Sabotiert die Umtriebe der Lama-Gere-Bande!
Text: Anton Waldt aus De:Bug 112


Vektoren von Harthorst

Für ein besseres Morgen
Eigentlich geziemt es sich für wackere Atheisten ja nicht, sich über religiöse Machenschaften zu echauffieren. Das bekommt nämlich schnell einen fanatischen Beigeschmack, was unter wackeren Atheisten als extrem unschicklich gilt, weil die Hirngespinste anderer Menschen nicht zu ernst genommen werden sollten. Heftig angefeindete Hirngespinste fühlen sich ja meistens bestätigt und wichtig genommen und so weiter.

Für einen wackeren Atheisten ist Religion dann am schönsten, wenn sie in Gestalt unterhaltsamer Dinge daherkommt, die einem so was von Schnuppe sind. Drollige religiöse Outfits sind beispielsweise ein unerschöpflicher Quell der Freude für gelassene Atheisten: Props für aufgetakelte katholische Bischöfe und bemalte hinduistische Gurus! Schön auch, dass Schweineohren in der koscheren Bäckerei um die Redaktionsecke “Zuckerohren” heißen. Vor allem wenn sie genauso aussehen und so viel kosten wie Schweineohren, aber fast so köstlich sind wie die Schweineohren aus Barcelonas Meisterbäckereien (In Barcelona muss man Schweineohren essen, im Rest Spaniens vielleicht auch, keine Ahnung). Dass Buddhismus mit zwei “d” und “h” geschrieben wird, ist dagegen bereits eine üble Schikane der religiösen Fundamentalisten. Klar, zwei “d” und “h” kommt halt irgendwie “speziell” rüber. Da soll wohl allen eingebimst werden, dass Budisten etwas ganz Besonderes sind. Und wenn diese Sorte dünkelhafter Scheiße es einmal in den Duden schafft, bleibt sie da garantiert auch kleben, jedenfalls bis die Gläubigen ihren “ganz besonderen” Tag des Weltgerichts haben. Der ja beispielsweise bei den Budisten nie kommt, weil sie auch in Fragen des jüngsten Gerichts aus der Reihe tanzen müssen. Dieser Lama-Gere-Bande sollte wirklich mal einer das Handwerk legen!

Zuerst muss aber natürlich der Feuilleton-Katholizismus bis aufs Messer bekämpft werden, dessen Sendungs- und Missionierungs-Wütigkeit sogar eingefleischte Mormonen aus der Scientology-Führungsetage erblassen lässt. Der Feuilleton-Katholizismus will uns einreden, dass früher alles besser war. Dabei tut er zwar oberflächlich so, als ob er auf keinen Fall das Früher meint, in dem Nazis auf Dinosauriern durch die Gegend ritten, um anständige friedliebende Menschen zu terrorisieren. Aber auf so was stehen Fundamentalisten in Wahrheit doch wie geschnitten Laib-Christi zum Frühstück. Der Feuilleton-Katholizismus hat jedenfalls schon beängstigende Erfolge errungen, vor allem mit seiner Leidenschaft für Verbote, Strafen und die Stigmatisierung armer Schweine. Rauchen, Bierdosen-Wegschmeißen, Stütze versaufen, die geile Billigsause nach Malle, Pornos auf dem Handy … alles schon so gut wie erledigt. Perfide sind dabei die Kollateralschäden am Recht auf ein gutes Gewissen. Das hätte man zwar eigentlich eher Feuilleton-Protestanten zugetraut, aber die gibt es wohl gar nicht.

Wie dem auch sei, das Recht auf ein gutes Gewissen ist auf jeden Fall schon ziemlich sturmreif geschossen und den Stigmatisierungs-Strolchen geht die Munition noch längst nicht aus. Der nächste Streich könnte beispielsweise gegen das Passivschnarchen gehen, aber auch beim Klassiker Mülltrennung ist noch einiges drin: und zwar nicht trotz, sondern weil das Maschinen inzwischen viel effizienter erledigen als der Konsument. Je absurder die Verhaltensregel, umso größer der moralische Hebel. Die Gängelung von Rauchern ist unterdessen ein bisschen anders, aber nicht weniger brisant gelagert: Vielleicht ist eine rauchfreie Welt wirklich eine bessere. Nur kann niemand wirklich absehen, wie eine Nichtraucher-Gesellschaft drauf sein wird. Vielleicht ist sie wirklich so trist, wie führende Pop-Theoretiker mutmaßen, vielleicht wird sie auch ganz prima. Vielleicht wird die nichtrauchende Menschheit viel gesünder, aber auch viel unglücklicher, weil die Ex-Raucher massenhaft richtig üble Ersatzhandlungen begehen. Fehlgeleiteter Alkoholkonsum beispielsweise, wofür das Trinkverhalten des Nichtraucherpioniers Irland spricht: Wenn Iren bechern, dann durchschnittlich heftiger als andere EU-Nationen. Und der Drang zum Komasaufen führt ja nun leicht zu mehr totgefahrenen Mitbürgern, mehr grün und blau geprügelten Lebensabschnittspartnern und mehr Vandalismus. Das sollte mal seriös untersucht werden, bevor das gesellschaftliche Klima nachhaltig vergiftet ist und am Ende wieder Nazis auf Dinosauriern durch die Gegend reiten, um anständige und friedliebende Menschen zu terrorisieren.

Für ein besseres Morgen: Ignoriert die Zeigefingerdramen! Sabotiert die Umtriebe der Lama-Gere-Bande! Schlagt den Feuilleton-Katholizismus, wo ihr könnt!

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Elektronische Lebensaspekte.