Lesen, was Anton Waldt für Morgen vorsieht: Prophetisch, geschmackssicher und garantiert nicht unparteiisch.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 77

A BETTER TOMORROW
Wie Marusha selig schon Anno dunnemal vorbildlich formulierte: Es gibt keinen Underground, es gibt keinen Overground, es gibt nur noch Ground. Und der wird immer härter. Mobiltelefone explodieren am Ohr, Tiger essen Hirn von Las Vegas auf und Kinder tragen treudoof SS-Runen auf der Stirn. Der gemeinsame neue Rentenreformplan von New Labour und dem deutschen Kommando Spezialkräfte rechnet konsequent zwei durchschnittlich esoterisch verblendete Kinder auf einen zukünftigen Landser hoch. Und die letzten original SS-Männer machen unterdessen schon mal Klarschiff und wickeln 58 Jahre nach der letzten Zyklon-B-Lieferung die IG Farben stilgerecht mit ein bisschen Insider-Handel ab. Der Fluchtpunkt der deutschen Chemieindustrie ist aber leider, leider zahlungsunfähig und ob frühere Zwangsarbeiter der IG aus der dafür vorgesehenen Stiftung künftig noch entschädigt würden, sei nochmal leider eher ungewiss, erklären die Liquidatoren. Dafür soll die Stiftung noch mal ganz pragmatisch als Klage-Vehikel herhalten, um zwei Milliarden von der UBS abzustauben. Und wenn dieser, jetzt aber echt letzte IG-Coup hinhaut, bekommen die dann noch lebenden Zwangsarbeiter ganz vielleicht doch noch was ab, erklären die Liquidatoren weiter, wobei sie unter dem Konferenztisch schwitzig ihre Pervitin-Röhrchen befingern. Letzteres soll aber ihr Privileg bleiben, weshalb die Eltern der kleinen Runenträger jetzt schon für 30 Euro ein praktisches Set kaufen dürfen, mit dem täglich alle verdächtigen Gegenstände im Kinderzimmer auf die Errungenschaften deutscher Erlenmeyerkolben-Genies hin getestet werden können. Der Ground ist eben hart und meistens auch uneben und wer da auf die Nase fällt, kann sich gleich nochmal dranfassen. Diese Bewegung ist überhaupt schwer angesagt, dieser Tage: Da hat man ein Jahrzehnt Maschinen, Plastik und Beton gefordert und die grausamen Konsequenzen nicht überrissen. Mensch-Maschinen wie Bohlen und Hohmannn sind die grausame Strafe, die jetzt und SO natürlich niemand gewollt haben will. Und Plastik wie Preluders oder öffentlich-rechtliches Bunte-TV mal gar nicht. Da darf dann nicht gewundert werden, wenn die Nase auf den Beton der besten Deutschen unangenehm hart aufschlägt. Andererseits traut sich – verblödete, dekadente Jugend! – zum Konzept mit dem Plastik, dem Beton und den Maschinen keine akzeptable Alternative aus der Deckung und deshalb bleibt derzeit nur die Hoffnung, dass sich doch noch geschmeidigeres Plastik, bessere Maschinen und viel härterer Beton blicken lassen. Für ein besseres Morgen: Zungen abschneiden, die dauernd “Rockröhre” sagen, Unebenheiten beachten und immer schön den Griff an die Nase trainieren.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.