Der Drittinhalt hat Datendrang.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 143


Illustration: Harthorst

Neulich hatten sie in der Contentbranche wieder den ärgsten Stress: Der Drittinhalt hat Datendrang, dem Prakti geht die Taschenbimmel und das Symbolwerkzeug rutscht ab. Schon liegt der Drittinhalt hilflos auf dem Rücken, der Prakti kennt sich natürlich nicht aus und ehe man’s versieht, nimmt das Unglück seinen Lauf. Bedauernswerter Drittinhalt. Erst wird ihm gründlich die Touchfresse poliert und als er sich heulend in der Gosse windet, die schöne Web-Inschrift ganz unleserlich verschmiert, rammt ihm ein dahergelaufener Vollhorst auch noch ein dickes Empfehlungs-PlugIn in den Allerwertesten. Autsch!

Vernichtende Bilanz für Jianca Bagger? Da kichern doch Berg- und Talibahn. Aber wie heißt es so schön? Der Dreck geht vor dem Besen. Und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen war auch schon mal einfacher. Im Bett bleiben hilft, aber eher früher als später muss auch der faulste Bauer einsehen, dass sich Bettgestell nicht auf Nachhaltigkeit reimt. Jedenfalls hier und heute nicht. Früher vielleicht, aber bei dem Thema sollte man sich ja vor Festlegungen in Acht nehmen, sonst war plötzlich früher alles besser und dann ist das Geschrei groß, aber niemand will es gewesen sein. Nur soviel: Wenn früher die Kacke am dampfen war, konnte man allein schon wegen dem Studentenfutter viel länger in der Heia bleiben.

Studentenfutter! Genau! Dufte Idee! Lange nicht gefuttert! Könnt ihr euch aber gleich wieder abschminken, außer Steve Jobs und immatrikulierten Islamisten knabbert schon lange niemand mehr Studentenfutter und da wollt ihr so oder so nicht dazugehören. Kippen sind auch aus. Also raus aus den Federn, rein ins Erlebniswetter und das bitte sehr ohne Theater und bloß nicht zähneknirschend. Weil, nämlich, die Wissenschaft hat festgestellt: Zähneknirschen ist kein positiver Umgang mit Stress. Erstens fehlender Relax-Effekt und so weiter. Zweitens vielfältige Schäden, Zähne abschleifen und so weiter. Wie es so weit kommen kann? Easy: tagsüber viel zu viel Stress, keine Muße fürs Zähneknirschen, daher nachts knirschen, also im Schlaf, praktisch unbemerkt.

Was man dagegen machen kann? Auch einfach: immer schön minding your own business, wie der Engländer sagt. Oder man ist Rentner. In der Senioren-Community ist Zähneknirschen nämlich kein Thema, weil die Dritten nach der Tagesschau sowieso rausgenommen werden und außerdem haben die alten Säcke gar keinen Stress, im Gegenteil: Sie langweilen sich was das Zeug hält und können gestresste Menschen nicht ab, weshalb Renter auch gerne Doping-Jäger werden. Und so jagen dann die Rentner, die es nicht mehr nötig haben zu dopen, weil sie prinzipiell keinen Stress mehr haben, die Doper, die einen gescheiten Stress haben, weil sie die Rentner durchfüttern müssen. Paradox: Bei der Dopingjagd kommen die Renter selbstverständlich ganz schnell selbst auf den Geschmack.

Aber wer will ihnen das verdenken. Wenn so ein Leistungssportler vor einem plattfüßigen Dopingrentner wegsprintet, hat der schon normalerweise keine Schangse. Und ordentlich gedopte Leistungssportler sind natürlich noch schneller. Die Weltdopingagentur gleicht einem Altersheim auf Speed, der Stoff spitze, die Stimmung prächtig und nach Feierabend wissen die Dopingrenter dann nicht, wohin mit der ganzen Energie und deshalb erobern sie jetzt auch das Internet. Ihr Hauptquartier heißt Feierabend.de und im “Webtreff für die besten Jahre” geht es knallhart zur Sache: Die Threads heißen “Allein mit Fernseher und Kirschlikör” oder “Wer Schulen, Kindergärten und Spielplätze in seiner Nähe hat, weiß: Kinder können ganz schön laut sein” und wenn Dopingrentner sich in Stimmung bloggen, gibt es überhaupt kein Halten mehr: “Darf ich die Wasserflaschen schon mal aufs Band legen, sie sind ziemlich schwer? Wissen Sie, ich habe Arthrose und Osteoporose, neulich habe ich mir das Schultergelenk gebrochen. Es ist zwar inzwischen verheilt, schmerzt aber immer noch.”

Für ein besseres Morgen: dritte Zähne für den Drittinhalt, wrestle your inner pig dog und immer dran denken: nicht der Platz macht die Leute schön, sondern die Leute den Platz.

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