld soll dabei nicht das wichtigste sein und mit Remixen kommt ja auch wieder etwas rein. Wenn beides nicht funktioniert, werde ich die Musik wohl aufgeben (lacht dabei!).

Grosser Preis von Japan
Ort: Suzuka
Tag: 12.10.97
Strecke: Suzuka International Racing Course
Streckenlänge: 5864 km
Distanz: 53 Runden ˆ 310 km
De:Bug: Der Racing Corse in Suzuka ist der einige in Form einer 8 und damit auch der einzige mit einer Brücke. Was sollte die gedankliche Brücke bei dem Cover der ãLunatic HarnessÒ-LP sein?
MP: I just said that I want something that doesn’t mean anything. Ich hatte einfach keine Zeit für das Coverartwork und so haben Grafiker von BlueSource das Artwork gemacht. Meine generelle Idee von jemandem an einem Tisch haben sie jedenfalls aufgegriffen.

Grosser Preis von Europa
Ort: Estoril (Portugal)
Tag: 26.10.97
Strecke: Autodromo Fernanda Peres da Silva
Streckenlänge: 4360 km
Distanz: 71 Runden ˆ 309 km
De:Bug: Nun muß sich jeder Leser fragen, warum ich so dämliche Intros zu allen Frage geschrieben häbe. Vielleicht solltest du das aufklären.
MP: Ich sehe mir gerne Formel-1 Rennen an und dabei muß ich mal loswerden, daß Frentzen richtig schlecht ist und Schuhmacher einfach der Beste bleibt. Wenn er in einem Williams fahren würde, könnte er jedes Rennen gewinnen. Berger hat jetzt wieder ein Rennen gewonnen und das war ein gutes Comeback. Villeneuve ist erstaunlich gut, wenn man bedenkt, daß das erst sein zweites Jahr in der Formel 1 ist. Er steht aber auch unter immensem Druck. Damen Hill ist eigentlich auch ein sehr guter Fahrer, nur hat er im Moment einen sehr schlechten Wagen.
Ich selber habe kein Auto und auch keinen Führerschein. Als andere sich Autos kauften, habe ich mir Synthesiser gekauft und die sind nicht so mobil.
De:Bug: Findest du Schuhmacher nur wegen seinem Vornamen so gut?
MP: Nein, da ist wirklich kein Zusammenhang.

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Elektronische Lebensaspekte.