Mausibautzi und Blubsibär im Nichtbackpfeifenlokal
Text: Anton Waldt aus De:Bug 113


Vektoren von Harthorst

Für ein besseres Morgen
Mausibautzi und Blubsibär gehen ins Nichtbackpfeifenlokal, um in Ruhe die wirklich wichtigen Themen zu besprechen. Können Tracks zu lässig plockern? Ist die Klimadebatte nur ein neuer Trick, um arme Schweine im Dreck zu halten? Stellen ätherische Öle im Klassenzimmer einen Ausweg aus der Bildungsmisere dar? Mausibautzi und Blubsibär schleudern die Fragen auf den Tisch und werfen ihre Stirne in Falten. “Stirne”? Oder vielleicht doch “Stirns”? “Es muss natürlich ‘Mausibautzi und Blubsibär werfen die Stirn in Falten’ heißen!” verkündet Mausibautzi, als Blubsibär plötzlich ein Urinbecher auf den Kopf knallt und ihm die salzige, sattgelbe Pisse eines Nichtbackpfeifenlokal-Stammgastes an der Nase herunterläuft. “Und sowas” spinnt Mausibautzi seinen Faden anlässlich dieser unflätigen Attacke weiter, “und sowas kommt davon, wenn ein Nichtraucherverband ins Kampagnengeschwafel abdriftet. In einer Gesellschaft, die ein ‘Nichtbackpfeifenlokal’ hervorbringt, schafft es auch ein ‘Urinbecherweitwurf’ in den Duden und ins TV-Kinderprogramm.” Blubsibär ist anderer Meinung: “Es heißt ‘Kinder-TV-Programm’ und nicht ‘TV-Kinderprogramm’, du Spast!” Mausibautzi und Blubsibär sind eben richtige Klugscheißer.

Können Tracks zu lässig plockern? Ist die Klimadebatte ein neuer Trick, um arme Schweine im Dreck zu halten? Stellen ätherische Öle im Klassenzimmer einen Ausweg aus der Bildungsmisere dar?

Ja. Ja, aber nicht ausschließlich. Nein.

Duftexperten kann man auf gar keinen Fall vertrauen. “Schon mit ein paar Tropfen französischem Lavendel- und einem Spritzer Citrusöl wird alles gut. Man muss nur in allen Schulen digital gesteuerte Duftspender aufstellen.” So was hat’s noch nicht gegeben, als nur ganz wenige Schnösel private Lehranstalten besuchten und alle anderen Rotznasen einfach auf den kürzest möglichen Schulweg geschickt wurden. Kein Markt für digital gesteuerte Duftspender damals. Ganz anders heute, jedenfalls treffen die Duftexperten mit ihrer Hysterie die elterliche Gemütslage in der Möglichkeitsgesellschaft. Das lockert den Konsumschließmuskel. Jetzt noch ein Klaps mit dem Statistik-Knüppel und die Chinesen können losproduzieren: Nach zehnwöchiger Beduftung im Klassenzimmer können sich angeblich 39 Prozent der betroffenen Schüler besser konzentrieren. Das sind dann wohl die Vanity-Fair-Leser. Harmlose Spinner, die sich mit Sternzeichen auskennen. Aber auf die 33 Prozent der Schüler, die qua französischem Lavendelöl weniger Aggressivität verspüren, sollte der Verfassungsschutz aufpassen. Vor allem um die “wenigen Schüler” , die sich durch den Geruch gestört fühlen, vor den Hackebeilchen der Esoteriker zu beschützen. Wir brauchen sensiblen Nachwuchs, der den Widrigkeiten der Möglichkeitsgesellschaft trotzt und daher auch Citrus-Duft nicht einfach hinnimmt.

In der Logik des Möglichen muss ja immer alles zugespitzt zum schlimmen Ende gedacht werden, egal ob es sich um Pädagogik oder Terrorgefahr handelt. Im ersten Fall führt das dazu, dass sich niemand die Chancen entgehen lassen darf, die ätherische Öle vielleicht haben könnten. Im zweiten Beispiel wird ein ostdeutsches Seebad nach dem “Konzept der ausgestreckten Faust” so eingeigelt, als ob jenseits des Stacheldrahtes Falutscha läge. In jedem Fall eliminiert die Logik des Möglichen alle Grauzonen, sie kennt nur die gute und schlechte Nachbarschaft, den verdächtigen und den schuldigen Bürger, das Beste fürs Kind oder dessen grobe Vernachlässigung. Unter solchen Umständen sind sogar Knalltüten wie Mausibautzi und Blubsibär erfrischende Erscheinungen, weil sie mit ihrem Korinthenkackertum permanent Gewissheiten in Frage stellen und in Facetten der Varianten schwelgen. Für ein besseres Morgen: Zu lässiges Plockern vermeiden, Handy-Verbot für Elektrosensible und Verfassungsrang für den Grauwertschutz. Schlagt den Feuilleton-Katholizismus, wo ihr könnt!

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Elektronische Lebensaspekte.