Wenn die Tinte aus ist, wird mit Blut geschrieben
Text: Anton Waldt aus De:Bug 116


Grafik: Harthorst

Wenn die Tinte aus ist, wird die Geschichte mit Blut geschrieben: Im Supermarkt drückt sich der Mittelstand an der Fleischtheke rum und lauert auf eine günstige Gelegenheit, um die Ekeleier der Deutschen Frühstücksei GmbH mit den guten Biowerteiern zu vertauschen.

Weil, mal ehrlich, Hand aufs Herz: Würden Sie ihren Kindern Ekeldöner zum Frühstück kochen? Eben. Und mit was werden die Zombiehühner aus der Legebatterie wohl am liebsten gefüttert? Ekeldöner, logisch. Und aus was wird der wiederum gemacht? Aus Zombiehühnern, klare Sache. Ein verheerender Kreislauf des organischen Ekels, der sich da in der niedersächsischen Gülleebene zwischen Hannover und Bremen ausbreitet. Wesselkamp. Hastrup. Bonrechtern. Jedes Ortsschild ein Aufruf zu Schulterklopfen, Völkermord und Schnaps. Findet jedenfalls der Mittelstand, und deshalb lauert er auf Gelegenheiten, den Eiertausch zu vollziehen. Natürlich auch, weil die guten Biowerteier preislich eine blanke Unverschämtheit sind.

Tschö mit Ö

Und an der Eiertauschbörse im Supermarkt weiß man die Zeichen an der Wand zu lesen, und die sagen: Du sollst nicht scheitern, sondern verelenden! Am Anfang haben natürlich alle gedacht: Was soll’s, eh alles Asis, sollen doch vergammeln, dann machen sie wenigstens nicht noch mehr Kevins und Mandys. Jedenfalls hat am Anfang niemand die Drohung eines sinnentleerten Lebens mit Inkontinenz und Schleppe auf sich bezogen. Aber inzwischen schlottern sie alle. Dumm gelaufen Sportsfreund, Scheiße passiert, Tschö mit Ö.

Inzwischen ist es sogar um Max und Erika Mustermann übel bestellt. Alles wird irgendwie immer klebriger. Egal wie oft sich Erika die Hände wäscht: Es pappt. Und mit weiteren Niederschlägen ist zu rechnen. Zum Beispiel: Telefonterror schon in aller Herrgottsfrüh. Erika langt mit pappiger Pfote nach dem Handy, diese Nummer kennt sie nicht, daher: Mach doch auch mal was, Max! Aber Max hat seinen Morgentatterich. An dem ist bestimmt der viele Stress schuld. Oder die Weichmacher im Plastikzeug aus China. Wobei China ohnehin der größte Schmerz im Arsch von Max Mustermann ist, und so ein gelber Angstschmerz im Arsch macht mächtig Stress! Egal, die Chinesen sorgen so oder so für Max Morgentatterich, und Max ist deshalb mächtig angefressen, weil er sich morgens vor lauter Tattern nicht mehr vernünftig am Arsch kratzen kann. Und Max Mustermann ist schon immer wahnsinnig analfixiert gewesen, weshalb er sich morgens schon immer mit Hochgenuss und ausgiebig am Arsch gekratzt hat – jedenfalls bis ihm die Chinesen in die Quere kamen.

Bakterienfürze

Und jetzt fängt Erika anscheinend schon vor dem Aufwachen mit dem Keifen an, soll sie doch selbst an ihr pappiges Handy gehen. Erika fuchtelt mit dem klingelnden Telefon vor Max Gesicht, das Telefon klingelt Für-Elise, Max muss was unternehmen. Entschlossen packt er mit der linken Tatterhand die rechte und drückt sie zwischen seine Pobacken. Wenigstens ein bisschen Kraulen. Jetzt ist es an Erika, Maßnahmen zu ergreifen, Max gebärdet sich wie ein Dildo-Freak mit einem bösen, epileptischen Anfall, widerlich. Entschlossen drückt Erika die Taste mit dem grünen Telefonhörer und nimmt den Anruf eines Unbekannten zu nachtschlafender Zeit an. Max ist baff und hält inne, Erika meldet sich mit entschlossener Stimme: Mustermann! Wer spricht?

Dolle Sache. Erika erzählt Max an diesem Morgen mindestens fünfmal haarklein, was der Mann wollte. Und Max hört ausnahmsweise konzentriert zu, sogar beim vierten Mal, obwohl er da gerade die Seite mit Tittenmaus aufgeschlagen hatte. Dolle Sache. Nämlich: eine offizielle Angelegenheit: Der Mann vom Amt sucht nämlich den Schießbefehl. Bevor noch was passiert. Und wo man schon fast auf Amtshilfeniveau mit der Bürgerin redet: Jetzt wo die Kühe auf CO2-Diät sind und das Grönlandeis aufatmen kann, sollte man sich den Details zuwenden und da wäre konsumentenseitig doch beim Schweizer Käse anzusetzen, weil dessen Löcher ja durch Bakterienfürze entstehen, die dann am Küchentisch der Mustermanns entweichen, wenn Max sich noch ein Stück absäbelt. Aber den Schweizern hat Max im Grunde genommen sowieso nie getraut: Is doch eh total die Ökowelle alles, in LA fahren alle nur noch Fahrrad, fast wie früher in China. Dafür fahren die Chinesen jetzt unsere Autos. Au Backe.

Für ein besseres Morgen: Lieber lachen als kotzen, Börsenversteher mit klebrigen Händen schütteln und zwischendrin die Gehirnfatzkerei auch mal abschalten.

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Elektronische Lebensaspekte.