Wir dachten wirklich, dass das hier eine Qualifizierungsmaßnahme ist! aus De:Bug 129


Grafik: Harthorst

Auf der Datenautobahn ist die Hölle los: Die Jamba-Fun-Applikation “Nacktscanner” läuft nicht auf dem iPhone 3G. Trotzdem loadet sich jetzt jeden Tag eine neue Fun-Applikation von alleine down, natürlich kostenpflichtig. Und als die Fun-Applikation “Lügendetektor” dann noch seinen Schleimarschjazzrock-Klingelton löscht, ist Web 2.0-Staatssekretär Ferry Mossboek richtig angefressen. Dabei gibt es sonst eigentlich nur drei Dinge, die Ferry Mossboek die Laune verderben können: Nach dem Schnabulieren keinen Umsonst-Grappa kriegen, Regen auf Gran Canaria und die CDU-Internet-Expertin Dr. Nakisha Scheibelhut.

Nach einem schönen Gratis-Grappa tituliert Mossboek die Sonderbeauftragte der Bundeskanzlerin übrigens gerne als “blödes Ordnungshuhn”. Und seitdem sein persönlicher Referent bei Jamba in der Warteschleife hängt, pfeift unser Web2.0-Staatssekretär auf seine Besoldungsgruppe-B11-Ambitionen und sich dafür gerne schon vormittags den einen oder anderen Gratis-Grappa rein: Auch in der Besoldungsgruppe-B11 sind Mitarbeiter zufriedener, gesünder und produktiver, wenn sie sich über den Sinn ihrer Arbeit im Klaren sind!, erklärt Mossboek dem Homestory-TV-Team in seinem Domizil auf Gran Canaria, wo es gerade richtig schüttet.

Dafür haben Mossboeks Vorzimmerdamen ein Transparent mit dem Slogan “Runter von der Datenbremse!” genäht und ans Geländer des Frühstücksbalkons gehängt, von dem man “so einen herrlichen Blick über den Hafen” hat. Den penetranten Brackwassergeruch bekommen die Zuschauer daheim vor ihren Fernsehgeräten ja nicht mit, und Ferry Mossboek wird einen Teufel tun und ein Wort darüber verlieren, weil das natürlich eine Steilvorlage für seine Erzrivalin Scheibelhut wäre, die auf ihrer Finca hockt und nur auf die Gelegenheit wartet, dem Web2.0-Staatssekretär eins reinzuwürgen.

Als hätte die nicht selbst genug Dreck am Stecken, beispielsweise die Datenschwarzmarktgeschäfte ihres sauberen Gatten! Ferry Mossboek nippt verschwörerisch an seinem Umsonst-Grappa, das bleibt jetzt aber schön unter uns. Was ihr dagegen jederzeit schreiben dürft, ist, dass ich nicht oft genug betonen kann, dass gebrauchte MP3s auf dem Flohmarkt zu verkloppen total unzweinullig ist und bleibt, da kann sich die Sonderbeauftragte der Bundeskanzlerin auf die Hinterbeine stellen, so viel sie will! Wir dagegen erreichen was für die Bürgerinnen und Bürger! Beispielsweise haben Kreditkartenfirmen im vergangenen Jahr mit gut vier Milliarden Werbe-E-Mails ein Fünftel weniger Werbe-E-Mail-Schreiben versandt als 2007 und mit der Finanzkrise hat das höchstens am Rande etwas zu tun.

Staatssekretär Mossboek schlendert jetzt zum Tanning-Balkon seines Apartments rüber, wo schon die MySpace-Friends auf ihn warten, die sein persönlicher Referent geaddet hat, als in der E-Mail-Unterschriftenmappe mal wieder nur Spam war. Buongiorno Adorno, Hallöchen Popöchen, Heroin-spaziert! Ferry Mossboek, jetzt ganz jovialer BFFE, spendiert Umsonst-Grappa, aber Sandy & Mandy sind nicht beeindruckt: Siehste? Kein Gewinnspiel, sondern ‘n Vorstadtbesamer mit iPhone, hab ich’s dir gesagt, oder was?

Sandy nestelt triumphierend an ihrem Zehentanga, aber Mandy bleibt cool: “Nie wieder Alkohol, nie wieder Poppers, weniger Feiern” hätte trotzdem der Lösungssatz sein können und die Tickets waren umsonst, da musst du dich hier gar nicht aufbitchen, oder bin ich jetzt mit Hitler verwandt? Jetzt wird Ferry Mossboek doch noch nervös, Nazis sind ja immer umstritten, da hält er sich lieber raus: Mädels, wir sind im Fernseeehn! Echt? Wo denn? ZDF? Dann grüße ich meine Oma: Übertreib’s nicht mit dem Botox, rauchen ist OK, aber lass die Hände von der Spritze! Spritzen ist voll assi!

Und wenn Frau P. von der Job-Agentur das sieht: Wir dachten wirklich, dass das hier eine Qualifizierungsmaßnahme ist! Wenn jemand was gekürzt kriegen muss, dann dieser Prekariatspooper hier, der hat uns nämlich voll gelinkt! Später erklärt Web2.0-Staatssekretär Mossboek noch, dass alle Second-Hand-MP3-Händler ans Kreuz genagelt werden und wie er sich die Gewinnung sauberer Energie am Brandherd der Inneren Sicherheit vorstellt, dann bekommt das TV-Team einen Super-Duper-Bonus und der Abend wird noch richtig nett.

Für ein besseres Morgen: Komsumintensität entkoppeln, Mitwippertum ächten, Datenzäpfchen meiden und Hardcorependler sollen die Füße stillhalten, in ihrem Hamsterrad.

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Elektronische Lebensaspekte.