Jeder Hinz und Kunz spielt heuer Games auf seinem Handy. Wozu da noch eine mobile Spielkonsole kaufen? Sony und Nintendo präsentierten ihreAntworten auf der Games Convention in Leipzig. Beide Handhelds sind klein und fein, mit zwei Screens (Nintendo) oder einem großen zum Filmeschauen (Sony). Und ab damit in die Handtasche.
Text: Heiko Gogolin, Nils Dittbrenner aus De:Bug 86

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Die Tragbaren | Nintendo und Sony entwickeln neue Game-Handhelds

Same procedure as every year: Diesen August öffnete die Games Convention in Leipzig erneut ihre Pforten für gestriegelte Menschen vom Fach, nicht minder gestresste Journalisten und erstmals über 100 000 mehr oder weniger “normale“ Besucher. Die für Messen typischen Unannehmlichkeiten wie Standlautstärke, Babes-Sexismus und Abgreif-Fixierung mal dezent in den Hintergrund gefadet, kann man freudig bemerken, wie die GC drauf und dran ist, zur wichtigsten Show ihrer Art in Old Europe zu werden. Dies zeigt sich nicht nur an den erneuten Besucher- und Ausstellerrekorden, sondern auch daran, wie viele hochkarätige internationale Entwickler ihren Weg nach Sachsen gefunden haben, um persönlich über ihre Produkte zu berichten. Im dritten Jahr des Konsolengeschäfts geht es vor allem noch um Content, hinter den Kulissen wird erst leise über neue Hartwaren spekuliert. Die Vorstellung neuer Softwaretitel dominiert also den offiziellen Teil des Geschehens.

Kurzer Blick von oben
Neben dem Wulst der Sequels oder Filmlizenzen fielen vor allem eine Unzahl an militärischen Shootern, “historisch authentischen“ Strategietiteln oder, um es halt kurz zu sagen, Kriegsspielen auf. Kaum ein Gefechtsschauplatz der letzten 60 Jahre, der nicht sein eigenes Spiel spendiert bekäme. Ein Indiz dafür, wie sehr sich die Industrie am amerikanischen Markt orientiert, aber auch, wie wenig die Spieler als Konsumenten der ganzen zweifelhaften Ballerei scheinbar noch merken. Nebenbei weist der mittels Joypad-loser Peripherie eingeschlagene Weg so langsam aber sicher weg vom Mief der Hardcore-Spieler und hin zum Gaming für alle – beinahe jede Firma hat einen Karaoketitel, ein Tanzmattenspiel oder eine Sammlung von Minispielen für Sonys Eyetoy-Kamera im Angebot. In diese Kerbe schlägt auch das zum innovativsten Produkt der Show gekürte “Gametrack”, ein Controller inklusive Boxspiel, der die Bewegungen von zwei verkabelten Handschuhen abtastet und bereits für die nächste Ausgabe zum Probepunsh vorliegen wird. Da sich über die spielerische Qualität der einzelnen Softwaretitel nur schwerlich fundierte Aussagen treffen lassen, möchten wir euch zwei Neuheiten vorstellen, die zwar auf der GC nur hinter den Kulissen eine Rolle spielten, den Markt der Videospiele aber grundsätzlich neu ordnen könnten: die “Sony Playstation Portable” (PSP) und das “Nintendo Double Screen”.

Die Tragbaren
Als gestandener Spieler steht man dem Brimborium um zukünftige Hardwaregenerationen und ihre selten erfüllten Glücksversprechen, in neue Spielspaßdimensionen vorzustoßen, mittlerweile recht gelassen gegenüber. Etwas anders sieht es im Bereich der portablen Spielgeräte aus, denn die seit 15 Jahren währende Gameboy-Monokultur könnte durchaus frischen Wind gebrauchen. Handelt es sich bei der tragbaren Playstation um eine Handheld-Konsole mit wirklich atemberaubenden 16:9 – Bildschirm und einer Rechen- wie Grafikpower, die für Spiele in PS2 -Qualität vollkommen ausreicht, wird das Nintendo DS an die alten Game & Watch-LCD-Handhelds der Japaner anknüpfen und zwei übereinander liegende Bildschirme (daher auch DS für Double Screen) featuren. Der untere Bildschirm dient dabei optional auch als Touchscreen, außerdem soll das Nintendo Handheld eine Spracherkennung mitbringen. Die Hardwarepotenz der beiden Nintendo DS-Prozessoren wird denen der portablen Playstation, die ebenfalls zwei CPUs enthält, stark unterlegen sein, allerdings verfolgen beide Geräte unterschiedliche Strategien, ist die PSP doch eine Art slick designtes Multimedia-Center für die Anzugsinnentasche, die nebenbei auch Filme auf den Screen bringen wird. Das Nintendo DS hingegen schluckt weiterhin Module als Datenträger und soll GameboyAdvanced-abwärtskompatibel sein.

Spiele vs. Lifestyle
Während Nintendo sich also weiterhin rein auf Spiele zu konzentrieren scheint und damit primär vorhandene Zielgruppen bedient, will Sony mit dem PSP ins hippe Lifestylesegment der PDAs und iPods. Wie viele Menschen über diesen “Watchman for the 21st Century“ Filme gucken wollen, muss sich indes noch zeigen, trotzdem machen beide Konzepte durchaus Sinn. Eines war jedoch schon auf der vor der eigentlichen Messe abgehaltenen Entwicklerkonferenz zu spüren: Das Nintendo DS beflügelt allein durch seine frischen Möglichkeiten, mittels zwei Bildschirmen, Touchscreen und Spracherkennung, die Phantasie der potenziellen Programmierer, gänzlich andere Spielkonzepte zu entwickeln. Auf der portablen Playstation dürften uns dagegen eher bekannte Ideen in mobilen Edelkleidern begegnen. Sony legt die technische Latte zudem dermaßen hoch, dass Bedenken über die Batterielaufzeit und vor allem über den Verkaufspreis aufkommen. Das Nintendo DS wird Branchenkreisen zufolge in etwa die Hälfte der tragbaren Playstation kosten, dafür gehen die Module sicher wieder kräftig ins Geld. Sony plant für ihre runde 20 Euro. Beide, übrigens WLAN-fähige Handhelds, sollen bereits in den nächsten acht Wochen in Japan und USA erscheinen. Wir dürfen leider, wie soll es anders sein, mal wieder bis zum nächsten Jahr warten. Schade.

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Elektronische Lebensaspekte.