Einangstpolitik: Fisch wird sicher nicht billiger
Text: Anton Waldt aus De:Bug 110


Vektoren von Harthorst

Für ein besseres Morgen
“Fisch wird sicher nicht billiger”, behauptet Matthias Keller, Geschäftsführer des Hamburger Fischinformationszentrums. Herr Keller hat gute Argumente, zum Beispiel, dass der Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch gerade auf 15,6 Kilogramm per annum geklettert ist, vorher waren es nur schlappe 14,7 Kilogramm. Deutschland isst mehr Fischstäbchen, der Preis klettert, ein Punkt für Herrn Keller. Oder dass es sich 2048 ausgefischt hat, und zwar weltweit, wenn so weitergefischt wird, wie bisher: “Das habe ich nicht im ‘Spiegel’ gelesen, das stand in ‘Science’!” trumpft der Geschäftsführer des Fischinformationszentrums über die Niedrigpreis-Propheten auf, eine gedungene Bande gefallener Wissenschaftler und drogenabhängiger Ärzte, samt und sonders vom Fleischinformationszentrum geschmiert.

Herr Keller steckt sich einen “Trendfisch Seelachs” in den Rachen und kostet seinen Triumph schweigend aus, was eine Menge Leute ziemlich nervös macht, Leute die sich dem trendigen Verlautbarungsbasar verweigern und Herrn Keller deshalb sein persönliches Engagement übel nehmen, weil das zeigt, wie schlaff sie selbst an Körper und Geist sind: Allen voran verweichlichte Jugendliche, schwammige Körper, bleich und dumme Fressen. “Wir sind fortpflanzungsträge,” sagt die matschige Jugend, “wir stehen auf Gammelbetrieb und sehen es überhaupt nicht ein, auch noch mit Fisch um Aufmerksamkeit zu buhlen, neoliberale Scheiße!” Eigentlich gar nicht so unsympathisch, die Jugend – wenn sie bloß nicht so schlabbrig wäre. Aber so dreht sich das gnadenlose Rad: Wenn man dauernd der Outputlücke hinterhershoppen muss, sinkt die Selbstvermarktungsfähigkeit und die langfristige Durchschnittskostenstrategie ist Makulatur.

Deutschland, ein Winterschläfchen, und wenn wir dann endlich mal aus den Federn kommen sollten, lassen wir uns einfach von Chinesen erklären, wie der Hase läuft, weil die das ohnehin besser wissen: Alleine wie sie aller Welt keck vorführen, dass der Kommunismus doch funktioniert – Sagenhaft, vor allem angesichts des hierzulande hektisch abgebrochenen Versuchs angesichts eines kleinen Zwischentiefs. ´nough said, die haben es jedenfalls faustdick hinter den Ohren die Chinesen. Logisch, dass sich deutsche Parteistrategen bei den angesagten Think-Tanks in Peking und Shanghai die Klinke in die Hand geben, begierig saugen sie den Besserwissernektar auf, um die Essenz zu exportieren, es heißt ja nicht umsonst “Reich der Mitte” und Mitte wollen doch irgendwie alle Parteien sein. Neben Schuhen, T-Shirts und Laptops aus chinesischer Produktion werden wir also nach dem Mittagsschläfchen auch mit chinesischer Eindingpolitik beglückt, nach dem Smashhit “Einkindpolitik” avanciert nämlich gerade die “Einhundpolitik” zum heißen Ding der Pekinger Saison: Ohne jede abendländische Biosentimentalität wurde gerade verfügt, dass in der Stadt pro Familie nur noch ein Hund OK geht.

Großes Hallo in den Garküchen, in Deutschland müsste man dieser Doktrin folgend vor allem die Einangstpolitik propagieren, drakonische Staffelstrafen für Zweit-, Dritt und Viertängste inklusive. Dann hieße es: Entweder vor dem Ozonloch zittern oder die Gammelfleischfurcht zelebrieren, beides ist nicht mehr, sonst gibt´s 12 Stockschläge auf die blanken Fußsohlen (Und für alle, die davor Angst haben, gleich noch mal 12 extra). Entweder das Abendland geht unter oder die Alkoholsteuer wird verdreifacht, wer vor beidem Angst hat, muss bis auf weiteres Sonderschichten im chinesischen Adidas-Sweatshop schieben. Allen, die sich für diese stressigen Zeiten wappnen wollen, kann schon jetzt empfohlen werden, den Nanobody auf dem Relaxsessel zu parken und es der Jugend nachmachen: Einfach aus dem Rattenrennen aussteigen, auch wenn dabei der Bauch schlabbert.

Für ein besseres Morgen: Paragastronomie aufsuchen, die Sache mit der Mitte dedifferenzieren, mal auf ein Regionalpils im Demenzservicezentrum vorbeischauen und immer schön Unternehmenspersönlichkeitsrechte mit Füßen treten.

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Elektronische Lebensaspekte.