Mit Mark Herbert hat Warp Films einen alten Hasen im Filmgeschäft als Geschäftsführer, der gleichzeitig auch als Produzent für fast alle Filme verantwortlich zeichnet.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 135

Tasse

Aus dem Special in De:Bug 135: 20 JAHRE WARP


Mark:
Ich habe Film studiert, hier in Sheffield. Als ich 1991 damit fertig war, habe ich als Location-Manager für große Filmstudios hier in England gearbeitet. Noch in meiner Studienzeit spielte ich regelmäßig mit Freunden Fußball und da war irgendwann auch Rob Mitchell dabei. Er erzählte mir von seinem Label Warp und nach einer Weile wurden wir gute Freunde.

Wir haben sogar eine zeitlang nebeneinander gewohnt, hier ganz in der Nähe. Squarepusher wohnte auch nur ein paar Häuser weiter. Fußball, Bier, Partys. Das war unser Leben damals. 1999 habe ich dann eine ziemlich erfolgreiche Fernseh-Serie produziert: “Phoenix Nights”. Rob war dafür mitverantwortlich und hatte dann auch die Idee für Warp Films. Da konnte ich ihm wiederum helfen. Film und Musik sind zwei Wirtschaftszweige, die viel voneinander lernen können – man muss es nur richtig angehen.

Als der Businessplan fertig und die Finanzierung für das erste Projekt gesichert war, wurde Rob allerdings krank und starb kurze Zeit später. Ich habe dann Steve Beckett dabei geholfen, alles zu ordnen. Das ging los vom Papierkram bis dazu, einen neuen Besitzer für Robs Klavier zu finden. Ich lernte Steve besser kennen und er hat mich letztendlich davon überzeugt, mich um Warp Films zu kümmern.

Zu diesem Zeitpunkt wollte ich eigentlich meine eigene Produktionsfirma gründen, aber ich bin immer noch hier (lacht). Es hat sich einfach richtig und gut angefühlt. Unsere erste Produktion, Chris Morris’ “My Wrongs”, bekam dann gleich einen BAFTA (Preis der britischen Filmakademie) und wir spürten, dass sich Warp mit seiner starken Marke, seinem musikalischen Erbe, gut im Filmgeschäft etablieren könnte.

Mark

Debug: Trotzdem Warp aus einer anderen Ecke kommt, oder vielleicht gerade deshalb?

Mark:
Das Problem am Filmgeschäft sind die Studios. Regisseure werden verbrannt, die Budgets sind zu hoch und alles ist nur auf Profit ausgelegt. Wir wollten es wie ein Indie-Label machen. Kleine Budgets, komplette künstlerische Freiheit, Vertrauen.

Warp als Musiklabel steht für eine ganze Reihe von Qualitäten: verrückt, neuartig, schrill, aber eben auch Dinge wie einfach, klassisch und schön. Diese Bandbreite ermöglicht es uns bei Warp Films die unterschiedlichsten Projekte zu kuratieren. Vom Kurzfilm bis zum Spielfilm.

Die Ergebnisse können ganz unterschiedlich sein, aber dieses Warp-Gefühl schwingt immer mit. Und wir machen es wie eine Plattenfirma. Wir haben ein Interesse daran, dass sich die Regisseure Schritt für Schritt entwickeln und langfristig mit uns arbeiten: sehr ungewöhnlich im Filmgeschäft.

Debug: Was war das erste Projekt, das nicht von einem Warp-Künstler initiiert wurde?

Mark: Shane Meadows’ “Dead Man’s Shoes”. Aber auch da kam der Kontakt mittelbar über einen Warp-Künstler. Der Hauptdarsteller aus Chris Morris’ “My Wrongs”, Paddy Considine, kannte Shane gut und hatte verschiedene Male mit ihm gearbeitet. Shane war eines dieser verbrannten Kinder, das von seiner Produktionsfirma genug hatte.

Ich besuchte ihn zu Hause, er zeigte mit seine Kurzfilme, ich sagte, dass er das auf 90 Minuten ausdehnen sollte. Mit uns. Und da Paddy Considine unbedingt die Hauptrolle spielen sollte, aber schon für einen anderen Film verpflichtet worden war, blieb uns genau ein Monat für die Dreharbeiten.

Ich trieb das Geld auf und wir fingen einfach an. Ohne Drehbuch, einfach drauf los. Auch das wäre in der Filmindustrie eigentlich undenkbar. Aber unser Mut und die 700.000 Pfund, die ich auftreiben konnte, waren gut angelegt. Der Film gewann zahllose Preise und öffnete uns viele Türen.

Le-donk
Bild: Eine Szene aus “Le Donk”, der neue Film von Shane Meadows

Debug: Also läuft mittlerweile hier alles wie in einer großen Produktionsfirma?

Mark: Nein, nein. Ich gebe dir ein anderes Beispiel. Wir hatten Richard Ayoade auf dem Zettel, sehr talentierter Regisseur. Hat noch nie einen großen Film gemacht. Ich lade ihn also zu mir nach Hause ein und die Arctic Monkeys noch dazu. Die verstehen sich so gut, dass Richard gleich ein Video für sie gedreht hat.

Und im Anschluss noch Videos für die Yeah Yeah Yeahs, Kasabian, Vampire Weekend … und jetzt machen wir einen Film zusammen. Also bleibt es dabei. Lieber klein anfangen, sich mal über ein Video streiten, alles aus dem Weg räumen und dann mit Volldampf in das Spielfilm-Projekt: Der von Richard heißt übrigens “Submarine”.

Debug: Welche Projekte für die Zukunft sind schon so konkret, dass du etwas drüber erzählen kannst?

Mark: Chris Morris hat einen neuen Spielfilm in der Pipeline, eine Komödie über einen islamischen Terroristen, der Film heißt “Four Lions”. Dann kommt besagter “Submarine”. Im Oktober erscheint eine Koop von Shane Meadows und mir. “Le Donk” heißt er und ist auch der erste Film bei Warp, den wir mit unserem eigenen Geld finanziert haben.

Debug: Du bist schon lange mit Warp verbandelt. Wie stehst du zum musikalischen Profil des Labels heute?

Mark: Ich finde es perfekt. Ich bin älter geworden, Warp auch. Ich bin mit Techno aufgewachsen, gehe aber nicht mehr wirklich in Clubs. Darum freue ich mich, dass Warp heute auch akustische Musik veröffentlicht. Meine Lieblingsbands sind zur Zeit Gravenhurst und Grizzly Bear.

Debug: Und deine Alltime Top 3?

Mark:
Um Gottes Willen! Speedy J auf jeden Fall, “Pingpong” vom Album G-Spot. Es fällt mir wahnsinnig schwer, drei Platten zu nennen. Mit Warp verbinde ich eher Erinnerungen, als bestimmte Platten. Aber wenn ich mich auf ein Album einigen muss, dann Boards Of Canadas “Music Has The Right To Children”.

Aus dem Special in De:Bug 135: 20 JAHRE WARP

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.