Paradekonsumenten, voll korrekt
Text: Anton Waldt aus De:Bug 112


Nachdem der Klimawandel auch unter konservativen, wirtschaftsfreundlichen Ungusteln als ernst zu nehmendes Problem gilt, nehmen sich alle unmöglichen Menschen, Parteien und Vereine der Sache an, beispielsweise die Briten von “Global Cool”. Das Projekt besteht gleich aus einem ganzen Bündel verschiedener Ansätze, zunächst sollen Musik-Testimonials wie The Killers, Sonic Youth oder die Scissor Sisters das Bewusstsein der träge den Planeten zugrunde furzenden Masse schärfen. “Kohlenstoff-neutrale Bürger” bekommen auf der Global-Cool-Site die üblichen Tipps (Stand-by vermeiden, möglichst nicht Fliegen, etc) und natürlich können sie auch zur Sache kommen: und spenden. Die Einnahmen werden dann in die inzwischen gängigen Maßnahmen zur CO2-Bindung und -Vermeidung gesteckt.

Das ist natürlich alles irgendwie eine ehrenwerte Angelegenheit, hat aber den inzwischen ebenfalls gängigen Haken, dass die Idee der individuellen Verantwortung zum Maß aller Dinge erklärt wird. Dabei sollte eigentlich klar sein, dass ein globales Problem wie der Klimawandel eben nicht durch die Summe vieler kleiner guter Taten gelöst wird, sondern durch politische Entscheidungen, denn nur die können die großen, wirklich effizienten Hebel umlegen. Mit dem individuellen Ablasshandel verhilft sich dagegen im Zweifelsfall nur ein relativ winziger Teil der Menschheit zu einem besseren Gewissen, nämlich der wohlhabende: Der Rest fliegt ohnehin nicht, er nimmt keine Wannenbäder, er hat nichts, das Stand-by laufen kann, und er geht auch nicht zum Scissors-Sisters-Konzert.
http://www.global-cool.com

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.