Crossover geht überall. Bei 3deluxe treffen Grafikdesign, Innenarchitektur und das Immaterielle aufeinander. Aus diesem Designclash wird als vorläufiges Endergebnis "3deluxe Projects" bei Die Gestalten erscheinen. De:Bug probt das Immersionspotential der drei deluxer und geht total D.
Text: Moritz Sauer aus De:Bug 65

Die erste Kollision mit den grafischen Arbeiten von 3deluxe hinterlässt einen begeisternden Wow-Effekt. Phosphorisierende Farben durchfluten eigenwillige drei-dimensionale Konstrukte. Die Gebilde schweben im Raum und leuchten von innen heraus. Die Augen schweifen über transparente Flächen und technologisches Flair ohne direkten Inhalt. Fern der Realität scheinen die Objekte immateriell und trotzdem voller Energie, auf den zweiten Blick jedoch vertieft sich der Eindruck. Räumlichkeiten und Architektur treten in den Vordergrund und mit jedem weiteren Bild materialisiert sich der Raum. Ohne seine Leuchtkraft und virtuelle Ästhetik zu verlieren wird er begehbar, benutzbar und erhält seine Funktion als Aufenthalt und Kommunikationspunkt.

Grafik & Architektur

3deluxe formierte sich 1992 aus den Kommunikationsdesignern Andreas und Stephan Lauhoff sowie dem Innenarchitekten Nikolaus Schweiger, und wurde später komplementiert durch Dieter Brell. Mittlerweile auf ein interdisziplinäres Team von 15 Grafikern und (Innen-)Architekten angewachsen, entwirft man gemeinsam Räumlichkeiten in 2D oder 3D. Dabei befruchten sich die beiden Abteilungen (Graphic-)Design und Interior Design gegenseitig und arbeiten jeweils mit den gleichen Programmen wie Cinema, Softimage und üblichen DTP-Tools.
Das Ziel sind Synergieeffekte durch die Kopplung der beiden Lager. “Wir versuchen eine Form von moderner Kommunikation zu erreichen, die in der Architektur als auch in der Grafik sehr stark in das Immaterielle hineingeht. Das folgt der übergeordneten Idee, dass wir gerne das Immaterielle dazuholen würden. Es gibt nicht das Virtuelle und das Reale, es gibt nur das Gedachte und die Bedeutung ist das wichtige”, erklären die Lauhoff-Zwillinge.
Beide Ebenen versuchen sie mit ihrem Team immer wieder zu verbinden. Dabei erlauben sie sich den Luxus sich mit Dingen zu beschäftigen, die sie selbst faszinieren. Ob nun als Sportler (Surfboard-Design), Musikliebhaber (Cover & Flyergestaltungen) oder Raumgestalter (Boutiquen, Messestände), das Ergebnis und die atmosphärische Wirkung sind das Ziel.

Herzensangelegenheiten

Mit ihrem Buch “3deluxe Projects” legen die Kommunikationsdesigner nun nach einjähriger Arbeit eine Werkschau ihrer “Herzensangelegenheiten” vor. Orientierung in dem 224-seitigen Buch bietet ein Raster, dass in seiner reduzierten typographischen Struktur eigens für das Buchprojekt entwickelt wurde. Dabei lehnt sich die grafische Orientierungshilfe an Programmierfolgen an, wie man sie auch aus der elektronischen Minimal-Musik her kennt. Wo in Sequenzer-Programmen lange Striche bzw. Balken für lange Töne stehen, deuten sie hier auf einen größeren Themenabschnitt hin.
Mit wohl am spektakulärsten bebildert ist die Umsetzung des SCAPE Youth Media Pavillon, den 3deluxe auf der Expo 2000 präsentierten. Die gewollte Atmosphäre aus bionisch-organischen Strukturen wird hier noch einmal perfekt demonstriert und beweist wie kunstvoll zwei-dimensionales Design mit Lichtquellen und modernen Textilien in die Realität umgesetzt werden kann.

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Elektronische Lebensaspekte.