Oh böse für Lutschen? Oh böse am Latschen!
Text: Anton Waldt aus De:Bug 130


Harthorst sagt: Alles halb so schlimm!

Saufen, kotzen, Karussell fahren: Die Krise wandert vom Kopf in den Magen und macht Speckgürtelmama ganz kribbelig. Wie hoch steht das Wasser Speckgürtelmama? Drei Fuß hoch und steigend! Die Krise als solche boomt. Krise als Lifestyle ist total angesagt. Raus aus den Vampire Applications, ran an Low-hanging Fruit und auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Zum Beispiel auf die Möglichkeit, dass es Gott doch gibt und die katholische Kirche seit 2.000 Jahren Recht hat.

Wie bitte? Richtig gehört: Wenn deutsche Bischöfe “Gott statt Geld” fordern, werden geschasste Broker, arbeitslose Finanzjongleure und Sinn suchende Banker vom heiligen Geist durchsprudelt und die armen Sünder erkennen, dass Profit keine Lebensgewissheit ist. Goddammit! Damit hätten die Bischofs-Pappnasen aber echt mal ein bisschen früher rumkommen können. Es folgt das leidige Lied vom fanatischen Konvertiten, der es wissen will. Oh böse für Lutschen? Oh böse am Latschen!

Die Hochfinanzmeute pilgert nach Rom und folgt dabei dem Knaller-Claim aus der Bergpredigt: “Der Weg ist das Ziel.” Schwäbische Ketzer müssen für ihre Automobil-Häresie brennen, das Bankgeheimnis und seine Hüter werden im Zürichsee ersäuft und Alpenpässe mit bloßen Knien blutig geschliffen. So weit, so schon ganz schön geil, aber natürlich noch längst nicht geil genug für Gott. Das zaudernde Weichei auf dem heiligen Stuhl muss weg! Papst Benedikt XVI wird mit dem goldenen Handschlag verabschiedet, danach muss Joseph Alois Ratzinger für sein ewiges Zaudern am Kreuz büßen und Hartmut Mehdorn bringt als Papst Pius XXX den Saustall auf Vordermann (Schon klar, eigentlich wäre erst Pius XIII an der Reihe, aber XXX kommt einfach mal viel, viel schärfer).

Der Templer-Orden wird rehabilitiert. Großmeister Sarkozy organisiert die Aufrüstung mit Hellebarden und AK47. Die katholische Kirche steht endlich wieder unter Waffen und rüstet sich für einen zünftigen Kreuzzug. Mehdorn und Sarkozy stecken ihre geballten Superhirne zusammen und siehe, sie erkennen die Chance im tausendjährigen Versagen: Heute harren millionenmal mehr Ungläubige auf die Erlösung im Blutbad, als es sich Papst Urban II im Jahr des Herren 1095 jemals hätte erträumen können! Das gibt einen super-duper Bonus! Weihwaterboarding! Bad Bank-Überfall! OK, das ist dann wohl eine Bad Idee, Speckgürtelmama-Kribbeln hin, Krisen-Lifestyle her.

Aber das Denken wird ja dieser Tage sowieso immer breiter und flacher. Ein Phänomen, das von Experten als Pfannkuchen-State-of-Mind bezeichnet wird und große Schnittmengen mit dem Trend zu Äpfeln und Birnen aufweist: Werden die Schwänze kleiner, wenn die Porno-Industrie von der Krise erfasst wird? Dürfen sich Raver über die Krise freuen, weil sie Lagerhäuser leer stehen lässt? Der Don’no und das Bisschen hängen ab und wollen es wissen: Wenn die Porno-Schwänze genauso schnell schrumpfen, wie der Meeresspiegel Klimakatastrophen-bedingt steigt, kann das Internet wohl bald einpacken, weil zehn Zentimeter ja Weltmeeres-technisch nicht viel sind, aber Schwanz-pespektivisch ne ganze Menge, ne?

Dabei ist die Krise ohnehin eine Belastungsprobe der Geschlechterbeziehung, da gibt es kein Vertun, mich lullt niemand ein mit “halb so schlimm” oder “wird schon werden” oder “warten wir halt mal ab” oder “auch das geht vorbei” oder “mach dich mal locker” oder “davon geht die Welt nicht unter” oder “beruhig dich erst mal” oder “nur nicht den Kopf hängen lassen” oder wie sie alle heißen, ist doch wahr! Mitten in der Enthirnungsphase, diese unverbesserlichen Kiffer. Der Don’no rollt Filter aus Subprime-Papieren, das Bisschen redet sich um Kopf und Kragen: Springt der Raver wie ein Flummi, war die Pille wohl aus Gummi! Druff bleibt druff, da helfen keine Pillen. Für ein besseres Morgen: Googleburger und AfroButt Reader meiden, Klatschpappenfreundlichkeit pflegen, Juckbohnen in den Servicesack und bei Kopfschmerzen einfach mal das Frontend reloaden.

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Elektronische Lebensaspekte.