Ohne Handy keine Kekse! Windchen pfeifen, die Temperaturen fallen und das Fixermobil wird im Suchtmuseum eingemottet.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 137

Ohne Handy keine Kekse! Windchen pfeifen, die Temperaturen fallen und das Fixermobil wird im Suchtmuseum eingemottet. Klarer Fall, der Herbst, das unausgegorene Pilotprojekt des Winters, naht. Rotzlümmel planschen durch Pfützen und lassen den Modder spritzen, im Unwellness-Hotel werden die Strohbetten aufgeschüttelt und die Radaubrüder im Glashaus kriegen sich wie jedes Jahr in die Haare: Steine schmeißen und frieren? Oder lieber mit dem Finger auf dem Globus auf große Fahrt gehen?

Nur die Nasensprayjunkies freuen sich wie Bolle, weil im Herbst der Nachschub rollt und sie ihren malträtierten Schwellkörpern endlich wieder nach Lust und Laune volle Breitseite eins draufsprühen können, ohne abschätzige Blicke der Mehrheitsgesellschaft fürchten zu müssen. Außerdem ist der Nachschub viel softer, wenn sich´s alle Welt ordentlich in die Nase besorgt und nicht nur die harten Afficianados, denen eingetrocknete Popel wie abgestorbenen Äste aus der Nase baumeln.

Ganz schön eklig, aber im Herbst kein Thema, problematisch wird´s erst im Dezember, wenn überall Glühweinstände aus dem Boden sprießen und leckeren Schnaps in Töpfen feilbieten, deren Dampf das Popelgeäst matschig und instabil macht. Und einen im Tee sollten wir doch immer alle haben, allein um im Fall eines Unfalls nicht dumm dazustehen: Eine Studie des Cedars-Sinai Medical Center hat nämlich jetzt ergeben, dass die Chance schwere Kopfverletzungen zu überleben mit einem Schwips deutlich steigen.

Abstinenzler sind deswegen natürlich schrecklich angepisst, aber Abstinenzler sind ja sowieso dauernd wegen irgendwas angepisst, im Zweifelsfall, weil nüchtern sein so schrecklich öd ist. Aber da können die Abstinenzler soviel jammern wie sie wollen, der Weg vom Subjekt zum Smartject führt nun mal unweigerlich über einen ordentlichen Schluck aus der Pulle, denn der stärkt die Abwehrkräfte und das ist heute besonders wertvoll, nach dem verheerenden Angriff der Foodwatcher auf unser geliebtes Actimel.

Die frechen Foodwatcher behaupten ja, dass – schwache Gemüter sollten sich jetzt besser setzen, was schwachen Gemütern sowieso ganz allgemein gut zu Gesicht steht – Actimel die Abwehrkräfte gar nicht stärkt. Ein starkes Stück. Und natürlich bleibt bei solchen Schmutzkampagnen immer irgendwas hängen, egal wie unbescholten das Opfer auch sein mag. Vor allem die Jugend ist völlig desillusioniert. Ausgemergelt und willenlos torkeln sie über Schulhöfe und durch die Shoppingsmalls, ohne jedes Interesse Hits in die Charts zu Voten, clever zu Shoppen oder an sonstigen altersgerechten Verhaltensweisen.

Besorgte Eltern, Lehrer und Verkäufer gucken aus der Wäsche und ernten doch nur anklagende Blicke aus fahlen Rucksackgesichtern. Fröhliche Emo-Kids, die eben noch mit rosigen Wangen den linkischen Gang mit hängenden Schultern übten, warten jetzt träge wie Fallobst darauf zu Boden zu stürzen, um langsam zu verfaulen.

Welches Monster ist nur zu so etwas fähig? Die Foodwatcher! Wie das schon klingt! Die WeightWatchers sind wenigstens Dicke, die sich bemühen, abzunehmen, damit das Gesundheitssystem entlastet wird und sie sich wieder ohne hämische Kommentare zu ernten ins Schwimmbad trauen können. Foodwatcher dagegen sind Dicke, die jeden Anstand verloren haben und nur noch ans Fressen denken. Foodwatcher sind davon besessen, sich mit XXL-Portionen vollzustopfen. Foodwatcher kriegen den Hals nicht voll, der Futterwahn hat sie fest im Griff und in ihrer geistigen Umnachtung attackieren sie dann redliche Kaufleute wie Danone, Kraft Foods und Unilever – Warum nur? Natürlich aus Futterneid! Dagegen sollte man mal einen zünftigen Kinderkreuzzug unternehmen!

Für ein besseres Morgen: Die maritime Todeszone meiden, denn da lauern Spreewaldgurkenfälscher und Trinkgeldpiraten, Powernörgler ruhig stellen und bloss nicht der Klappradhysterie verfallen.

One Response

  1. little moondog

    ja und was passiert wenn Sie im iglu vergessen werden und einfch dahinschmelzen?