Adobe ist Standard beim Desktop-Publishing. Die Produktpalette ist mittlerweile so ausdifferenziert und so voller Möglichkeiten, dass ein Kongress zur fachkundigen Nutzung eigentlich überfällig war. Adobe hat ihn im Mai auf sehr demokratische Weise ausgerichtet.
Text: robert feuchtl aus De:Bug 103


Die zweitägige Konferenz und Ausstellung “Adove Live!”, die am 9. und 10. Mai im Kölner Palladium stattfand und die Vereinigung sämtlicher Designer unter Adobe-Flagge mit dem Schlagwort “Viva la Revolucíon!” einzuläuten versuchte, schoss slogantechnisch etwas über das Ziel hinaus. Adobe gehört nämlich eigentlich schon alles und hat die Revolution längst durchgesetzt. Adobe-Produkte und Technologien wie Photoshop, Adobe Reader, PDF/X, Postscript, After Effects oder Flash, um nur einige zu nennen, sind nicht mehr wegzudenkende Grundbausteine unserer elektronisch vernetzten Gesellschaft. Aber wem sage ich das? 1,966 Milliarden Dollar Jahresumsatz im Jahre 2005 spiegeln diesen Einfluss in Zahlen wieder. In Wirklichkeit ging es nicht um Weltherrschaft, sondern um die immer weiter stattfindende und sinnvolle Verzahnung der einzelnen Adobe-Produktgattungen, die mit Verlaub gesagt mittlerweile zu einer sehr unübersichtlichen Masse herangewachsen sind. Ein wenig Orientierungshilfe tut also Not. Passend dazu fanden an den zwei Konferenztagen eine Unmenge an Workshops und Seminaren zu den wichtigsten Themen rund um Post-Filmbearbeitung, Flash-Design, Photoshop-Finishing, Web-Design, DVD-(Menü-)Design, Druckfertiglegung und alles thematisch Tangierende statt. Eintritt kostete das Ganze (bis auf die etwas versteckten MasterClass-Kurse) nichts und die klassischen Messedetails wie z.B. Catering waren unerwartet günstig: Die heiße Bockwurst ging für 2,- € über den Ladentisch und die Vegetarier blieben auch nicht hungrig. Die Atmosphäre im Kölner Palladium ist aufgrund der Räumlichkeiten relativ konzentriert und familiär, auch dies im Vergleich zu anderen Kongressmonstern ein klarer Vorteil. Doch zurück zum Inhalt:
Illustre Gäste wie z.B. Carlo Blatz, Flashspezialist der ersten Stunde, der mit eigener Firma Powerflasher GmbH unterm Hintern für etwa 500 verschiedene Firmen Flash-CIs und Designs angerichtet hat und mit seinem 18-köpfigen Team zu den führenden Kräften kommerzieller Flashanbieter in Deutschland zählt, erzählte mit motivierender Chuzpe aus dem Nähkästchen. Zum Thema Flash-Animationen forderte er sein Publikum auf, die Natur zu beobachten und mit den gegebenen Einschränkungen von Flash zu spielen. Höhepunkt war eine interaktive 3D-Planetenfahrt durchs Sonnensystem, die mit der eigentlich nicht 3D-bewährten Flash 7 Engine realisiert wurde, aus dem Hause Powerflasher. Ein anderer Gast, Greg Rewis, offizieller “Adobe Evangelist”, preiste die Vorzüge von Studio 8, einem Adobe-Bundle zur (Flash-)Webgestaltung und Verwaltung. So zeigte er die überzeugenden Vorzüge der neuen Flash 8 Engine wie 3D-Gestaltungsmöglichkeiten, schnellerem Renderer und der Möglichkeit, Sprite-ähnliche Bitmap-Manipulationen wie “Drop-Shadow”, “Glow” oder “Blur” direkt in Flash zu erzeugen. Doch auch hochspezialisierte Felder wurden beackert: So erklärte Mirko-Echghi-Ghamsari von MFX Digital im Seminar “Matchmoving With A Twist – 3D Kameratracking für Oliver Twist” wie anhand von VFX-Szenen des Polanskifilms “Oliver Twist” das Matchmoving mit After Effects realisiert wurde. Unter “Gerhard’s Freizeitgenerator” verbarg sich dann ein kleiner, praktischer Kurs von Gerhard Koren, der ausgewählte Tricks und Abkürzungen für die zeitsparende, kreative und mechanische Arbeit an Adobe-Programmen zeigte. Man könnte munter so weiter machen, mehr als 70 Vorträge und Praxisworkshops auf insgesamt vier Bühnen zu den Themen Design für Print, Web, Video und Fotografie hat man selten auf einen Schlag. So etwas sollte jedes Jahr stattfinden.

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Elektronische Lebensaspekte.