Der Klingeltonmarxist schaut polyphon in die Runde.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 132


Grafik: Harthorst

Fick mein´ Kopf! ShuffleFranz und der Klingeltonmarxist wollen die Absackprämie, aber auf dem Bürgeramt rücken sie nichts raus. Absackprämien gibt es nämlich nur für Fortbilder und Umschüler, aber ShuffleFranz und der Klingeltonmarxist wollen sich nicht zum Elektro-Chauffeur umschulen lassen: Da kriegt man ja dauernd einen gewischt!

Und überhaupt ist das mal wieder typisch, Leiharbeitslose und Kleineinkömmler müssen sich mit Elektroautos rumschlagen, nur damit sich die Bonzen mit einwandfreiem ökologischen Gewissen durch die Gegend kutschieren lassen können! Der feine Herr Bänker gibt beim Business-Lunch mit seiner ach-so-super-tollen E-Limousine an und der kleine Mann muss die Stromschläge einstecken! Die Reichen kriegen die Lachs-Häppchen vorne und hinten reingeschoben und wir müssen Batteriesäure schlucken! Aber nicht mit uns! Wir sind die Vorhut der arbeitenden Massen und lassen uns nicht im Elektro-Auto-Hamsterrad auspressen, und wir werden auch keine Batteriesäure lecken, damit die da oben ungestört ihre krummen Aktiengeschäfte machen können!

Der Klingeltonmarxist schaut polyphon in die Runde, aber ShuffleFranz will das Absackprämien-Problem jetzt gerne mit Vollomat-auf-die-Fresse-hauen regeln, und der Bürgeramtbeamte hat schon vor geraumer Zeit den Querulanten-Button auf seiner Schreibtischplattenunterseite gedrückt, weshalb jetzt – endlich – der lustige Problemerklärbär auftaucht, um die unerwünschte Kundschaft an die frische Luft zu expedieren: Erst ein drolliges Tänzchen, um die Stimmung zu lockern, dann erzählt der Problemerklärbär das Deeskaltionsmärchen:

“Ein kleiner Hase sitzt im Urwald und versucht, aus Kaffee Crack zu kochen, aber dann ist plötzlich der Zucker alle, und Zucker gibt´s im Urwald nur bei den Elefanten hinter dem Sumpf. Der kleine Hase hoppelt also los und durch den Urwald, als er plötzlich eine Giraffe sieht, die sich einen fetten Joint dreht. Der kleine Hase hält an und sagt zur Giraffe: ‘Giraffe, mein Freund, rauch die Tüte lieber nicht, komm lieber mit mir, und …”

Verwirrt von der heiteren Plüschgestalt und eingelullt von der einnehmend sonoren Stimme des Problemerklärbären, harren ShuffleFranz und der Klingeltonmarxist auf den Fortgang der Geschichte, aber da kommt auch schon der Knüppel aus dem Deeskaltionssack und gibt, von geschickter Plüschhand geführt, das Knochbrechertänzchen zum Besten: My ass is your ass and your ass is mine.

Später sitzen ShuffleFranz und der Klingeltonmarxist in der Smushi-Bar, futtern Weltniveaudelikatessen auf Smørrebrød-Basis und lecken ihre Wunden: Wenn zwei über den Atlantik schwimmen und einer ertrinkt, heißt das noch lange nicht, dass der andere durchkommt! Der Klingeltonmarxist schiebt sich ein Smøshimi in den Rachen und doziert beim Kauen munter weiter:

Das mit der Revolution ist ja vom Prinzip her eigentlich so wie die Sache der Diät-Frage: Keiner will eine machen, aber man muss sich trotzdem permanent Mühe geben – auch wenn man natürlich nie wissen wird, wie dünn man heute wäre, wenn man in der Vergangenheit konsequent gewesen wäre oder eben, wie dick man heute wäre, wenn man sich nie auch nur ein bisschen bemüht hätte – Ist doch klar, oder?

Aber ShuffleFranz hat schon vor langer Zeit aufgehört, dem revolutionären Geschwätz seines Kumpels zuzuhören, weshalb er eigentlich auch gar nicht das Thema wechselt: A propos tausendjähriges Versagen – Wusstest du, dass in Shrimps besonders viele Östrogene sind? In Kaugummi übrigens auch, das liegt an den Weichmachern, die die da rein tun, in die Shrimps und in die Kaugummis. Da sollte man mal was gegen unternehmen!

Für ein besseres Morgen: Schon zum Frühstück mal ein Schlückchen Klarsichtkonzentrat riskieren, Weichmacher legalisieren, Ecstasy, das nach Fisch müffelt, meiden, und die Krise auf keinen Fall als Chance begreifen.

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Elektronische Lebensaspekte.