Max Mustermann: Islam-Boy oder Islamlobby?
Text: Anton Waldt aus De:Bug 115


Grafik: Harthorst

Schleimbatzen schießen beim Husten mit einer Höchstgeschwindigkeit von 900 Stundenkilometern aus dem Rachen. Nervenimpulse vom Rückenmark in die Muskulatur bringen es dagegen nur auf 430 km/h. Was das bedeutet? Oberflächlich betrachtet, stellt sich der Befund wohl so dar: Man kriegt schneller einen gehustet als eine gelangt.

Aber wenn man nicht locker lässt, wenn man unbeirrt nachbohrt und nicht auf das Regierungsgewäsch reinfällt, das uns zu Roboter-Sklaven machen soll, dann bedeutet der Befund wohl ganz ohne jeden Zweifel: Das Sommerloch fühlt sich manchmal wie eine Afterhour ohne Aschenbecher an. Zum Beispiel das Ende des Rentnertellers. Natürlich eine Intrige des Establishments, mit dem ZDF als Speerspitze: nie mehr Erbsen & Möhrchen mit weißer Soße und Putenfilet! Und damit die alten Trottel auch kapieren, wo der Hammer hängt, werden die “Lustigen Musikanten” abgesetzt.

Heino führt seine Rentnerarmee in die Gebührenschlacht: Ohne die “Lustigen Musikanten” keine Gaudi, ohne Gaudi keine GEZ-Gebühr! Faltige Dekolletes in Wallung, aber auch der Feind ist voll auf Zack: “Derjenige, der Rundfunkgeräte zum Empfang bereit hält und die fällige Rundfunkgebühr ganz oder teilweise nicht leistet, begeht eine Ordnungswidrigkeit.” Mein lieber Herr Gesangsverein, das hat gesessen! Heinos Kohorten, geschwächt vom Ende des Rentnertellers, wanken. Möhrchen mit weißer Soße und Putenfilet, das wär’s jetzt! Stattdessen gibt’s noch einen drauf: “Wer zu einer Ordnungswidrigkeit aufruft, handelt bereits ordnungswidrig.” Die Rentnerarmee muss sich setzen und Heino ist ohnehin mit seinem inneren Auge beschäftigt, vor dem bereits die Knast-LP Formen annimmt: Ghost will come and kiss our ass! Der Ignorebutton klemmt, Kühe auf Klimadiät stellen das Furzen ein, und das Nutellabewusstsein der Nation verabschiedet sich durch den Abfluss. Sommerloch eben.

Nur im Internet ist die Hölle los. Der Thread “Islam-Boy oder Islamlobby?” quillt schon lange heillos über, aber auch der Küchentischsoziologenknaller “Aus die wird nüscht!” macht fett Welle: “Die Jugend denkt nicht weit genug”, sagt der Berliner Datenschützer Alexander Dix. Spaßgesellschaft, aufgepimpter MySpace-Exhibitionismus, Generation Egoshooter, eh schon wissen: Hyper-Bullshit, total verdörrt, weil er schon so lange aus dem Hals hängt. Wahrscheinlich muss man es über jedes Arschgeweih tätowieren, damit es die Generation Rentnerteller endlich kapiert: Die Jugend soll auf keinen Fall weit genug denken und schon gar nicht an die eigene Zukunft. Die Jugend soll kopflos voranstürmen und sich dabei ordentlich die Nase einditschen. Aber das Verhältnis zwischen Äpfeln und Birnen zu wahren, fällt schwer, wenn die Gier nach Erbsen & Möhrchen mit weißer Soße und Putenfilet überhand nimmt.

Das Gehirn wird in so einer Ausnahmesituation ja schier mit Stoffwechselmüll überschwemmt. Noch eine Prise Paranoia dazu, und schon sprudelt das Ich geb’ euch Terror und ihr gebt mir das Internet-Gewäsch aus allen Poren. Da zieht sich die Jugend lieber Brutalobeats rein und denkt nicht im Traum daran, die Säcke aus dem Demenzservicezentrum um ihre Flakhelferpubertät zu beneiden. OK. Unfair. Zu viele Birnen und kaum ein Apfel. Das hat nicht mal Schäuble verdient, und auch die größten Lumpen sollen ein faires Verfahren erhalten.

Auftritt Max Mustermann, Womanizer, Medienliebling und spitzfindiger Verteidiger afrikanischer Kleptokraten in Den Haag: “Innenminister sind ja eher wie Socken! Es muss einen geheimen Ort geben, dessen Existenz alles erklärt. So was wie das Sockenland, in dem die Füßlinge ihr Gnadenbrot erhalten, während wir den Kopf in die Waschmaschine stecken und uns wundern. Analog dazu muss es irgendwo einen Planeten der Innenminister geben, dessen Atmosphäre zu 100 Prozent aus Angstschweiß besteht. Oder wenigstens eine geheime, aber global operierende Restaurantkette ‘Planet Innenminister’. Deren T-Shirts sollten mal boykottiert werden!”

Für ein besseres Morgen: Max Mustermann in den Lachsack treten, Harmonieknutschis für die Lieben, Kulturpessimisten in weißer Soße ertränken und noch mal zehn Jahre Contentwirtschaft ohne Sinn und Verstand.

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Elektronische Lebensaspekte.